Das Erste: Neues

FilmDebüt im Ersten

Wie in jedem Jahr zeigt die ARD an neun Wochen im Sommer Nachwuchs-Regie-Arbeiten. Es darf gestaunt werden, welche herausfordernden Themen die Debütanten anpacken und was sie künstlerisch, ästhetisch und dramaturgisch daraus machen. Ob Zufall, Zeitgeist oder die internationale Weltlage: Es dominieren dieses Jahr politische, historische und internationale Themen und Konflikte.

Neoliberalismus und Globalisierung mit drei Darstellern im Hotelzimmer anzugehen - diesen Einfall hatten Autor Stefan Weigl, Produzentin Milena Maitz und Regisseur Johannes Naber.

"Zeit der Kannibalen" / "Simon ..."

Hier zeigt sich, wie unerschrocken und ideenreich Debütanten an ihre Projekte herangehen können. Der Film "Zeit der Kannibalen" hat den deutschen Filmpreis für das beste Drehbuch gewonnen. Mit ihm eröffnete die diesjährige Staffel "FilmDebüt im Ersten" am Dienstag, 14.06.2016, um 22.45 Uhr.

Vivian Andereggens Debütfilm "Simon sagt auf Wiedersehen zu seiner Vorhaut" ist eine klassische Coming-of-Age-Geschichte um den pfiffigen Simon. Die Regisseurin erzählt mit hohem Tempo und einem Gespür für ein geerdetes Weltbild. (Di, 21.06.2016, 00.35 Uhr)

"Anderswo"

Auswirkungen der Globalisierung beschäftigen auch die israelische Filmemacherin Ester Amrami, die seit zehn Jahren in Berlin lebt. In ihrem komischen Drama "Anderswo" sucht die Studentin Noa in Berlin nach Heimat und Identität zwischen den Kulturen.

Das Thema dieser fein beobachteten Tragikomödie ist das Gefühl der Heimatlosigkeit. (Di, 28.06.2016, 22.45 Uhr)

"Die Brücke am Ibar"

"Die Brücke am Ibar", der zweite Spielfilm der Regisseurin Michaela Kezele, ist ein Film, der sich auf sehr emotionale Weise dem Kosovo-Krieg 1999 nähert und vom Eindringen von Gewalt in den Alltag erzählt.

Die junge Witwe Danica lebt mit ihren beiden Söhnen in einer serbischalbanischen Siedlung. Ramiz, ein verwundeter Albaner und UCK-Soldat sucht in ihrem Haus Schutz.

(Di, 05.07.2016, 22.45 Uhr)

"Wolfskinder"

Auch in dem Drama "Wolfskinder" von Rick Ostermann geht es um Krieg und Gewalt. Nach dem Zweiten Weltkrieg, in einem ehemaligen ostpreußischen Dorf unter sowjetischer Besatzung, stirbt die Mutter des 14-jährigen Hans und seines kleinen Bruders. Die Jungen versuchen, sich nach Litauen durchzuschlagen und werden getrennt. Auf der Suche nach seinem Bruder schließt sich Hans einer Kindergruppe an, die gegen Hunger und Krankheiten ankämpft.

Der Film erhielt 2014 den Friedenspreis des deutschen Films.

(Di, 12.07.2016, 22.45 Uhr)

"Youth"

Das leicht groteske, sozialrealistische Entführungsdrama "Youth" von Tom Shoval zeigt, wie die Verzweiflung zwei Brüder dazu treibt, mit einer wahnwitzigen Idee ihre Eltern vor der Obdachlosigkeit zu retten. Sie kidnappen ein reiches Mädchen, um dadurch an viel Geld zu kommen, da ihre Eltern den Wohnungskredit nicht mehr abzahlen können.

Der Film erzählt von einem Israel jenseits des Nahostkonflikts, in dem die Mittelklasse verarmt. Er wurde 2013 zum Geheimtipp der Berlinale.

(Di, 26.07.2016, 22.45 Uhr)

"Finsterworld"

"Finsterworld" spielt in einem scheinbar aus der Zeit gefallenen und von den Nazis traumatisiertem Deutschland. Ein Land, in dem die Sonne scheint, Kinder Schuluniformen und Polizisten Bärenkostüme tragen. Hinter der Schönheit lauert der Abgrund, und dorthin führt uns der Film.

Zwischen Tragik und absurder Komik seziert die Regisseurin Frauke Finsterwalder in ihrem Debüt deutsche Identität und Vergangenheitsbewältigung und greift Themen wie Einsamkeit, Ausgrenzung und den Faschismus im Alltag auf.

(Di, 19.07.2016, 22.45 Uhr)

"Vergiss mein Ich"

Auch ein Einzelschicksal, ein persönliches Drama, fehlt nicht. Mit "Vergiss mein Ich" erzählt Jan Schomberg eine intensive Geschichte um eine Frau, die an einer retrograden Amnesie leidet. In ihrem eigenen Leben muss sie deswegen wieder bei Null anfangen und versucht mit Hilfe ihres Mannes herauszufinden, wer sie war und ist.

Es ist ein Film, der eine Beziehung von Körper und Geist, zwischen "Außen" und "Innen" erforscht.

(Di, 02.08.2016, 23.00 Uhr)

"Das Spinnwebhaus"

Den Abschluss der Reihe bildet Mara Eibl-Eibesfeldt mit ihrem Erstlings-Spielfilm "Im Spinnwebhaus", für den sie 2015 den Prix Europa für den besten europäischen Fernsehfilm erhielt.

Mehr expressionistischer Märchenfilm als Sozialdrama erzählt der Film, wie sich drei Geschwister allein über Wasser halten, nachdem ihre überforderte Mutter sich in die Psychiatrie zurückgezogen hat.

(Di, 09.08.2016, 22.45 Uhr)

FilmDebüt im Ersten, neun Filme ab 14.Juni im Ersten

>> Bericht aus Berlin:Sommerinterviews