Do 09.04.15

05.30 - 09.00 Uhr
ARD-Morgenmagazin
Der geeignete Rechtsanwalt

Ein Streit mit dem Arbeitgeber, Mängel in der Mietwohnung, eine Auseinandersetzung mit dem Nachbarn, Ärger beim Gebrauchtwagenkauf, Probleme während der Urlaubsreise, ein Behandlungsfehler beim Arzt, Probleme beim Kauf im Internet, Streit bei der Regulierung eines Unfallschadens, eine gescheiterte Ehe oder auch ein eingeleitetes Strafverfahren ...

Es gibt zahlreiche Gründe, einen Rechtsanwalt aufsuchen zu müssen.

Doch wie findet man "seinen guten Anwalt"? 2014 gab es in Deutschland 162.695 zugelassene Rechtsanwälte. Es gibt spezialisierte Rechtsanwälte, kleine Kanzleien und Großkanzleien und nicht weniger als 20 verschiedene Fachanwaltschaften.

Es gibt auch Siegel und Qualifikationen von Anwälten. Manche Siegel, Titel und Zertifikate führen auf dem Anwaltsmarkt jedoch in die Irre.

Anwaltsauswahl (1)

Bei der Auswahl eines Rechtsanwaltes sollte nicht nur auf die fachliche Qualifikation geachtet werden, sondern auch darauf, ob es auf der "menschlichen Ebene" passt.

Denn gerade bei Problemen, die einen langwierigen Prozess nach sich ziehen und auch persönliche Dinge vom Mandanten angesprochen werden müssen, ist eine gute persönliche Beziehung zwischen Mandant und Anwalt wichtig.

Anwaltsauswahl (2)

Der Rechtsanwalt ist grundsätzlich zur Verschwiegenheit verpflichtet.

Hilfreich kann es sein,auf Empfehlungen von Dritten (z.B. Familie, Bekannte, Freunde, Arbeitskollegen ...) zu hören, denn wer schon einmal einen Rechtsanwalt eingeschaltet hat, kann von seinen Erfahrungen mit der Tätigkeit und auch der Persönlichkeit des Anwalts berichten.

Anwaltsauswahl (3)

Auch im Internet (s.a. Internet-Tipps auf der letzten Tafel) gibt es zahlreiche Suchdienste, die dabei helfen, den richtigen Anwalt zu finden.

Dabei sollte der Ratsuchende zunächst das jeweilige Rechtsgebiet eingeben, das sein Problem umfasst.

Fachliche Kompetenz (1)

Rechtsanwälte haben sich im Rahmen eines langjährigen Hochschulstudiums und einer anschließenden praktischen Ausbildung (Referendariat) ein hohes Fachwissen angeeignet und müssen dieses auch ständig auffrischen.

Gleichwohl kann ein Rechtsanwalt nicht auf allen Rechtsgebieten umfangreiches Wissen besitzen.

Fachliche Kompetenz (2)

Wer einen Rechtsanwalt sucht, sollte sich daher zunächst darüber informieren, bei welchen Rechtsgebieten ein Rechtsanwalt bzw. eine Anwaltskanzlei die Schwerpunkte der anwaltlichen Tätigkeit setzt.

Hier lohnt sich schon oft ein Blick auf die jeweiligen Webseiten.

Fachanwälte (1)

Fachanwälte sind Rechtsanwälte, die sich neben ihrer allgemeinen Rechtsanwaltstätigkeit auf ein bestimmtes Gebiet spezialisiert haben.

Um die Bezeichnung "Fachanwalt" führen zu können, muss ein Rechtsanwalt einen Fachkurs besuchen, der in der Regel 120 Stunden und diverse Prüfungen umfasst. Auch muss er anschließend eine Vielzahl von bearbeiteten Fällen nachweisen.

Fachanwälte (2)

Derzeit gibt es für 20 Rechtsgebiete den Fachanwaltstitel, u.a. für:

Arbeitsrecht, Bau- und Architektenrecht, Erbrecht, Familienrecht, Handels- und Gesellschaftsrecht, Insolvenzrecht, Miet- und Wohnungseigentumsrecht, Sozialrecht, Steuerrecht, Strafrecht, Verkehrsrecht, Versicherungsrecht und Verwaltungsrecht.

Kosten

Die Kosten für den Rechtsanwalt bestimmen sich nach dem RVG (Rechtsanwaltsvergütungsgesetz), oder der Anwalt schließt mit dem Mandanten eine Vergütungsvereinbarung ab.

Eine Vergütungsvereinbarung ist zulässig, muss sich aber an gesetzliche Vorgaben halten. Im RVG sind die Gebühren für die anwaltliche Tätigkeit festgelegt, entweder als Festgebühren oder Rahmengebühren.

Beratungs- und Prozesskostenhilfe (1)

Benötigt jemand einen rechtlichen Rat, kann sich aber wegen eines geringen Einkommens oder Arbeitslosigkeit keinen Rechtsanwalt leisten, ist es durch staatliche Hilfe möglich, sich dennoch anwaltlicher Hilfe zu bedienen.

Beim Amtsgericht am Wohnort kann für die außergerichtliche Beratung durch einen Rechtsanwalt Beratungshilfe beantragt werden.

Beratungs- und Prozesskostenhilfe (2)

Wird die Beratungshilfe gewährt, übernimmt die Staatskasse die Kosten des Rechtsanwalts (außer einem kleinen Selbstbehalt).

Ist jemand aufgrund seiner wirtschaftlichen Verhältnisse nicht in der Lage, einen Prozess zu führen und hat die beabsichtigte Rechtsverfolgung Aussicht auf Erfolg, kann er beim Prozessgericht Prozesskostenhilfe beantragen.

Beratungs- und Prozesskostenhilfe (3)

Wird dem Antrag stattgegeben, übernimmt die Staatskasse Gerichtskosten, Auslagen für Zeugen und Anwaltskosten. Verbessert sich in den Folgejahren die Finanzlage des Antragstellers, können diese Kosten zurückgefordert werden.

Tipps (1)

Anwaltssuche: Auskunft über Anwälte in Ihrer Nähe durch die Deutsche Anwaltauskunft https://anwaltauskunft.de/ anwaltssuche/erweitert

Tipps (2)

Auch die regionalen Rechtsanwaltskammern helfen: www.brak.de

Engagement: Nicht nur Sachkunde und gute Organisation, auch das Engagement des Anwalts ist wichtig. Auf Wunsch sollte er auch schon vor dem ersten Termin telefonisch zur Verfügung stehen. Im Gespräch sollte er nur Ihr Problem im Blick haben und nicht etwa noch nebenbei telefonieren.

Weitere Informationen im Internet:

www.dav.de

www.anwalt-suchservice.de

www.bmj.de/SharedDocs/Downloads/DE/ Broschueren/DE/ Beratungshilfe_Prozesskostenhilfe

www.test.de/Qualitaet-von-Anwaelten-So-finden-Sie-gute-Anwaelte-1851964- 2851964/