ARD Text - Der Teletext im Ersten
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Mi 22.10.2014Seite 375

21.45 Uhr
Plusminus

Giftiges Spielzeug (1)

Warum Produkte trotz Rücknahme weiter verkauft werden

Nicht alle Produkte, die Hersteller für gefahrlos erklären,sind auch gefahrlos. Oft bringen erst unabhängige Tests die Wahrheit ans Licht, etwa bei einem Beißspielzeug für Säuglinge, das einen krebserregenden Stoff enthält.

Unter dem Namen "Lela" wurde im Internet ein Rehkitz aus Kautschuk angeboten.

Giftiges Spielzeug (2)

Es ist ein Spielzeug für Säuglinge, die gerade Zähne bekommen. Ihnen soll das Kauen auf der als unbedenklich angepriesenen Zahnhilfe das Zahnen erleichtern. Was Mütter, die ihren Babys dieses Produkt gekauft haben, nicht wussten: Das Spielzeug enthält wohl Stoffe, die stark krebserregend sind.

Durch Zufall entdeckt eine Mutter ein Urteil von "Ökotest". Dort war man zu der Feststellung gekommen, dass das Rehkitz Nitrosamine enthält.

Giftiges Spielzeug (3)

Seit Jahren warnt das Bundesinstitut für Risikobewertung vor Nitrosaminen in Spielzeug aus Kautschuk für Kinder unter drei Jahren, denn "... sie können schon in kleinsten Mengen krebsauslösend sein, (...) die Schädigungen steigen linear mit der Dosis an ..."

Aus dem Handel genommen (1)

Das heißt, je länger ein Baby auf "Lela" herumkaut, desto gefährlicher wird es wohl. Das Spielzeugreh war den Behörden im Dezember letzten Jahres bei Stichproben aufgefallen. Das Ergebnis:

Aus dem Handel genommen (2)

Der in Deutschland zulässige Grenzwert für Nitrosamine wurde um das 22-fache überschritten. Daraufhin empfahl die zuständige Behörde eine Marktrücknahme aus dem Handel. Von über 10.000 kamen schließlich rund 5000 zurück und wurden vernichtet.

Kein Rückruf (1)

Mütter, die das Reh bereits gekauft hatten, wurden allerdings nicht informiert. Dazu hätte es eines Produktrückrufes bedurft, zum Beispiel mittels Pressewarnungen.

Kein Rückruf (2)

Weil der Rückruf aber ausgeblieben ist, sind wohl noch immer Tausende dieser gefährlichen Produkte in Kindermündern.

"Plusminus" will wissen, warum kein Rückruf erfolgt ist. In diesem Fall ist die Marktüberwachungsbehörde des Landkreises Darmstadt-Dieburg zuständig, weil hier der Hersteller sitzt. Dr.Andreas Schweigmann, Vertreter des Landkreises, hat folgende Erklärung:

Kein Rückruf (3)

"Wir haben das Ganze intensiv diskutiert und sind eben dadurch zu dem Ergebnis gekommen, dass es eine Grenzwertüberschreitung ist, aber noch keine akute Gesundheitsgefährdung."

Warum wird von keiner akuten Gesundheitsgefährdung ausgegangen? Warum erfolgte keine Warnung der Verbraucher, sondern nur eine Rücknahme aus dem Handel? Beim Europäischen Verbraucherverband BEUC in Brüssel will "Plusminus" wissen, wie man hier das Handeln der Behörde bewertet.

Kein Rückruf (4)

Sylvia Maurer vom Europäischen Verbraucherverband:

"Es ist absolut unverständlich, wie man zu so einer Einschätzung kommen kann. Man darf nicht vergessen, dass es als Zahnhilfe für Kinder angeboten wird. Hier gibt es eigentlich nur eine Maßnahme, die angemessen ist: einen schnellstmöglichen Rückruf und die Information des Endverbrauchers."

Kein Rückruf (5)

Doch auch der Hersteller, die "Lässig GmbH" aus dem hessischen Babenhausen, hätte wegen der Grenzwertüberschreitung das Spielzeug zurückrufen können; denn unabhängig von der Empfehlung der Behörde trägt er die Hauptverantwortung für sein Produkt.

Trotz Rücknahme noch immer im Handel(1)

Weil es keinen öffentlichen Produktrückruf gab, befinden sich noch immer noch Tausende Lelas in Kinderzimmern. Aber hat wenigstens die Rücknahme aus dem Handel funktioniert?

Trotz Rücknahme noch immer im Handel(2)

"Plusminus" sucht im Internet und entdeckt mehrere europäische Händler in Italien, Belgien und Holland, bei denen Lela noch immer zu bekommen ist.

Bei einem holländischen Anbieter bestellt "Plusminus" und bekommt tatsächlich wenige Tage später das gefährliche Spielzeug geliefert. Doch wie kann das sein? Nach Hinweisen des zuständigen Landkreises ist Lela seit Januar 2014 bei "RAPEX" gelistet.

Trotz Rücknahme noch immer im Handel(3)

RAPEX ist ein Schnellwarnsystem, das es Behörden in der EU ermöglicht, in ihrem eigenen Land gefährliche Produkte zu identifizieren und vom Markt zu nehmen.

Auch andere Produkte, die eigentlich vom Markt genommen worden sind, entdeckt "Plusminus" im Handel. So findet "Plusminus" zum Beispiel einen Babyschuh der Marke "Playshoes", der zu viel Chrom 6 enthält, sowohl im Internet als auch in einem Leipziger Babyfachgeschäft.Chrom 6 steht im Verdacht, Allergien und sogar Krebs auszulösen.

Trotz Rücknahme noch immer im Handel(4)

Daher wurde über RAPEX vor diesem Schuh gewarnt. Einen anderen Kinderschuh der Marke "Tortuga", vor dem ebenfalls wegen zu hoher Chrom-6-Werte über RAPEX gewarnt wird,ist noch immer über Amazon zu haben.

Reform auf Eis (1)

Dass RAPEX Schwächen hat, ist in Brüssel seit Jahren bekannt. Anfang 2013 legte die EU-Kommission ein Reformpaket vor, mit dem Kontrollen verstärkt und Zuständigkeiten klarer geregelt werden sollen.

Reform auf Eis (2)

Hier sieht auch Sylvia Maurer vom Europäischen Verbraucherverband Handlungsbedarf:

"Man müsste in Europa generell die Marktüberwachung ganz anders aufstellen und ganz anders organisieren. Eine kleinteilige Struktur auf kommunaler Ebene ist möglicherweise nicht das effizienteste Instrument, um flächendeckend in Deutschland, aber auch in Europa Produktsicherheit sicherzustellen.

Reform auf Eis (3)

Hier müssen die Behörden viel effektiver und besser auch auf EU-Ebene zusammenarbeiten. "

Doch das Reformpaket liegt zur Zeit auf Eis. Die Mitgliedstaaten können sich über wichtige Details nicht einigen. Dass die EU-Kommission Kinder vor gefährlichen Produkten bald besser schützt, ist daher eher unwahrscheinlich.

Strompreise: Warum Senkungen nicht beim Verbraucher ankommen (1)

Viele Haushalte zahlen immer mehr für ihren Strom. Einen Teil des Strompreises umfassen Abgaben und Umlagen, einen anderen die Konzerne. Letztere haben aber Erleichterungen oft nicht an ihre Kunden weitergegeben. Soll der Staat eingreifen?

Wenn Heike B. ihre Stromrechnung anschaut, dann steht sie sprichwörtlich selber unter Strom: Der Centpreis pro Kilowattstunde ist in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen.

Strompreise: Warum Senkungen ... (2)

Durch die Erhöhungen innerhalb der vergangenen vier Jahre hat Familie B. 200 Euro mehr bezahlt.

Die drei Preisfaktoren (1)

Der Strompreis ist in den vergangenen zehn Jahren um 60 Prozent gestiegen."Am einfachsten kann man die Zusammensetzung des Strompreises an drei großen Komponenten erklären. Der eine und zugleich größte Faktor sind die Steuern, Abgaben und Umlagen, also das, womit der Staat sein Geld verdient. ...

Die drei Preisfaktoren (2)

... Das Zweite sind die Netznutzungsentgelte, also das, was ich zahle, damit der Strom durch die Trassen fließt. Und das Dritte sind natürlich die Faktoren wie Börsenpreise, Beschaffungspreise, aber auch die Marge des Versorgers", erklärt Dagmar Ginzel vom Vergleichsportal "Verivox".

Nur Erhöhungen kommen beim Verbraucher an (1) Die staatlichen Abgaben sind in den vergangenen Jahren bis auf 50,6 Prozent gestiegen, zum Beispiel durch die EEG-Umlage.

Nur Erhöhungen kommen ... (2)

Diese Preissteigerung wurde in Form von Strompreiserhöhungen an die Stromkunden weitergegeben.

Durch ein Überangebot an Strom ist dagegen der Einkaufspreis an der Strombörse in den letzten Jahren um 25 Prozent gesunken. Der Strompreis für den Endkunden hingegen ist jedoch nicht günstiger geworden.

Die Stromkonzerne begründen das immer wieder mit den gestiegenen staatlichen Abgaben.

Die Zweifel der Verbraucherschützer (1)

Udo Sieverding von der Verbraucherzentrale NRW erklärt, warum eine Studie aus seinem Haus diese Argumentation der Stromkonzerne in Zweifel zieht:

"Aus der Betrachtung dieses Kostenblocks, Beschaffung, Marge, Vertrieb im vierjährigen Vergleich, können wir sagen, es ist ein großes Ergebnis, dass dieser Kostenblock, diese sogenannte Unternehmensspanne, in den letzten vier Jahren nahezu auf demselben Niveau geblieben ist."

Nur Erhöhungen kommen ... (3)

Die Vermutung liegt also nahe, dass die Konzerne mit der Ersparnis durch sinkende Einkaufspreise ihre Marge steigern wollen. Beweisen lässt sich das jedoch nur schwer, denn die Versorger müssen ihre Zahlen für Vertrieb, Marge und Einkauf nicht offenlegen.

Hätten die Konzerne die Ersparnisse weitergegeben, so hätten Stromkunden etwa 2013 395 Millionen Euro weniger an Strom bezahlen müssen.

Eingriff durch den Staat?

Für Simone Peter, Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Grüne, sind die Wettbewerbshüter in der Pflicht:

"Gerade weil wir jetzt beobachten, dass der sinkende Börsenstrompreis in den letzten Jahren nicht weitergegeben wurde, jetzt die möglicherweise sinkende EEG-Umlage nicht weitergegeben wird, ist die Wettbewerbsbehörde umso mehr gefragt.

Hier muss genau hingeschaut werden, dass nicht einseitig belastet wird, nämlich entgegen der Interessen der Verbraucherinnen und Verbraucher."


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