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Do 10.04.14

05.30 - 09.00 Uhr
ARD-Morgenmagazin
Servicethema:
Die Rentenreform

Ob die Erwerbsminderungsrente, die Mütterrente oder die Rente mit 63: Es ist einiges in Bewegung.

Und das ausnahmsweise mal nicht mit Einbußen für Rentenversicherte wie Rentenbezieher sondern im Gegenteil mit Verbesserungen für beide Gruppen. Bis ins letzte Detail steht das zwar noch nicht in allen Bereichen fest, doch die meisten Fakten schon.

Erwerbsminderungsrente (1)

Wenn Sie wegen einer schweren oder chronischen Krankheit oder eines Unfalls gar nicht mehr oder nur noch stundenweise arbeiten können, zahlt Ihnen die gesetzliche Rentenversicherung.

Dies aber nur unter der grundsätzlichen Voraussetzung, dass mindestens fünf Jahre Versicherungszeit nachgewiesen werden können.

Erwerbsminderungsrente (2)

Als Berufsanfänger sind Sie nach einem Arbeitsunfall sogar schon vom ersten Arbeitstag an geschützt. Ein privater Unfall kann unter bestimmten Voraussetzungen bereits nach einem Jahr Beitragszahlung zur Rentenzahlung führen.

Es gilt allerdings außerdem der Grundsatz "Reha vor Rente".

Erwerbsminderungsrente (3)

Es wird geprüft, ob Ihre Erwerbsfähigkeit durch medizinische oder berufliche Rehabilitation wieder hergestellt werden kann und Sie danach wieder in der Lage sind, Ihren Lebensunterhalt selbst zu bestreiten.

Wenn das nicht möglich ist, wird beurteilt, in welchem zeitlichen Umfang Sie noch auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt arbeiten können.

Erwerbsfähigkeit (auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt)

- Können Sie nur noch weniger als drei Stunden täglich arbeiten, steht Ihnen die volle Rente zu

- Bei drei bis unter sechs Stunden täglich gibt's die halbe Rente

- Keine Rente bei sechs Stunden oder mehr täglicher Arbeitsfähigkeit

Ausnahme: Ältere Versicherte (vor 1961 geboren), die nur noch weniger als sechs Stunden täglich arbeiten können, können die halbe Rente beziehen.

Versicherungsrechtliche Voraussetzungen

Neben den medizinischen sind außerdem folgende versicherungsrechtlichen Voraussetzungen erforderlich: Sie müssen mindestens fünf Jahre versichert sein.

Und: In den letzten fünf Jahren vor Eintritt der Erwerbsminderung müssen drei Jahre mit Pflichtbeiträgen für eine versicherte Beschäftigung oder Tätigkeit belegt sein.

Halbe Arbeitskraft - halbe Rente

Wenn Sie nur noch eingeschränkt arbeiten können, kommt für Sie eine Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung in Betracht. In Verbindung mit einer Teilzeitarbeit soll sie Ihren Lebensunterhalt sichern.

Sie sind teilweise erwerbsgemindert, wenn Sie nicht imstande sind, sechs Stunden täglich zu arbeiten. Die Rente wegen ist daher halb so hoch wie die Rente wegen voller Erwerbsminderung.

Was ist, wenn es keine Teilzeitarbeit gibt?

Wenn Sie mind. drei Stunden, aber nur noch weniger als sechs Stunden täglich erwerbstätig sein können und arbeitslos sind, weil ein entsprechender Teilzeitarbeitsplatz nicht vorhanden ist, können Sie Anspruch auf Rente haben.

Das bedeutet, Sie können dann wegen des "verschlossenen Arbeitsmarktes""eine Rente wegen voller Erwerbsminderung bekommen.

Volle Erwerbsminderung

Die Rente wegen voller Erwerbsminderung soll Ihren Verdienst ersetzen, wenn Sie auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur noch weniger als drei Stunden täglich arbeiten können.

Menschen mit Behinderungen (1)

Wer schon vor Erfüllung der allgemeinen Wartezeit (= 5 Jahre) wegen einer Behinderung nicht (mehr) erwerbsfähig ist, kann einen Anspruch auf Rente wegen voller Erwerbsminderung haben.

Menschen mit Behinderungen (2)

Dies gilt, wenn er bis zur Erfüllung der Wartezeit von 20 Jahren ununterbrochen voll erwerbsgemindert geblieben ist.

Diese Regelung betrifft besonders Beschäftigte in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderungen.

Die Rolle des Arbeitsmarktes

Können Sie aus gesundheitlichen Gründen nur noch eine Teilzeitarbeit von mindestens drei Stunden, aber weniger als sechs Stunden täglich ausüben, und sind Sie arbeitslos, gelten Sie als voll erwerbsgemindert.

Damit trägt das Gesetz der schwierigen Situation auf dem Arbeitsmarkt Rechnung.

Rente und Nebenjob

Sind Sie gesundheitlich voll erwerbsgemindert und verdienen Sie trotz Ihrer Leistungseinschränkungen mehr als 450 Euro monatlich, so wird Ihre Rente nicht mehr in voller Höhe oder eventuell gar nicht mehr gezahlt.

Rente schon in frühen Jahren (1)

Auch junge Leute sind in der Rentenversicherung geschützt. Sie erhalten Rente, die nicht nur nach den gezahlten Beiträgen berechnet wird.

Rente schon in frühen Jahren (2)

Dafür sorgt die Zurechnungszeit. Das ist die Zeit zwischen dem Eintritt der Erwerbsminderung und dem vollendeten 60. Lebensjahr, ab Juli 2014 sogar bis zum 62. Lebensjahr.

Es wird dann so getan, als hätten Sie bis ins (relativ) hohe Alter weiter Beiträge auf Ihr Rentenkonto eingezahlt. Allerdings: Es müssen Abschläge von regelmäßig 10,8 Prozent hingenommen werden.

Rente auf Zeit oder unbefristet

Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit werden in der Regel für einen festgelegten Zeitraum gezahlt.

Wenn es aber unwahrscheinlich ist, dass Ihre Erwerbsminderung behoben werden kann und Ihr Rentenanspruch unabhängig von der Arbeitsmarktlage besteht, erhalten Sie diese Rente unbefristet.

Befristete Renten

Eine befristete Rente beginnt frühestens mit dem siebten Kalendermonat nach Eintritt Ihrer Erwerbsminderung. Endet Ihre befristete Rente und hat sich Ihr Gesundheitszustand nicht gebessert, können Sie die Rente weiterhin erhalten - eventuell erneut befristet.

Deshalb sollten Sie rechtzeitig (vier Monate vor Ablauf der Befristung) einen Weiterzahlungsantrag stellen.

Unbefristete Renten

Wenn Sie Ihren Rentenantrag innerhalb von drei Kalendermonaten nach Eintritt der Erwerbsminderung bei der Rentenversicherung einreichen, wird Ihre unbefristete Rente ab dem Monat nach Eintritt der Erwerbsminderung gezahlt.

Liegt Ihr Antrag erst nach Ablauf der drei Kalendermonate vor, zahlt die Rentenversicherung die Rente erst vom Antragsmonat an.

Nebenverdienst (1)

Neben einer Erwerbsminderungsrente darf durchaus noch gearbeitet werden. Dies bleibt aber nicht immer ohne Folgen:

- Bis zu 450 Euro Monatsverdienst (zweimal im Jahr bis zu 900 Euro) hat ein Nebenjob keinen Einfluss auf eine Erwerbsminderungsrente.

- Höherer Verdienst führt nicht sofort zum Verlust der Rente, mindert sie aber.

Nebenverdienst (2)

So sinkt eine "Vollrente" auf 3/4-Teilrente, 1/2-Teilrente oder 1/4-Teilrente, dies je nach Hinzuverdienst UND individuellem Arbeitsverdienst, den der Rentner in den drei Jahren vor Rentenbeginn erzielt hatte der Rentenbescheid nennt die Details dazu.

Die Mütterrente (1)

Mütter, die nach 1991 ein Kind geboren haben, erhalten drei Jahre lang eine Gutschrift auf ihrem Rentenkonto.

Die Mütterrente (2)

Diese Gutschrift ist in der Höhe, als hätten sie in dieser Zeit so viel verdient wie die Arbeitnehmer im Durchschnitt.

Das ergibt derzeit etwa 28 Euro pro Jahr der Erziehung = 84 Euro im Westen und etwa 26 Euro pro Jahr der Erziehung = 78 Euro im Osten.

WEITERE INFORMATIONEN

Ausführliche Informationen zu den Erwerbsminderungsrenten und den Hinzuverdienstmöglichkeiten finden Sie in den Broschüren der gesetzlichen Rentenversicherung "Erwerbsminderungsrente: Das Netz für alle Fälle" und "Erwerbsminderungsrente: So viel können Sie hinzuverdienen".

Die Broschüren gibt es kostenlos beim gesetzlichen Rentenversicherer.

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