Ratgeber: Morgenmagazin

Mi: Verkehrsunfälle im Herbst

So langsam beginnt die dunkle Jahreszeit. Wildwechsel, Nebel, Regen oder aufkommende Glätte lassen die Unfallzahlen im Straßenverkehr steigen. Was man nach einem Unfall tun sollte, erläutert MOMA-Anwalt Kay Rodegra.

Was mache ich nach einem Wildunfall?

Gerade im Herbst kann es, vor allem in den frühen Morgenstunden und abends, zu Wildunfällen kommen. Wer mit dem Auto unterwegs ist, sollte entsprechend aufmerksam und langsam fahren. Insbesondere in den Übergangsbereichen zwischen Feldern und Wäldern gibt es immer wieder zu Wildwechsel.

Wird am Straßenrand durch das entsprechende Gefahrenzeichen auf gefährdete Streckenabschnitte hingewiesen, gilt: langsamer fahren, mehr Sicherheitsabstand und bremsbereit sein.

Sobald Wild am Straßenrand auftaucht, sollte man die Scheinwerfer abblenden, abbremsen, hupen und das Lenkrad möglichst gerade halten. In jedem Fall sollten zur eigenen Sicherheit hektische Ausweichmanöver vermieden werden. So werden auch entgegenkommende Verkehrsteilnehmer nicht gefährdet.

Nach einem Wildunfall ist es wichtig, sofort am Rand der Fahrbahn anzuhalten, das Warnblinklicht einzuschalten, die Unfallstelle absichern und einen Notruf abzusetzen. Die Polizei informiert dann den zuständigen Förster. Verletztes oder totes Wild nicht anfassen! Das Tier könnte nur bewusstlos sein und ausschlagen.

Ein totes Tier darf auf keinen Fall ins Auto geladen und mitgenommen werden. – Das gilt als Wilderei und ist strafbar. Gemeinsam mit Förster und Polizei sollte eine Wildunfallbescheinigung für die Versicherung ausgefüllt werden.

Zudem sollte unbedingt auch die Unfallstelle sowie das tote Tier fotografiert werden. Ist das Tier verletzt davon gelaufen, sollten mögliche Spuren des Tieres am Fahrzeug gesichert werden.

Brauche ich nach einem Unfall einen Rechtsanwalt?

Kommt es bei einem fremdverschuldeten Verkehrsunfall zu größeren Sach- oder Personenschäden, sollte immer ein Rechtsanwalt eingeschaltet werden. So können Sie Ansprüche geltend machen.

Die KFZ-Haftpflichtversicherung der Gegenseite hat Spezialisten in Sachen Unfallregulierung. Für den Geschädigten ist es daher angebracht, sich ebenfalls juristisch beraten und vertreten zu lassen.

Trägt der Unfallgegner die Alleinschuld, übernimmt die gegnerische Versicherung die Anwaltskosten. Bei Mitverschulden oder im Streitfall hilft eine Verkehrsrechtsschutzversicherung.

Was mache ich bei einem Personen- oder Sachschaden?

Bei einem Personenschaden ist für die Schadensregulierung ist wichtig, sich unfallbedingte Verletzungen detailliert attestieren zu lassen. Mögliche Schadenersatzansprüche des Verletzten sind - soweit diese nicht auf z.B. die Krankenversicherung übergegangen sind - Schmerzensgeld, Verdienstausfall, Rente, Haushaltsführungskosten etc.

Schäden am Fahrzeug von weniger als rund 1.000 Euro können mittels Kostenvoranschlag einer Werkstatt beziffert werden.

Eine Entschädigung kann auch mittels Reparaturrechnung eingefordert werden.

Bei größeren Schäden ist es ratsam, vor Erteilung eines Reparaturauftrages den Schaden von einem Sachverständigen begutachten und beziffern zu lassen. Den Gutachter darf der Geschädigte selbst auswählen, ein von der gegnerischen Versicherung benannter muss nicht akzeptiert werden.

Wer zahlt Reparatur und Wertminderung nach einem Unfall?

Der Geschädigte kann sein Fahrzeug in einer Werkstatt seiner Wahl reparieren lassen. Die gegnerische Versicherung darf ihm nichts vorschreiben. Liegen die Reparaturkosten allerdings viel höher als der Wiederbeschaffungswert des Fahrzeuges, handelt es sich um einen Totalschaden und der Gegner muss nur noch den Wiederbeschaffungswert bezahlen (ggf. abzüglich des Restwerts).

Der Geschädigte kann auch anhand eines Gutachtens bzw. mit einem Kostenvoranschlag den Schaden abrechnen.

Das gilt auch bei einer Eigenreparatur. In diesem Fall können die veranschlagten Reparaturkosten als Schadensbetrag eingefordert werden, allerdings nur der ausgewiesene Nettobetrag.

Durch einen größeren Unfallschaden erfährt ein Auto meist, auch nach erfolgter Reparatur, eine Wertminderung. Denn der Unfall muss bei einem Weiterverkauf angegeben werden. Dem Geschädigten steht eine Entschädigung zu. Das gilt in der Regel nur für Fahrzeuge, die nicht älter als fünf Jahre und weniger als 100.000 km gelaufen sind.

Wer bezahlt Mietwagen nach einem Unfall?

Muss das verunfallte Fahrzeug in die Werkstatt, steht dem Geschädigten für die Dauer der Reparatur eine so genannte Nutzungsausfallentschädigung zu. Er kann stattdessen auch einen Ersatzwagen mieten, wenn er auf ein Fahrzeug angewiesen ist.

Dabei sollte es sich um ein "kleineres"“ Fahrzeug handeln, um die Mietwagenkosten in voller Höhe ersetzt zu bekommen.

Bei der Nutzung eines gleichwertigen Fahrzeuges wird nur ein Teil erstattet, da die gegnerische Versicherung meistens sogenannte ersparte Aufwendungen für das eigene Fahrzeug abzieht. Der Geschädigte muss verschiedene Mietwagenangebote einholen und ein günstiges Angebot wählen.

Brauche ich Winterreifen?

Eine generelle Winterreifenpflicht gibt es in Deutschland nicht. Die Straßenverkehrsordnung schreibt eine witterungsangepasste Ausrüstung vor.

Bei Glatteis, Reifglätte, Schnee und Schneematsch muss daher mit Winterreifen gefahren werden.

Falls man trotz winterlichen Straßenverhältnissen mit Sommerreifen unterwegs ist, werden 60 Euro und ein Punkt in Flensburg fällig. Kommt es zu Behinderung anderer, kostet es 80 Euro. Dem Halter des Fahrzeugs kann ein Bußgeld von 75 Euro auferlegt werden.

Die gesetzlich vorgeschriebene Mindestprofiltiefe für Pkw-Reifen beträgt 1,6 mm, ratsam sind mindestens 4 mm Profil.

Einspurige Kraftfahrzeuge (Motorräder, Motorroller u.a.) sind von der Winterreifenpflicht ausgenommen.

Muss ich im Winter mit Licht fahren?

Bei erheblicher Sichtbehinderung durch Nebel, Regen oder Schneefall muss auch tagsüber das Abblendlicht eingeschaltet werden. Wer dennoch ohne Licht fährt, zahlt mindestens 25 Euro Strafe.

Schweinwerfer, Rücklichter und Nummernschilder müssen regelmäßig gesäubert werden.

Die Nebelschlussleuchte darf nur bei Nebel mit Sichtweiten unter 50 Metern eingeschaltet werden, sonst blendet man andere und riskiert ein Verwarnungsgeld.

Für die vorderen Nebelscheinwerfer gilt die 50-Meter-Begrenzung nicht. Sie dürfen bei Sichtbehinderung durch Nebel, Schnee oder Regen mit dem Abblendlicht eingeschaltet werden.

Weitere Informationen:

- WDR.de (12.10.21): Tipps für Autofahrer: So vermeiden Sie Wildunfälle im Herbst

https://www1.wdr.de/nachrichten/wild-

unfaelle-autofahrer-tipps-herbst-

100.html

- BR Fernsehen "Wir in Bayern" (22.9.22): So verhalten Sie sich richtig bei einem Wildunfall

https://www.br.de/br-fernsehen/

sendungen/wir-in-bayern/ratgeber/

wild-unfall-reh-wildschwein-klaus-

heimlich-100.html

- SWR Landesschau Rheinland-Pfalz (5.11.21): Richtig handeln bei Wildunfällen

https://www.swrfernsehen.de/

landesschau-rp/gutzuwissen/

wildunfaelle-116.html

- Polizei Wuppertal: Wildunfälle - So verhalten Sie sich richtig

https://wuppertal.polizei.nrw/

artikel/wildunfaelle-so-verhalten

-sie-sich-richtig

>> Do: Wechseljahre