Fr 19.06.15

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ARD-Morgenmagazin
Rechtslage bei Minijobs

Steuerzahler sparen Geld, wenn die Putzhilfe schwarz arbeitet? Ein Irrtum - oft ist es sogar günstiger, sie ordentlich anzumelden. Weniger riskant ist es sowieso. Was Sie wissen müssen, wenn Sie eine Haushaltshilfe beschäftigen und dabei sauber bleiben wollen, finden Sie nachfolgend.

Legal ist oft günstiger (1)

Es ist verlockend, der Haushaltshilfe einfach für ihre Arbeit Geldscheine zuzustecken.

Legal ist oft günstiger (2)

Es schadet aber dem Fiskus und den Sozialversicherungsträgern. Diesen entgehen Steuern und Beiträge. Rechnungen zu kontrollieren und zu begleichen oder gar als Arbeitgeber aufzutreten ist aufwendiger, kann sich aber lohnen.

Unterm Strich sparen oft diejenigen, die eine Haushaltshilfe legal beschäftigen. Sie können einen Teil ihrer Ausgaben steuerlich absetzen. Und sie ersparen sich unvorhergesehene Kosten.

Unangemeldet kann teuer werden (1)

Privatleute fühlen sich oft sicher, wenn sie ihre Putzhilfe schwarz beschäftigen. Schließlich dürfen Fahnder nicht ohne weiteres in die Wohnung.

Auffliegen können die Auftraggeber trotzdem. Ihnen drohen dann Nachzahlungen, Bußgelder oder Strafen. Melden sie einen Minijob nicht an, kostet das bis zu 5.000 Euro Geldbuße. Hat ein Ausländer ohne Arbeits- oder Aufenthaltserlaubnis geputzt, droht zusätzlich Ärger

Unangemeldet kann teuer werden (2)

Verletzt sich ein Schwarzarbeiter bei der Arbeit/auf dem Arbeitsweg, springt die gesetzliche Unfallversicherung ein. Sie kann sich die Ausgaben für z.B. ärztliche Behandlungen vom Auftraggeber zurückholen. Er muss die Beiträge nachzahlen und hohe Geldbußen fürchten.

Lassen die heimlichen Helfer Wertgegenstände mitgehen, bringen sich die Bestohlenen selbst in Probleme, wenn sie Anzeige erstatten.

Legal ist einfach (1)

Hat die Reinigungskraft ein Gewerbe angemeldet, stellt sie eine Rechnung. Auftraggeber sollten darauf achten, dass diese ordentlich ausgestellt ist.

Bei Rechnungen bis zu 150 Euro Gesamtsumme genügen Name und Anschrift der Gewerbetreibenden, Rechnungsdatum, Art und Umfang der Leistung, Betrag, Mehrwertsteuer, der zugehörige Mehrwertsteuersatz bzw. ein Hinweis auf eine Steuerbefreiung.

Legal ist einfach (2)

Bei höheren Beträgen kommen die Steuernummer oder Umsatzsteuer-Identifikationsnummer sowie eine laufende Rechnungsnummer dazu.

Eine simple Quittung reicht also nicht. Barzahlen kommt ebenfalls nicht in Frage, wenn ein Auftraggeber die Ausgaben für eine selbstständige Reinigungskraft in der Steuererklärung geltend machen möchte.

Rentenversicherer hilft

Wird eine Putzhilfe beschäftigt, die weder als Selbstständige noch als Arbeitnehmerin angemeldet ist, können Nachzahlungen/Geldbußen fällig werden.

Auftraggeber dürfen Angaben der Putzhilfe vertrauen, wenn es keine Hinweise darauf gibt, dass etwas nicht stimmt. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann bei der Clearing-Stelle der Deutschen Rentenversicherung kostenlos den Status feststellen lassen; Tel. 0800-10004800.

Anmeldung (1)

Eine Putzhilfe ohne Gewerbe müssen Auftraggeber als Arbeitnehmerin anmelden. Das ist einfach, wenn sie kurzzeitig beschäftigt ist oder höchstens 450 Euro im Monat auf geringfügiger Basis verdient.

Ein Formular, der sogenannte Haushaltsscheck, reicht, um einen Minijob im Privathaushalt anzumelden. Die Minijob-Zentrale berechnet die Abgaben und zieht sie ein.

Anmeldung (2)

Maximal 14,54 Prozent des Arbeitsentgelts trägt der Arbeitgeber. Das deckt Lohnsteuer, Beiträge zur Sozialversicherung und Umlagen ab.

Auf den Minijobber entfallen 13,7 Prozent, wenn er nicht von der Rentenversicherungspflicht befreit ist. Die Minijob-Zentrale zieht auch den Teil beim Arbeitgeber ein. Der zahlt entsprechend weniger aus.

Rechte bei Minijobs (1)

Minijobbern steht bezahlter Urlaub zu. Sind sie krank, muss der Arbeitgeber sie bis zu sechs Wochen weiterbezahlen. Mutterschutz- und Kündigungsfristen und Ähnliches sind einzuhalten.

Gilt ein Beschäftigungsverbot für eine Frau in der Schwangerschaft, erstattet die Minijob-Zentrale aber 100 Prozent der Lohnkosten, bei Krankheit 80 Prozent.

Rechte bei Minijobs (2)

Bei einem Unfall springt die gesetzliche Unfallversicherung mit ihren Leistungen ein. Brutto 8,50 Euro Mindestlohn pro Stunde gelten auch im Haushalt. Es gibt aber Ausnahmen, zum Beispiel für Schüler unter 18 Jahren. Genaueres findet sich unter:

www.der-mindestlohn-gilt.de.

Anerkennung durch das Finanzamt (1)

Das Finanzamt erkennt 20 Prozent der Kosten im Jahr an, maximal 510 Euro.

Anerkennung durch das Finanzamt (2)

Als Nachweis bescheinigt die Minijob-Zentrale zu Jahresbeginn das Arbeitsentgelt und die Abgaben des Vorjahres. Oft ist ein Minijob daher günstiger als Schwarzarbeit. Da liegt der Gedanke nahe, Ehegatten und zuhause lebende Kinder als Haushaltshilfe zu beschäftigen.

Sie dürfen aber nicht als Minijobber im eigenen Haushalt angemeldet werden. Ansonsten kommen fast alle als Minijobber infrage.

Anerkennung durch das Finanzamt (3)

Arbeitslosen wird aber unter Umständen ein Teil des Entgelts auf den Leistungsbezug angerechnet.

Bei Jugendlichen empfiehlt es sich, sich den Ausweis zeigen zu lassen. Sie dürfen ab 13 Jahren mit Einwilligung des gesetzlichen Vertreters leichte Arbeiten durchführen, bis 15 Jahre aber höchstens zwei Stunden am Tag.

Minijobber aus dem Ausland (1)

Bei Bewerbern aus Ländern außerhalb der EU ist es ratsam, sich den Aufenthaltstitel zeigen zu lassen. Denn es ist verboten, sie ohne Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis zu beschäftigen.

Bei Minijobbern aus der Europäischen Union ist keine Arbeitserlaubnis erforderlich. Nur für Kroaten gelten bis Ende Juni Einschränkungen.

Minijobber aus dem Ausland (2)

Für Arbeitnehmer, die in einem anderen EU-Land leben und dort einen wesentlichen Teil ihres Einkommens erzielen, sind Minijobs in der Regel nicht möglich. Der Arbeitnehmer muss sich das von der zuständigen Stelle seines Landes bescheinigen lassen.

Der Arbeitgeber in Deutschland muss ihn in diesem Staat anmelden und dort Sozialversicherungsbeiträge zahlen.

Wenn ein Minijob nicht möglich ist (1)

Aufwand und Abgabenhöhe steigen, wenn ein Minijob nicht oder nicht mehr möglich ist, etwa weil die Haushaltshilfe zu viel mit mehreren Minijobs verdient. Grundsätzlich muss der Arbeitgeber das selbst prüfen, indem er die Aushilfe nach weiteren Beschäftigungen befragt.

Aber auch die Minijob-Zentrale überprüft, ob das Arbeitsentgelt aus mehreren Minijobs über 450 Euro liegt und informiert die Arbeitgeber.

Wenn ein Minijob nicht möglich ist (2)

Spätestens dann muss sich der Arbeitgeber selber um alles kümmern: seine Haushaltshilfe bei der Krankenkasse und der Unfallversicherung anmelden, Steuern und Abgaben berechnen und abführen.

Das gilt auch für Wohnungseigentümergemeinschaften oder bei Tätigkeiten in Gewerberäumen. Das Haushaltsscheck-Verfahren für Minijobs in Privathaushalten kommt dann nicht infrage.

Tipps (1)

Wer Minijobber beschäftigt, muss sie bei der Minijob-Zentrale anmelden und später abmelden, wenn das Arbeitsverhältnis endet.

- Haushaltsscheck: Sie brauchen das Formular "Haushaltsscheck". Fordern Sie es schriftlich an unter Minijob- Zentrale, 45115 Essen oder telefonisch unter 0355 - 290270799, oder füllen Sie es online unter www.minijob-zentrale.de aus.

Tipps (2)

- Betriebsnummer: Sie werden u.a. nach Ihrer Betriebsnummer gefragt. Haben

Sie noch keine, lassen Sie das Feld leer. Die Minijob-Zentrale weist Ihnen eine Betriebs-nummer zu.

- Pauschsteuer: Die Minijob-Zentrale zieht zwei Prozent des Arbeitsentgelts pauschal als Lohnsteuer ein, wenn Sie "Ja" beim Feld "Pauschsteuer" ankreuzen. Das ist ratsam.

Weitere Informationen

- Im Heft "test" 5/2015 (Artikel:

"Eine ganz saubere Sache, S. 12 ff.)

- "FINANZtest" Bestellservice:

Tel.: 01805 - 00 24 67

(14 Cent pro Minute) oder

- Leserservice: Tel.: 09001 - 58 37 82

(62 Cent pro Minute)