Das Erste: Sa 20.05.17

16.00 - 16.30 Uhr
W wie Wissen:Essen für ein langes Leben

Wie gesund isst Europa? (1)

Zweifelsohne die "mediterrane Ernährung"“-–so wie sie im Lehrbuch steht - ist für die meisten gesund und erhöht die Chance auf ein langes gesundes Leben. Deshalb sagt man uns auch immer wieder: "Ernährt euch so - wie eure südlichen Nachbarn."“

Aber was essen die tatsächlich? Was in Deutschland als extrem ungesund gilt, gehört zur spanischen Lebensart: vergleichsweise spät, wieder warm und ziemlich viel zu essen!

Wie gesund isst Europa? (2)

Es kommen eine Menge Fleisch- und Fisch-Gerichte auf den Tisch, oft mit viel Oliven-Öl zubereitet. Es wird genüsslich und lange gegessen, ein Glas Wein gehört dazu. Ob das der Schlüssel für ein langes, gesundes Leben ist?

Wissenschaftlich ist das nicht bewiesen Es gibt viele Faktoren, die die Lebenserwartung beeinflussen: Gene, wie viel wir uns bewegen, Stress usw. Die Statistik sagt, die Spanier werden mit durchschnittlich 83 Jahren am ältesten in Europa, die Deutschen 81 Jahren alt.

Ernährungsweisen im Praxistest (1)

Kann man als gesunder, normalgewichtiger Mensch etwas falsch machen beim Essen? Klar, Übergewicht muss man vermeiden, aber wenn die Kalorienmenge stimmt, ist es dann egal was wir essen?

Wir machen ein Experiment: Drei gesunde, schlanke Männer testen für uns drei Ernährungsweisen. Eine Woche viele gesättigte Fette, also Fleisch und Milchprodukte, eine Woche Mittelmeerkost mit viel Gemüse und pflanzlichen, ungesättigten Fetten und eine Woche viele Kohlenhydrate.

Ernährungsweisen im Praxistest (2)

Carsten, 47, sitzt viel am Schreibtisch. Zum Ausgleich geht er zu Fuß oder fährt Rad. Normalerweise isst er wenig Fleisch Jens, 37, treibt Sport und bemüht sich, gesund zu essen. Eigentlich liebt er fettiges Essen. Ceyhan, 45, isst nach Lust und Laune, meist Gemüse und Reis.

Das Ergebnis: Jens, der Sportliche, kann eigentlich alles essen. Carsten kommt am besten mit gesättigten Fetten klar. Für Ceyhan ist Mittelmeerkost optimal.

Ernährungsweisen im Praxistest (3)

Menschen können mit unterschiedlichen Ernährungsweisen gesund bleiben. Ernährungswissenschaftler erforschen die genetischen Unterschiede zwischen den Menschen, die deutliche Auswirkungen auf die Verarbeitung von Nährstoffen haben können.

Mittelmeerkost ist eine gute Orientierung. Die Zutaten sorgen für ausgewogene Ernährung und machen satt. Im Vergleich zu einer Ernährung mit Kohlenhydraten ist es viel leichter, sein Normalgewicht zu halten.

Jo-Jo-Effekt führt häufig zu mehr Bauchfett (1)

Zum Sommer versuchen viele abzunehmen um eine "Strandfigur" zu bekommen. Auch wenn das gelingt - nach der Diät wird meist schnell zu alten Gewohnheiten zurückgekehrt und die Kilos sind bald wieder auf den Rippen.

Nach einem Jahr sind bis zu zwei Dritteln des verlorenen Gewichts, nach fünf Jahren der Rest wieder auf den Rippen. Ein Drittel der Menschen, trifft es besonders hart: Sie wiegen nach einiger Zeit sogar mehr als zu Beginn der Diät.

Jo-Jo-Effekt (2)

Besonders problematisch: das Bauchfett. Bei einer Diät verschwindet es zuletzt. Denn für den Körper ist es die eiserne Energiereserve. Deshalb nehmen wir nach einer Diät am Bauch zuerst wieder zu.

Da liegt das Problem: Bauchfett ist ungesund! Es bildet unter anderem Entzündungsstoffe, die die Blutgefäße schädigen können. Schon bei relativ kleinen Gewichtsschwankungen von 3 bis 5 Kilo, die mehrfach durchlaufen werden, spricht man vom Jo-Jo-Effekt.

Jo-Jo-Effekt (3)

Und der führt häufig zu mehr Bauchfett. Wer abnimmt und sein neues Gewicht dauerhaft halten will, muss nach wie vor seine Ernährung umstellen, und zwar für immer.

Der erfolgversprechendste Weg zum Traumgewicht ist ein besonders schwerer, denn das heißt sein Leben grundsätzlich umzustellen: mehr Bewegung, mehr Sport und die dauerhafte Umstellung auf eine gesunde Ernährung.

Was taugen Ernährungsstudien? (1)

Ständig erscheinen neue Ernährungsstudien, die eine Ernährungsweise oder auch Lebensmittel für besonders gesund oder ungesund erklären. Ein Grund für die widersprüchlichen Studien: Menschen werden nicht über längere Zeit unter Laborbedingungen untersucht, wie Tiere.

Nicht alle Studien sind optimal konzipiert. Manche haben zum Beispiel zu wenige Teilnehmer. Nur wenige Studien liefern also wissenschaftlich fundierte Ergebnisse.

Was taugen Ernährungsstudien? (2)

Belegt ist, mediterrane Ernährung ist gesund. Ebenso, dass Gemüse und pflanzliches Eiweiß, Nüsse und Vollkornprodukte eine herzschützende Wirkung haben. Für viele andere Lebensmittel gibt es keine eindeutigen Ergebnisse.

Es lohnt sich nicht, dem neuesten Ernährungstrend hinterherzulaufen. Einzelne Lebensmittel zu verteufeln oder zu idealisieren ist wissenschaftlich selten haltbar. Das sollte man im Kopf behalten bei der nächsten "ultimativen“ Ernährungsempfehlung."

Studienteilnehmer gesucht:

Das Deutsche Institut für Ernährungsforschung sucht regelmäßig Teilnehmer für Ernährungsstudien zu den Themen "Diabetes, Fettleber und metabolisches Syndrom" mitwirken.

Kontakt:

Berlin: 030 450 514 439 (mit AB)

E-Mail: diabetes@charite.de

Nuthetal: 033 200 88 2778 (mit AB)

E-Mail: gesund.leben@dife.de