ARD Text - Der Teletext im Ersten
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Sa 02.08.14Seite 524

17.03 - 17.30 Uhr
Ratgeber: Geld

Finanzkrise: Wo stehen wir heute? (1)

Vor rund sechs Jahren erfasste die Welt eine große Finanzkrise, die zur Wirtschafts-, später zur Eurokrise wurde. Doch wo stehen wir heute eigentlich?

Schaut man sich die deutsche Industrie an, scheint es, das Wort "Krise" nicht mehr zu geben. Ob Maschinenbauer oder Automobilhersteller: Viele Unternehmen verzeichnen immer neue Rekorde, befürchten sogar, zu wenig qualifiziertes Personal zu bekommen, um die vollen Auftragsbücher abzuarbeiten.

Finanzkrise: Wo stehen wir ... (2)

Die Wirtschaft brummt, und das ist gut so.Denn in der deutschen Industrie wird ein großer Teil der Wertschöpfung umgesetzt, von der wir in Deutschland letztlich alle leben. Statistisch gesehen bleiben von der Wertschöpfung, die in der ganzen Wirtschaft entsteht, jedem Bürger rund 26.000 Euro.

Volle Auftragsbücher, niedrige Arbeitslosigkeit (1)

Viele Verbraucher, mit denen wir gesprochen haben, berichten, nicht direkt von der Krise betroffen zu sein.

Volle Auftragsbücher ... (2)

Und dennoch ist sie noch in den Köpfen der Menschen. Laut Umfragen ist die Angst vor dem Zusammenbruch des Euro und vor der Entwertung unseres Geldes nach wie vor deutlich ausgeprägt.

Besonders macht sich das beim Einkaufen bemerkbar. Gefühlt wird alles teurer. Und trotz dieser gefühlten Inflation blicken die Menschen zuversichtlich in die Zukunft. Das liegt auch am funktio-

nierenden Arbeitsmarkt. Derzeit liegt die Quote bei 6,6 Prozent. Das ist im europäischen Vergleich ein guter Wert.

Volle Auftragsbücher ... (3)

Volle Auftragsbücher, niedrige Arbeitslosigkeit, optimistische Bürger - ist die Krise also vorbei? Vor wenigen Jahren haben Staaten und Notenbanken doch noch mit Milliarden die Weltwirtschaft vor dem Kollaps gerettet. Wo ist das ganze Geld hin? Lauern noch Gefahren?

Gute Stimmung an den Börsen weltweit(1)

Im New Yorker Stadtteil Manhattan ist der wichtigste Finanzplatz der Erde, dort finden sich die meisten wichti-

gen Banken, Versicherungen und andere Finanzinstitute.

Gute Stimmung an den Börsen ... (2)

Nur einen Katzensprung vom berühmten Times Square entfernt findet sich das ehemalige Gebäude der Bank "Lehman Brothers". Der plötzliche Zusammenbruch der Bank wurde zum Symbol der Krise.

Ihre Mitarbeiter wurden über Nacht arbeitslos, weil sich das Geldhaus mit faulen Krediten übernommen hatte. Das war ein Riesenschock für die gesamte Finanzwelt. Wie ein Virus hatte sich die Finanzkrise anschließend von hier aus ausgebreitet.

Gute Stimmung an den Börsen ... (3)

Die Banken trauten sich untereinander nicht mehr und liehen sich in der Folge auch kein Geld mehr. Die Geldhäuser saßen auf dem Trockenen,und das globale Geld-Karussell stoppte mit einem Mal.

Und was haben Regierungen und Notenbanken gemacht, um dieses Karussell wieder anzuwerfen? - Sie haben den Banken mit unglaublich viel Geld geholfen. Die Gefahr weiterer Bankenpleiten sollte mit diesen Geldmassen bekämpft werden.

Gute Stimmung an den Börsen ... (4)

Und wie an der Wall Street in New York sollten vor allem die Börsen weltweit beruhigt werden, nach dem Motto: Viel hilft viel.

Für Michael Keppler, einen gebürtigen Bayer, der in New York zunächst als Investmentbanker arbeitete und heute sein eigenes Finanzunternehmen führt, musste die amerikansche Notenbank damals einfach handeln, schließlich ging es um die größte Finanzkrise seit der Weltwirtschaftsrezession der 1930er Jahre.

Gute Stimmung an den Börsen ... (5)

Und die Notenbank war ja auch erfolgreich. Der "Dow Jones" ist heute über 140 Prozent über dem Tiefststand von damals. Und dennoch sieht Keppler auch die Gefahren: Teilweise überhitzen sich die Märkte nämlich schon.

Sieht man sich in der New Yorker Börse selbst um, dann herrscht bezüglich neuer Blasen offenbar keine Angst. Im Gegenteil,die Börse verzeichnet Höchstkurse. Die Stimmung ist übrigens an den meisten Börsen gut.

Gute Stimmung an den Börsen ... (6)

Doch der Hauptgrund dafür ist eben das billige und viele Geld, das die Notenbanken den Finanzhäusern zur Verfügung stellen - seit Ausbruch der Krise immer mehr. In Europa macht das die EZB, die Europäische Zentralbank. Sie ist die Quelle allen Geldes im Euroraum.

Notenbanken fluten die Märkte weiterhin mit Geldmassen (1)

In Frankfurt am Main, dem Sitz der Europäischen Zentralbank, entsteht unser Geld, der Euro. Die EZB macht nämlich Geld - quasi aus dem Nichts.

Notenbanken fluten die Märkte ... (2)

Wie aus einem magischen Hut kann sie so viel Geld wie sie möchte an die Banken in Europa verleihen. "Real" wird das Geld dann, wenn es in den Wirtschaftskreislauf kommt. Das passiert, wenn die Banken das Geld an Unternehmen weiterverleihen und die davon dann z.B. ihren Mitarbeitern Löhne zahlen.

Die Banken müssen für dieses EZB-Geld Zinsen zahlen. Doch die EZB verlangt derzeit nur Mini-Zinsen - aktuell sind das gerade einmal 0,15 Prozent. Da greifen die Banken natürlich zu.

Notenbanken fluten die Märkte ... (3)

In der Folge steigt die Geldmenge. Doch wie lange soll das noch so weitergehen?

Jens Weidmann ist der Präsident der Deutschen Bundesbank und entschiedet im EZB-Rat mit über unser Geld. Laut Weidmann ist die Krise im Moment deswegen nicht mehr so sehr im Fokus der Öffentlichkeit, weil sich die Finanzmärkte deutlich beruhigt haben. Doch er sieht das nur als einen Indikator um zu messen,wie weit man bei der Überwindung der Krise gekommen ist.

Notenbanken fluten die Märkte ... (4)

"Ich würde sagen, dass das ein Marathon ist; und da ist der letzte Teil der Strecke immer schwerer als der Anfang. Wenn man das an den verschiedenen Indikatoren misst,die man heranziehen kann, würde ich sagen, wir sind vielleicht ungefähr in der Mitte dieser Strecke", so der Bundesbankpräsident.

Inflation oder Deflation? (1)

Das bedeutet wohl auch, dass es weiterhin billiges EZB-Geld geben wird. Und was heißt das für die Verbraucher?

Inflation oder Deflation? (2)

Was ist dran an der Angst, dass immer mehr Geld automatisch zu höheren Preisen führt, quasi eine Teuerungswelle auslöst?

Sieht man sich die offizielle Inflationsrate an, scheint es eine unbegründete Angst zu sein. Die Preise steigen nur sehr langsam.

Manche Experten haben sogar Angst vor einer Deflation, also einem Sinken der Preise. Das wäre zwar auf den ersten Blick gut für die Verbraucher, aber für die Wirtschaft und damit auch den Arbeitsmarkt wäre es Gift.

Inflation oder Deflation? (3)

Wenn die Preise aber gar nicht steigen, dann hat das viele EZB-Geld folglich keine schädlichen Nebenwirkungen, oder?

Jens Weidmann erklärt, dass die niedrigen Zinsen auch Risiken und Nebenwirkungen bergen: In einem Niedrigzins-Umfeld werfen sichere Anlagen nur noch geringen Ertrag ab. Anleger orientieren

sich dann hin zu Aktien, Unternehmensanleihen oder Immobilien. Das kann z.B. dazu führen, dass an den Finanzmärkten Blasen entstehen und wieder neue Finanzstabilitätsrisiken aufkommenen.

Inflation oder Deflation? (4)

Was das bedeutet, kann man besonders gut an den Immobilienmärkten in Ballungszentren wie München, Frankfurt oder Hamburg ablesen.

Die Immobilienpreise steigen infolge der hohen Nachfrage teils enorm an. Weil das Sparbuch kaum mehr Zinsen abwirft, setzen viele Anleger eben auf das sogenannte "Betongold". Außerdem können viele sich durch die niedrigen Zinsen, die für Immobilienkredite verlangt werden, den Traum vom Eigenheim überhaupt erst erfüllen.

Ist der Sparer jetzt der Dumme? (1)

Wer sein Geld dagegen sicher und festverzinst anlegen möchte, der zahlt die Zeche für die niedrigen Zinsen der EZB. Ist der Sparer also der Dumme bei der ganzen Eurorettung? Wie lange soll das noch so weitergehen?

Die Phase der niedrigen Zinsen, stellt Jens Weidmann klar, wird nicht ewig währen. Die Zinsen werden sich auch wieder normalisieren und zwar dann, wenn sich Gefahren für die Geldwertstabilität abzeichnen.

Ist der Sparer jetzt der Dumme? (2)

Wir befürchten, dann erst kommt das nächste Kapitel der Krise. Denn wenn die Zinsen wieder steigen, wird es ernst. Dann bekommen Häuslebauer, aber auch Unternehmen und Staaten Kredite nur noch gegen höhere Zinsen.

Können Länder wie Griechenland, Ita-

lien, Spanien und Portugal sich dann noch das Geld leihen, das sie benötigen? Oder könnte dann vielleicht sogar Frankreich Probleme bekommen, die höheren Zinsen zu bezahlen?

Ist der Sparer jetzt der Dumme? (3)

Klar ist, dass sich viele Staaten weltweit so sehr verschuldet haben, dass höhere Zinsen für sie zum echten Problem werden können. Die USA haben derzeit zum Beispiel einen unvorstellbaren Schuldenberg in Höhe von 17,6 Billionen US-Dollar angehäuft.

Dabei sind die Schulden weltweit sehr ungleich verteilt. Während Deutschland zum Beispiel ja erstmal keine neuen Schulden aufnehmen möchte, bleibt die Schuldenproblematik in manchen südlichen Euro-Ländern bestehen.

Ist der Sparer jetzt der Dumme? (4)

Egal ob Immobilien, Aktien oder Gold: Ein Patentrezept für eine sichere und rentable Anlage gibt es nicht. Anleger müssen sich bei dem Thema, und das ist wohl auch eine Lehre der Krise, einfach intensiver um ihr Geld kümmern.

Immerhin: Eines kann optimistisch stimmen. Der Euro scheint durch die Krise gestärkt zu sein. Die junge Währung hat ihre erste große Bewährungsprobe vorerst überstanden. Ein kurzfristiger Zusammenbruch scheint unwahrscheinlich. Das ist eine gute Nachricht.

Ausführliche Informationen

Zum "Ratgeber Geld" haben wir ausführliche Informationen vorbereitet, die Sie im Internet abrufen können unter:

www.ard-ratgeber.de


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