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Mo 28.07.14

05.30 - 09.00 Uhr
ARD-Morgenmagazin
Welche Rechte haben Großeltern?

Großeltern sind eine wundervolle Bereicherung für Kinder, sind wichtige Bezugspersonen. Viele Großeltern betreuen den Nachwuchs, wenn die Eltern dem Job nachgehen oder springen ein bei unerwarteten Problemen.

Meist ist es dann die Scheidung oder der Tod des eigenen erwachsenen Kindes, der den Kontakt zu den Großeltern zerbrechen lässt. Dabei haben Großeltern ein gesetzliches Umgangsrecht.

Entscheidend ist das Kindeswohl (1)

Großeltern haben einen Anspruch darauf, ihre Enkelkinder zu sehen und mit ihnen Zeit zu verbringen. Gerade in der Trennung oder beim Tod eines Elternteils spielen die Großeltern als stabile Bezugspersonen häufig eine ganz wichtige Rolle für die Kinder.

Dieses Recht ist gesetzlich verankert (§ 1685 BGB). Voraussetzung ist allerdings, dass der Umgang dem "Wohl des Kindes dient".

Entscheidend ist das Kindeswohl (2)

Der Kontakt muss also für das Kind förderlich sein und darf ihm auf keinen Fall schaden.

Wie oft Großeltern das Kind sehen dürfen, hängt von der familiären Situation ab:

Wie alt ist das Kind, wie weit wohnen die Großeltern entfernt, wie häufig war der Kontakt vorher?

Wer sich vorher viel gekümmert hat, hat in einem Prozess bessere Chancen (1)

Großeltern, die sich über Jahre um das Kind gekümmert haben, es etwa betreut haben, mit ihm in Urlaub gefahren sind, haben gute Chancen, auch weiterhin ein Umgangsrecht zugesprochen zu bekommen.

Verweigert der betreuende Elternteil dieses Recht, können Großeltern ihren Anspruch beim Familiengericht einklagen.

Wer sich vorher viel gekümmert hat, hat in einem Prozess bessere Chancen (2)

Allzu lange sollten diese allerdings nicht mit der Durchsetzung ihres Rechtes warten. Gerade jüngere Kinder haben ein anderes Zeitempfinden als Erwachsene. Ein paar Monate Kontaktabbruch kann schnell zu einer Entfremdung führen.

Für die Großeltern wird es dann immer schwieriger, den Kontakt erfolgreich einzuklagen.

Wer sich vorher viel gekümmert hat, hat in einem Prozess bessere Chancen (3)

Untersagt ein Elternteil den Umgang und trägt dafür Argumente vor, müssen Großeltern begründen und ggf. beweisen, warum es für das Kind förderlich ist, dass es weiter Kontakt zu ihnen hat.

Das Gericht prüft dann, ob sich das Kind in einem Loyalitätskonflikt befindet, es also zwischen den Großeltern und dem Elternteil stark hin- und hergerissen ist.

Wer sich vorher viel gekümmert hat, hat in einem Prozess bessere Chancen (4)

Massive Streitigkeiten zwischen Eltern und Großeltern führen im Allgemeinen dazu, dass das Erziehungsrecht der Eltern vorgeht und die Großeltern vor Gericht den Kürzeren ziehen.

Ältere Kinder dürfen selbst entscheiden

Starre Altersgrenzen, ab wann die Kinder selbst entscheiden dürfen, ob sie die Großeltern sehen dürfen, gibt es nicht.

Ältere Kinder dürfen selbst entscheiden (2)

Richter haben auf jeden Fall die Möglichkeit, ältere Kinder, die sich schon eine Meinung bilden können, nach ihren Wünschen zu befragen.

Nach Auffassung von Psychologen lehnen sich die meisten Kinder aber nur äu-ßerst selten gegen den betreuenden Elternteil auf. Sie gehen dem daraus resultierenden Konflikt lieber aus dem Weg.

Bundesinitiative Großeltern (1)

Die "Bundesinitiative Großeltern" sieht in dem Gesetz, das Großeltern ein Umgangsrecht zugesteht,nur eine Worthülse Dass Großeltern im Zweifel beweisen müssen, dass sie dem Kindeswohl dienen, will die Initiative nicht hinnehmen.

Genau wie bei Eltern - dort betrifft es meistens die Väter, die ihren Kindern entfremdet worden sind - erwartet die Selbsthilfegruppe ein Vorgehen nach dem sogenannten "Cochemer Modell".

Bundesinitiative Großeltern (2)

Im Interesse der Kinder sollen die Eltern trotz Trennung in die Lage versetzt werden, eine Bindung der Großeltern zu den Enkeln zuzulassen.

Die Interessen des Kindes werden dabei in den Mittelpunkt der Vermittlungsbemühungen gestellt. Konflikte sollen nicht versondern entschärft werden. Gericht, Jugendamt, Rechtsanwälte, Psychologen, alle sollen die Problemlösung gemeinsam beratschlagen.

Bundesinitiative Großeltern (3)

Die Bundesinitiative Großeltern listet auf ihrer Homepage Anwälte auf, die Großeltern nach diesen Grundsätzen vertreten wollen (siehe letzte Tafel).

Onkel, Tanten und andere Bezugspersonen

Neben den Großeltern verlieren häufig auch Onkel und Tante den Umgang zum Kind. Manchmal trifft es auch den Lebensgefährten eines Elternteils, etwa den langjährigen Lebenspartner, der das Kind mit großgezogen hat.

Onkel, Tanten und andere Bezugspersonen (2)

Auch solche Personen können ein Umgangsrecht haben. Erforderlich ist aber ein ganz enger Bezug zum Kind.

Die Rechtsprechung fordert eine "elternähnliche Exklusivität" des Bezuges. Haben diese Verwandte mit dem Kind jahrelang zusammengelebt und war der Kontakt immer gut, ist von einer solchen engen Beziehung auszugehen.

Quelle: ARD-Ratgeber Recht

http://www.daserste.de/information/ratgeber- service/recht/sendung/swr/enkel-102. html

Weitere Informationen:

- Bundesinitiative Großeltern | www.grosselterninitiative.de

- Selbsthilfegruppe

"Verstoßene Großeltern"

www.verstossene-grosseltern.de

- Informationen zur "Cochemer Praxis"

www.ak-cochem.de

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