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Sind Viren eigentlich Lebewesen?

Sie sind überall, wo es Leben gibt. Viren sind die primitivsten Organismen auf unserem Planeten - sofern man sie überhaupt zu den Lebewesen zählt. Viele verursachen schwere Erkrankungen. Von ihrer Existenz wissen wir erst seit gut 100 Jahren. Das Wort Virus ist lateinischen Ursprungs und bedeutet "Schleim" oder "Gift".

Grundsätzlich ist unter Forschern umstritten, ob Viren überhaupt Lebewesen sind oder nur infektiöse Strukturen. Denn im Gegensatz zu Bakterien und anderen Mikroorganismen haben sie keinen Stoffwechsel.

Viren schleusen Erbsubstanz ein

Die meisten Viren sind wesentlich kleiner als Bakterien - einige sind nur mehrere Nanometer (millionstel Millimeter) lang. Sie bestehen oft nur aus einer Eiweißhülle und der darin verpackten Erbsubstanz, die die genetischen Informationen zu ihrem Bau enthält.

Zur Vermehrung schleust das Virus sein Erbgut in Zellen von Lebewesen ein und nutzt deren Werkzeuge zur Herstellung neuer Viren. Weil Viren damit so wenige eigene Angriffspunkte haben, ist es auch schwerer als bei Bakterien, sie mit Medikamenten zu bekämpfen.

Viren lösen viele Krankheiten aus

Ob Tollwut, Hepatitis, Masern oder Aids - für viele Erkrankungen sind Viren die Auslöser. Problematisch ist ihre hohe Wandlungsfähigkeit. Ein Virus könne seine Eigenschaften "in einem einzigen Schritt" drastisch verändern und zum Auslöser einer Pandemie werden, heißt es bei der Max-Planck-Gesellschaft.

Gegen manche Viren - etwa Masern - beugen Impfungen vor. Bei der Grippe müssen die Impfstoffe immer wieder an die Varianten angepasst werden. Auch außerhalb menschlicher, tierischer oder pflanzlicher Zellen bleiben viele Viren lange infektiös.

Immungedächtnis gegen Viren

Ist eine Infektion einmal überstanden, entwickeln wir meist ein sogenanntes Immungedächtnis, das eine erneute Infektion mit demselben Erreger zumindest zeitweilig verhindert.

Nicht alle Viren sind schädlich: So setzt etwa die Lebensmittelindustrie sogenannte Phagen gegen Bakterien in Lebensmitteln ein. Bei verschiedenen Gentherapien werden Viren als Transportvehikel genutzt, um intaktes Erbgut in Zellen einzuschleusen.

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