Fr 17.07.15

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ARD-Morgenmagazin
Gefahrlos schwimmen

Seit Jahrzehnten ist der Juli der Monat, in dem die meisten Menschen in Deutschland ertrinken. Letztes Jahr starben in Deutschland laut DLRG 392 Menschen beim Baden in Flüssen und Seen

Der Grund: Viele unterschätzen die Gefahren und immer weniger Menschen können richtig schwimmen. Ertrinken ist nach Verkehrsunfällen die zweithäufigste Todesursache bei Kindern. Darum ist Schwimmen lernen wichtig - und zwar so früh wie möglich.

Schwimmen ist nicht nur überlebenswichtig, sondern auch gesund und es fördert die kindliche Entwicklung. Es unterstützt die Unabhängigkeit und stärkt Selbständigkeit und Selbstbewusstsein.

Schwimmen lernen (1)

Man ist nie zu alt, um schwimmen zu lernen. Auch für Erwachsene werden Kurse angeboten: vor allem Vereine, wie die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft DLRG, öffentliche Schwimmbäder und Privatschulen bieten Kurse für Männer und Frauen an.

Schwimmen lernen (2)

Es gibt auch Spezialveranstaltungen zum Beispiel für muslimische Frauen. Kinder können bereits ab der zwölften Lebenswoche im Rahmen eines Babyschwimmkurses an den Aufenthalt im Wasser gewöhnt werden. Eine gute Voraussetzung für das spätere Schwimmenlernen.

Schon ab fünf Jahren ist ein Kind fähig, den relativ einfachen Bewegungsablauf des Kraulens, noch ohne regelmäßige Atmung, zu erlernen.

Schwimmen lernen (3)

Etwa ein Jahr später haben Kinder meist das nötige Koordinationsvermögen, Arm- und Beinbewegungen des Brustschwimmens richtig zu erlernen.

Schulschwimmen wird meist erst ab der dritten Klasse angeboten. Ein Lehrer, der allein mit einer Klasse von 25 oder mehr Kindern im Schwimmbad ist, kann sich kaum intensiv um Nichtschwimmer kümmern. Darum ist es sinnvoll, dass Ihr Kind schon vor dem Schulunterricht ein bisschen schwimmen kann.

Schwimmabzeichen und Prüfungen (1)

Niemand lernt allein im Schwimmkurs schwimmen. Wichtig ist, dass Sie regelmäßig mit Ihrem Kind schwimmen gehen, denn Übung macht den Meister.

Anfänger bekommen das "Seepferdchen". Dazu müssen sie eine Bahn schwimmen, vom Rand ins tiefe Wasser springen und aus brusthohem Wasser zwei Tauchringe an die Oberfläche holen können - aber sicher schwimmen können sie damit noch nicht.

Schwimmabzeichen und Prüfungen (2)

Hilfe und Überwachung sind nach wie vor unbedingt nötig.

"Bronze" entspricht dem früheren Freischwimmer. In 15 Minuten müssen die Kinder 200 Meter schwimmen, einen Tauchring aus zwei Metern Tiefe heraufholen und vom Ein-Meter-Brett springen können. Dazu kommen die Kenntnisse der Baderegeln.

Schwimmabzeichen und Prüfungen (3)

"Silber" bekommt man für das Schwimmen von 400 Metern in 25 Minuten (davon 100 Meter Rückenschwimmen), 10 Meter Streckentauchen, zweimaliges Tieftauchen und den Sprung aus drei Metern Höhe. Hier müssen neben den Baderegeln die wichtigsten Regeln der Selbstrettung beherrscht werden.

"Gold" gibt es für 600 Meter Schwimmen in 24 Minuten, 50 Meter Brustschwimmen in 70 Sekunden, Rücken- und Kraulschwimmen, Tief- und Streckentauchen.

Schwimmabzeichen und Prüfungen (4)

Zudem gehört Abschleppen eines Gleichaltrigen über 50 Meter und einen Sprung vom Drei-Meter-Brett zur Prüfung. Zu den Baderegeln und der Selbstrettung kommen hier noch Regeln der Hilfe bei Bade-, Boots- und Eisunfällen.

Kinder und Wasser (1)

Die beste Möglichkeit der Sicherheit ist der möglichst natürliche Umgang mit Wasser. Eltern sollten ihren Kindern viel Zeit unter ihrer Aufsicht widmen.

Kinder und Wasser (2)

Das kann bereits zu Hause in der Badewanne erfolgen, sich über das Planschbecken bis hin zum Nichtschwimmerbecken im Freibad fortsetzen. Da Kinder dazu neigen, sich zu überschätzen, behalten Sie Ihren Sprössling immer im Auge - auch, wenn er sein erstes Schwimmabzeichen bereits erhalten hat.

Als Hilfsmittel für die Wassergewöhnung sind Schwimmflügel, Schwimmsitze und Schwimmringe völlig ungeeignet.

Kinder und Wasser (3)

Sie verhindern den direkten Kontakt mit dem Wasser und vermitteln zudem eine trügerische Sicherheit. Auch als Lernhilfe für das Schwimmen sind sie nicht zu gebrauchen, da Kleinkinder im Alter bis zu vier Jahren motorisch noch nicht in der Lage sind, Schwimmen zu lernen.

Schlimmer noch: Selbst im flachen Wasser fehlt Kindern dieser Altersgruppe die Fähigkeit, sich nach einem Umkippen alleine wieder aufzurichten.

Kinder und Wasser (4)

Somit können sie sich selbst nicht retten. Auch angeblich sichere Sitze, aus denen die Kinder sich nach Herstellerangaben selbst befreien können, sind daher potenzielle Todesfallen.

Schwimmen in stehenden Gewässern (1)

In Teichen oder Seen bestehen Gefahren durch steil abfallende Ufer. Wasserpflanzen, Felsen, Pfähle, Baumstümpfe, Mauerreste und Unrat unter der Wasseroberfläche stellen ein erhebliches Verletzungsrisiko dar.

Schwimmen in stehenden Gewässern (2)

Besonders gefährlich sind Kiesgruben (mit Bagger), deren Ufer abrutschen können. Schlammiger Boden und brusttiefes Wasser sind unter Umständen lebensgefährlich, da der Versuch freizukommen zu weiterem Absinken führen kann.

In einem solchen Fall ist Panik zu vermeiden und der Betroffene muss versuchen, sich durch kräftige Schwimmbewegungen nur mit den Armen aus dem Morast zu lösen.

Schwimmen in stehenden Gewässern (3)

In stehenden oder langsam fließenden Gewässern befinden sich oft lange, bänderartige Gewächse, die bis knapp an die Wasseroberfläche wachsen. Panik und Entsetzen können den Ahnungslosen überkommen, wenn diese Gewächse den Körper streifen oder ihn festzuhalten drohen.

Bergseen-, Ton-, und Kiesgruben weisen unterschiedlich warme Wasserschichten auf.

Schwimmen in stehenden Gewässern (4)

Das kalte Wasser besitzt eine größere Dichte und liegt immer unter den warmen Schichten.

Insbesondere bei Kopfsprüngen werden diese Temperaturunterschiede deutlich spürbar. Wer vor dem Sprung lange in der prallen Sonne gelegen hat und ohne Abkühlung ins Wasser springt, riskiert einen Kreislaufschock.

Schwimmen in fließenden Gewässern (1)

In größeren Flüssen befinden sich zur Regulierung der Strömung und der Minimierung der Abtragung des Ufers sogenannte Buhnen. Sie verändern die Strömungsverhältnisse, insbesondere zwischen den Buhnen.

Da auch geübte Schwimmer beim Schwimmen gegen die Strömung schnell ermüden, soll te man sich nur in Strömungsrichtung fortbewegen, auch wenn dies der längere Weg zum Ufer ist.

Schwimmen in fließenden Gewässern (2)

Grundsätzlich sollte nicht dort, wo Schiffe und Boote fahren, geschwommen werden. In den Bundeswasserstrassen ist Schwimmen nicht generell verboten, es gibt jedoch Bereiche, in denen ein ausdrückliches Verbot besteht!

Nähere Infos hierzu unter:

https://elwis.de/Freizeitschifffahrt/

Verkehrsvorschriften/sonstiges/Verordnung-ueberdas-Baden-WSD-Sued/index.html

Schwimmen in Küstengewässern (1)

Das Baden und Schwimmen im Meer ist gefährlicher als in den Binnengewässern. In kurzer Zeit ändert sich oft der Grund. Tiefen entstehen, Sandbänke bilden sich oder verschwinden.

Wind und Strömung, gutes und schlechtes Wetter beeinflussen dauernd das Wasser. Das ruhigste Badegebiet kann durch umschlagenden Wind und ungünstig laufende Strömung innerhalb weniger Minuten zum tosenden Meer werden.

Schwimmen in Küstengewässern (2)

Deshalb niemals an unbewachten Stellen rausschwimmen und an bewachten Stellen immer auf die Sicherheits-Beflaggung achten. Die gehisste gelbe Flagge weist auf besondere Gefahren hin. Ist diese gesetzt, sollten nur erfahrene und ge-übte Schwimmer ins Wasser gehen.

Bei gehisster roter Flagge ist das Schwimmen und Baden verboten.

Baderegeln der DLRG

Die Baderegeln der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft und weitere Informationen finden Sie auf der Internetseite der DLRG:

http://www.dlrg.de