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Do 28.08.14

05.30 - 09.00 Uhr
ARD-Morgenmagazin
Der Minijob

Millionen Teilzeitkräfte arbeiten in Privathaushalten, im Regelfall auf 400- oder schon auf 450-Euro-Basis. Das kostet den "Arbeitgeber" einen kleinen Sozialversicherungs-Aufschlag zum Lohn, entlastet ihn aber gleichzeitig bei der Steuer.

Allerdings werden offenbar viele Haushaltshilfen in dem Glauben beschäftigt, sie seien Arbeitnehmer "zweiter Klasse". Das stimmt aber nicht, wie die folgende Auflistung zeigt.

Vorab der für die "privat" minijobbenden Frauen und Männer und ihre Arbeitgeber häufig vernachlässigte Bereich: Sozialversicherung und Steuern.

Ein einziger 450-Euro-Job ist für die Beschäftigten grundsätzlich abgabenfrei. Verdienste mehrerer Arbeitsverhältnisse werden jedoch zusammengezählt, was insgesamt nicht mehr als 450 Euro ergeben sollte.

Der private Arbeitgeber bezahlt pauschal je 5 Prozent für die Kranken- und Rentenversicherung seiner Teilzeitkraft plus 2 Prozent Steuern an die "Minijobzentrale" der Bundesknappschaft in Essen.

Im Gegenzug darf der Arbeitgeber 20 Prozent seines Gesamtaufwandes von seiner Steuerschuld (also nicht vom steuerpflichtigen Einkommen) abziehen - maximal 510 Euro im Jahr.

Setzt der Arbeitgeber ein gewerbliches Unternehmen für Arbeiten rund um seinen Haushalt ein, so können ebenfalls 20 Prozent des Aufwandes abgesetzt werden - maximal 600 Euro im Jahr.

Allerdings: Wer keine Steuern zahlen muss, der kann durch die Einstellung einer Haushaltshilfe keine Steuern "sparen" - was insbesondere Rentner treffen könnte, die keine weiteren Einkünfte haben.

Um die Privathaushalte von den sonst üblichen "Arbeitgeberpflichten" zu befreien, braucht er weder Beiträge noch Steuern auszurechnen.

Er meldet lediglich die Höhe des Verdienstes an die Minijobzentrale in Essen und gibt eine Einzugsermächtigung für Beiträge und Steuern. Das ist das "Haushaltsscheckverfahren".

Arbeitsvertrag

Auch "450er" können einen schriftlichen Arbeitsvertrag (zumindest einen Nachweis über ihr Arbeitsverhältnis) verlangen. Inhalt: Dauer des Arbeitsverhältnisses (und ob es befristet ist), Arbeitsort, Aufgabenbereich, Lohnhöhe, Arbeitszeit, Urlaub, "Krankenlohn", Kündigungsfristen.

Arbeiten Teilzeitbeschäftigte "ohne , so erschwert das bei Streit den Nachweis, was denn vereinbart worden war.

Elternzeit

Den Beschäftigten stehen bis zu drei Jahre zu - der Arbeitsplatz bleibt erhalten, Elterngeld gibt es maximal in Höhe von 300 Euro monatlich bis zu zwei Jahre oder 450 Euro im Monat für ein Jahr. Es gelten Einkommensgrenzen.

Feiertage

Fällt Arbeit wegen eines Feiertages aus, so ist der Lohn weiter zu zahlen. "Nacharbeit" ist nicht nötig, aber möglich; die bezahlt der Arbeitgeber extra

Kündigung

Grundsätzlich können Arbeitgeber wie Teilzeitkräfte mit einer Frist von vier Wochen zum 15. oder zum Letzten eines Monats (schriftlich!) kündigen.

Nach längerer Haushaltszugehörigkeit verlängern sich die Kündigungsfristen auf einen Monat (nach 2 Jahren), auf zwei Monate (nach 5 Jahren), auf drei Monate (nach 8 Jahren) bis auf sieben Monate (nach 20 Jahren).

Lohnfortzahlungsanspruch besteht bis zu sechs Wochen für dieselbe Krankheit (nicht in den ersten 4 Wochen eines Arbeitsverhältnisses!). Das gilt für jede neue Krankheit erneut.

In bestimmten Fällen darf der Arbeitgeber "Vorerkrankungen" wegen desselben Leidens anrechnen - mit der Folge, dass er keine sechs Wochen Krankenlohn berappen muss. Die Krankenkasse der Minijobber informiert darüber im Detail.

Mutterschaftsgeld (einmalig 210 Euro) bekommen junge Mütter, die bis zu 450 Euro verdienen, vom Bundesversicherungsamt, Villemombler Straße 76, 53123 Bonn (auch Antragsformular).

Auch Rentner können auf "450-Euro-Basis" arbeiten. Das gilt für Bezieher einer Erwerbsminderungs- oder vorzeitiger Altersrente.Höherer Verdienst kürzt die Rente. Ab "65" (je nach Geburtsjahr auch einige Monate später) ist dann jeder Verdienst "rentenunschädlich".

Unfallversicherung

Auch die 450-Euro-Kräfte sind gesetzlich unfallversichert und werden beim Gemeinde-Unfallversicherungsverband oder der Landesunfallkasse geführt.

Die Beiträge in Höhe von 1,6 Prozent des Arbeitsverdienstes im Jahr trägt allein der Arbeitgeber. Die werden zusammen mit den anderen Abgaben von der Minijob-Zentrale eingezogen.

Urlaub

Bezahlter Erholungsurlaub steht für mindestens vier Wochen pro Jahr zu. Wer zwei Tage pro Woche arbeitet, der bekommt acht Tage im Jahr frei, bei einer Drei-Tage-Woche sind es zwölf Tage. Natürlich kann auch ein längerer Urlaub vereinbart werden.

Urlaubs- und Weihnachtsgeld können Teilzeitkräfte beanspruchen, wenn es im Arbeitsvertrag vorgesehen ist (oder der Arbeitgeber freiwillig zahlt).

Urlaubs- und Weihnachtsgeld

Ein gesetzlicher Anspruch auf solche Sonderzahlungen besteht nicht. Doch handelt es sich nicht mehr um einen 450-Euro-Job, wenn jeweils zum Monatshöchstbetrag (also 450 Euro) Weihnachtsund/oder Urlaubsgeld hinzukommen. Dann setzt nämlich die Sozialversicherungspflicht ein.

Einzelheiten dazu erläutert dann die für die Teilzeitkräfte zuständige Krankenkasse.

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