Tatort: Das Magazin

Die Seele hat Schaden genommen

Lippert: Sie malen düstere Szenarien über die Zerstörung ihrer Lebenswelt. Gleichzeitig zeichnen Industrie und Politik ein ganz anderes Bild der Lage. Aus ihrer Perspektive ist alles vollkommen risikofrei. Rechtlich ist der Konzern so gut wie unangreifbar, weil ihn eine Armada von Anwälten schützt. In diesem Spannungsfeld entstehen starke Emotionen wie Angst und Zorn. Das ist ein guter Nährboden für unsere Kombination von Krimi und Horrorgenre.

Kren: Wir spitzen die Geschichte in dem Sinne zu, dass Geist und Seele der Menschen Schaden genommen haben ...

Angst, die krank macht

... der Hass auf den Konzern hat sie emotional vergiftet. Diese Doppelbödigkeit war für uns die Herausforderung.

Lippert: Letztlich sind im Film mehrere Lesarten möglich. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Vergiftungen der Dorfbewohner auf einen Nocebo-Effekt zurückzuführen sind, auf eine krankmachende Angst vor Gefahren. In der Historie von Epidemien gibt es erstaunliche Phänomene, die eingebildet waren und mit dem Glauben der Menschen zusammenhängen. Auf der anderen Seite muss man in Betracht ziehen, dass die Vergiftungen echt sein könnten.

Die Macht alter Mythen

Kren: Kommissarin Grosz kann sehen, wie sich die Menschen verändern, ihrem Kollegen Falke fehlt diese Gabe.

Lippert: Einem alten Mythos zufolge hat das Grauen nur Macht über die Menschen, die es sehen. Die naiven Figuren sind davor geschützt. Weil sie das Grauen nicht erkennen, existiert es für sie nicht. Falke ist zwar alles andere als blauäugig, aber er hat eine sehr geerdete Art, er ist pragmatisch.

Kren: Grosz ist dagegen eine empathische Figur. Sie nimmt die Welt über andere Sinne wahr.

>> MDR: Dreharbeiten in Dresden