Mo 18.05.15

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ARD-Morgenmagazin
Erben oder Verschenken

In den nächsten Jahren werden nach Expertenschätzungen in 2/3 aller Nachlässe Immobilien, Wohnungen oder Grundstücke enthalten sein. Man geht davon aus, dass jährlich rund 250 Mrd. Euro in Deutschland vererbt werden.

Dieser Wert soll bis zum Jahr 2020 auf 330 Mrd. ansteigen - Immobilien inklusive. Nur wenige Immobilienbesitzer machen sich allerdings Gedanken, wie sie ihr Haus oder Grundstück am besten an die nächste Generation weitergeben.

Schenkung vs. Vererben (1)

Vorab: Ob eine Schenkung oder eine Vererbung der bessere Weg ist, kann nicht pauschal beantwortet werden, sondern hängt immer vom Einzelfall ab.

Im Gegensatz zu einem Testament kann man eine Schenkung nicht mehr ohne weiteres rückgängig machen - die Schenkung einer Immobilie ist also in der Regel endgültig, frei nach dem Sprichwort "Geschenkt ist geschenkt, zurückgeholt ist gestohlen".

Schenkung vs. Vererben (2)

Es lassen sich allenfalls bestimmte in der Zukunft liegende Risiken absichern. Solche Sicherungsmaßnahmen gehören in jede notarielle Urkunde.

Ein Testament kann jederzeit geändert werden und tritt erst im Todesfall in Kraft. Bei einer Schenkung zu Lebzeiten tritt die Zuwendung hingegen sofort ein.

Eigene Lebensplanung beachten (1)

Wer über eine lebzeitige Schenkung nachdenkt, sollte seine eigene Lebensplanung überdenken.

Wo möchte ich zukünftig wohnen? Benötige ich das Geld aus dem Hausverkauf evtl. um altersgerecht zu wohnen? Kommt vielleicht sogar ein Umzug ins Ausland in Betracht (auch aus gesundheitlichen Gründen, z.B. aufgrund einer Rheumaerkrankung)? Immer muss auch das eigene Pflegefallrisiko einkalkuliert werden!

Eigene Lebensplanung beachten (2)

Ganz wichtig ist auch, dass schenkende Eltern eine Veränderung im persönlichen Verhältnis zu den beschenkten Kindern beachten sollten.

Wird z.B. eine Immobilie auf die Tochter schenkweise übertragen und bewohnen die Eltern danach das Erdgeschoss und die Tochter das Obergeschoss, muss bedacht werden, dass es auch zum Streit zwischen den Beteiligten kommen kann, was das Zusammenleben im Haus belastet.

Nutzungsrechte der Immobilie(n)

Bei den Rechten zur Nutzung des zu verschenkenden Hauses unterscheidet man zwischen einem Wohnrecht und dem so genannten Nießbrauchsrecht.

Während man beim Wohnrecht nur das Recht zum Bewohnen des Hauses hat, kann man beim Nießbrauchsrecht das Haus auch wirtschaftlich nutzen. Eltern können in diesem Fall das Haus auch vermieten und die Mieteinnahmen kassieren. Verkaufen dürfen hingegen nur beschenkte Kinder.

Vorversterben des Kindes als Beschenkte/r (1)

Stirbt das beschenkte Kind vor den Eltern, sollte man sich überlegen, was dann mit dem Vermögen passieren soll.

Zum Beispiel kann man festlegen, dass das Vermögen im Falle des Vorversterbens an die Eltern als ursprünglich Schenkende, zurückfließt. Denn denkbar wäre zum Beispiel auch, dass das beschenkte Kind verheiratet ist und sein Testament zugunsten des Ehegatten macht

Vorversterben des Kindes (2)

Die geschenkte Immobilie landet so beim Schwiegerkind und kann von diesem verkauft und der Erlös verbraucht werden.

Wer das nicht möchte, muss eine entsprechende Rückfallklausel für den Fall des Vorversterbens des Kindes in der Schenkungsurkunde festlegen lassen und sollte zusätzlich dafür Sorge tragen, dass das Kind in einem eigenen Testament die Weitergabe der Immobilie an die eigenen Kinder sicherstellt.

Vermögen unter mehreren Kindern aufteilen (1)

Wenn mehrere Kinder bedacht werden sollen, kann sich im Erbfall ein Kind ungerecht behandelt fühlen, wenn ein anderes vorher schon etwas geschenkt bekommen hatte. Manchmal gibt es dann sogar Ansprüche gegen den beschenkten Bruder oder die Schwester (sogenannte Pflichtteilsergänzungsansprüche, s.u.).

Daher sollte man am besten regeln, welches Kind was bekommen soll.

Vermögen unter mehreren Kindern ... (2)

Wird ein Kind zum Beispiel bereits zu Lebzeiten beschenkt, die Geschwister aber nicht, so kann mit dem beschenkten Kind ein Verzicht vereinbart werden. Im Erbfall würden dann die übrigen Geschwister alleine erben.

Es gibt auch noch die Möglichkeit einer Erben- oder Eigentümergemeinschaft. Hier würden alle Kinder zu gleichen Teilen erben oder zu Lebzeiten beschenkt werden.

Vermögen unter mehreren Kindern ... (3)

Häufig wird dies bei Immobilien in Erwägung gezogen. Aber: Hier müssen sich die Kinder immer in allen Entscheidungen bezüglich der Immobilie einig sein.

Sei es beim Wohnen, Verkaufen, Beleihen, bei finanziellen Investitionen im Haus usw. Das kann zu Konflikten zwischen den Geschwistern führen.

Pflegerisiko beachten

Bei jeder Schenkung sollte auch das Risiko einer eventuellen späteren Pflegebedürftigkeit des Schenkers mit einkalkuliert werden. Reicht das Geld für eine Pflege nicht aus, übernimmt diese Kosten der Sozialhilfeträger, der dann die Schenkung rückgängig machen kann, wenn sie unter 10 Jahre zurückliegt.

Der Zeitpunkt der Schenkung spielt also auch eine wichtige Rolle und sollte mit bedacht werden.

Das sollten beschenkte Kinder beachten

Wenn die Eltern ihrem Kind zum Beispiel zu Lebzeiten ein Haus schenken, sollte das beschenkte Kind dies im Falle einer Heirat nicht außen vor lassen.

Denn: Kommt es zu einer Scheidung, hat der geschiedene Ehepartner im Falle einer Wertsteigerung der von den Eltern geschenkten Immobilie auch ein Recht auf eine Ausgleichszahlung im Rahmen des sogenannten Zugewinnausgleichs.

Das sollten beschenkte Kinder .... (2)

D.h., der geschiedene Ehepartner kann u.U. Ansprüche stellen, obwohl nur das eigene Kind beschenkt werden sollte.

Dann muss auch eine Rückforderungsklausel für den Fall der Scheidung des Kindes in die Schenkungsurkunde genommen werden. Dazu sollte das Kind im Ehevertrag eine sog. modifizierte Zugewinngemeinschaft vereinbaren und die Immobilie aus dem Zugewinnausgleich bei Scheidung herausnehmen.

Steuern beachten (1)

In vielen Fällen ist eine lebzeitige Übertragung sinnvoll.

So z.B., wenn größeres Vermögen vorhanden ist, welches dann "schrittweise" unter Ausnutzung der jeweiligen Freibeträge (Ehegatten 500.000 EUR, Kinder 400.000 EUR) weitergegeben werden kann, wobei diese Freibeträge alle 10 Jahre neu anfallen.

Steuern beachten (2)

Auch andere steuerliche Vorteile sind gegeben: Die Schenkung des Familienheims an einen Ehegatten oder Lebenspartner ist grundsätzlich steuerfrei - unabhängig vom Wert des Hauses (der Freibetrag also nicht von Bedeutung)!

Im Erbfall hingegen muss der Ehepartner noch 10 Jahre im Haus leben (Ausnahme: Er wird zum Pflegefall und zieht in eine Pflegeeinrichtung), bevor er das Haus steuerfrei verkaufen kann.

Steuern beachten (3)

Die steuerliche Seite wird in vielen Fällen aber erst gar nicht relevant.

Gehört die Immobilie im vorgenannten Beispiel beiden Eltern und wollen diese die Immobilie an die Tochter weitergeben, fällt sowohl bei der Schenkung als auch bei der Vererbung keine Steuer an, weil der Freibetrag von 400.000 EUR gegenüber jedem Elternteil besteht.

Steuern beachten (4)

In Fällen entfernterer Verwandtschaft oder gar keiner Verwandtschaft trifft die Steuerlast hingegen ungleich härter.

Das gilt auch für nicht verheiratete Paare oder Partner. Hier besteht nur ein Freibetrag in Höhe von 20.000 EUR bei einem Steuersatz von 15 % bis 43 % in Steuerklasse II und 30 % bis 50 % in Steuerklasse III.

Schenkung als Gestaltungsmittel - Pflichtteil beachten (1)

Ein Grund für lebzeitige Schenkungen sind auch Gestaltungen zur Reduzierung des Pflichtteils, insbesondere bei Patchworksituationen oder weil sich das Verhältnis verschlechtert hat.

Dabei ist jedoch zu beachten, dass lebzeitige Schenkungen zu sog. Pflichtteilsergänzungsansprüchen nach dem Tod des Schenkers vor Ablauf von 10 Jahren bei Pflichtteilsberechtigten führen.

Schenkung als Gestaltungsmittel ... (2)

Dabei wird oft übersehen, dass diese 10-Jahres-Frist gar nicht beginnt, wenn ein Nießbrauchsrecht oder Wohnrecht vorbehalten bleibt. Diese Frist gilt nie bei Schenkungen unter Ehepartnern.

Richtig genutzt führen lebzeitige Schenkungen zur Pflichtteilsreduzierung, insbesondere auch für die Schenkung von Geld. Hier hat der Gesetzgeber eine "Abschmelzung" eingeführt (10% pro Jahr zwischen Schenkung und Erbfall).