Das Erste: Fr 26.08.16

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ARD-Morgenmagazin
Beleidigen, Beschimpfen, Mobben

Im Alltag geht es mit Schimpfwörtern oft rau zu - ob im Straßenverkehr, am Arbeitsplatz, beim Sport, in der Nachbarschaft oder auch im Internet. Mitmenschen beleidigen sich gegenseitig mit Wörtern und Gesten. Gerüchte werden gestreut oder Lügen verbreitet.

Wo hört der "Spaß" auf, wann ist die Grenze einer Albernheit überschritten und wann wird es strafbar, wenn man über andere herzieht?

Das Strafgesetzbuch (StGB) unterscheidet zwischen verschiedenen Beleidigungsdelikten:

Beleidigung (1)

Der Straftatbestand der Beleidigung ist in § 185 StGB geregelt. Die Tat wird dadurch vorgenommen, dass nach außen die Missachtung einem anderen Menschen gegenüber kundgetan wird.Das kann durch Schimpfwörter erfolgen, die ein anderer zur Kenntnis nehmen soll, aber auch durch Gesten (Zeigen des Mittelfingers)

Beleidigung (2)

Ein direkter Kontakt zwischen Täter und der betroffenen Person ist nicht erforderlich, eine Beleidigung kann auch schriftlich, über das Fernsehen oder über das Internet vorgenommen werden.

Eine Beleidung wird mit einer Geldstrafe geahndet, die u.a. vom Einkommen abhängig ist, oder mit einer Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren.

Üble Nachrede (1)

Wer über eine andere Person eine ehrverletzende Tatsache behauptet oder verbreitet, die nicht erweislich wahr ist, begeht nach § 186 StGB eine üble Nachrede.

Eine solche Tatsache muss geeignet sein, einen anderen verächtlich zu machen oder in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen.

Üble Nachrede (2)

Beispiele: "Mein Nachbar ist bei seiner Steuererklärung nicht ehrlich und trickst" oder "Mein Arbeitskollege lässt gerne mal Arbeitsmaterial mitgehen".

Als Strafe sieht das Gesetz eine Geldstrafe oder eine Freiheitstrafe von bis zu zwei Jahren vor.

Verleumdung

Die Verleumdung ist eine Steigerung der üblen Nachrede. Wer eine bewiesen unwahre Tatsache über jemanden anderen behauptet oder verbreitet, begeht nach § 187 StGB eine Verleumdung.

Die Strafe ist eine Geldstrafe oder ein Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren.

Schmerzensgeld für Beleidigungen

Ein Beleidigungsopfer kann vom Täter ein Schmerzensgeld fordern. Die Schmerzensgeldhöhe richtet sich nach dem Einzelfall und der Schwere der Beeinträchtigungen, die das Opfer erleidet. Die Gerichte urteilen ganz unterschiedlich.

Einige Urteile (1)

"Hure" = 100 Euro

(AG Bremen, Az. 9 C 306/11)

Einige Urteile - Schmerzensgeld (2)

"Dreckshure" = 100 Euro

(LG Zweibrücken, Az. 3 S 6/13)

"Scheiß Lesbe" = 250 Euro

(AG Düsseldorf, Az. 43 C 2072/07)

"Kinderficker" = 500 Euro

(ArbG Stuttgart, Az. 35 Ca 2937/06)

"Alte Fotze" = 306 Euro

(AG Schwedt, Az. 3 C 215/01)

Einige Urteile - Schmerzensgeld (3)

"Alte Drecksau" = 500 Euro

(AG Mayen, Az. 2 C 2/08)

"Blöder Arschficker" = 500 Euro

(AG Stuttgart, Az. 14 C 10497/91)

"Der ist total krank im Kopf" = 400 Euro (AG Borna, Az. 3 C 1190/01)

"Fotze"/"Schlampe" = 600 Euro

(LG Essen, Az. 13 S 16$709)

Einige Urteile - Schmerzensgeld (4)

"An die geht kein Hund mehr ran" = 1.250 Euro (LG Wiesbaden, Az. 6 O 331/88)

Spucken ins Gesicht = 500 Euro

(AG Lingen, Az. 12 C 377/01)

Spucken ins Gesicht verbunden mit Schimpfwörtern = 600 Euro

(AG Montabaur, Az. 10 C 277/03)