Sa 06.02.16

16.00 - 16.30
W wie Wissen: Krummes Ding in Not?

Lieblingsobst Banane (1)

Wir Deutschen sind Europameister im Bananenessen: Im Schnitt verputzt jeder 100 Bananen im Jahr, das sind 12 Kilo. Nur die US-Amerikaner essen noch mehr, und die Russen etwas weniger.

Sie ist sowohl im Sommer wie im Winter zu haben. Unter Sportlern gilt sie als Turbo-Obst: Die reifen Früchte enthalten Fructose und Glukose. Beides dient als schneller Energielieferant. Außerdem enthält die Banane viel Magnesium, das gegen Muskelkrämpfe hilft.

Lieblingsobst Banane (2)

Altbundeskanzler Konrad Adenauer hat mit dafür gesorgt, dass die Banane heute diesen Stellenwert bei uns hat. Im sog. "Bananenprotokoll" vom 25.März 1957 war festgelegt, dass Bananen zollfrei sind, wenn sie nach Deutschland eingeführt werden. So konnte die Banane in der jungen BRD groß herauskommen.

Bananen waren ein Luxus, den sich jeder leisten konnte. Heute sind Bananen aus Übersee sogar billiger als Äpfel aus Deutschland.

Die Geschichte der Banane (1)

1873 wurde in Costa Rica eine Eisenbahnstrecke geplant, die die Hauptstadt mit der Küste verbinden sollte. Der Amerikaner Minor Keith leitete das Bauprojekt. Um die Arbeiter billig zu versorgen, ließ Keith entlang der Strecke Bananenstauden anpflanzen.

Die Geschäftsidee floppte, doch Keith hatte eine neue Idee: Statt Menschen transportierte er jetzt Bananen. Dank der Bahn waren die Früchte schnell an der Küste und per Schiff auf dem Weg in die USA.

Die Geschichte der Banane (2)

In Zentralamerika brach das Bananenfieber aus. Dutzende Unternehmen rodeten den Urwald, um Plantagen anzulegen. Es entstanden gigantische Monokulturen.

Ende der 1950er-Jahre vernichtete die Panama-Krankheit riesige Bananenbestände, verursacht durch einen Pilz. Es gab nur eine Rettung: Die bisher gebräuchlichste Sorte "Gros Michel" wurde durch eine andere ersetzt: die Cavendish-Banane. Bis dahin galt sie als "geschmacklich minderwertig".

Die Geschichte der Banane (3)

Dafür ist sie aber resistent gegen den Pilz und lieferte obendrein doppelt so viel Ertrag wie bisherige Sorten.

Lesetipp:

Museum der Arbeit: "Tanz um die Banane/ Handelsware und Kultobjekt"

Dölling und Galitz Verlag, 2003

ISBN 3-935549-48-2, 15 Euro

Dissertation: "Die Geschichte der Banane in Deutschland"

http://d-nb.info/972352945/34

It s All About Sex - Biologie der Banane (1)

Bananen im Handel sind kernlos, aber sie lassen sich durch Wurzelableger vermehren. Pflanzen haben zwei Möglichkeiten, sich fortzupflanzen: zum einen geschlechtlich, also durch Sex. Dabei wird der weibliche Fruchtknoten durch den männlichen Pollen befruchtet.

Zum anderen ungeschlechtlich; also über Ableger oder Wurzelsprossen. Die Ableger sind identische Kopien der Mutterpflanze.

Biologie der Banane (2)

Die geschlechtliche Fortpflanzung ist auch bei Pflanzen der Schlüssel zu Ver-änderungen, um sich beispielsweise an die Bedrohung durch einen Parasiten anpassen zu können.

Das Erbmaterial von Vater und Mutter wird neu gemischt, mit etwas Glück kommen dabei Nachkommen heraus, die gegen einen Pflanzenschädling resistent sind. Stauden, die essbare Bananen tragen, sind Mutanten.

Biologie der Banane (3)

Seit den 1990er-Jahren ermöglicht ein Verfahren, die ungeschlechtliche Vermehrung effektiver zu gestalten. Im Labor wachsen Tausende Pflanzen aus einzelnen Zellen heran, ohne, dass ein Pilz sie befallen kann.

Informationen zur Panama-Krankheit:

panamadisease.org

Informationen zur Bananenforschung:

bananaresearch.org

Bananenforschung weltweit:

www.promusa.org

Bananen in Gefahr (1)

Bananen sind empfindlich. Sie werden von einer Vielzahl von Krankheiten und Insekten bedroht. Mithilfe von Pestiziden haben die Produzenten die Probleme bislang in den Griff bekommen.

Doch nun ist unter anderem auf den Philippinen ein Pilz aufgetaucht, gegen den es bislang kein Mittel gibt: "Fusarium oxysporum, Typ Tropical Race 4" (TR4). Er ist ein Verwandter des TR1, der in den 1950er-Jahren wütete.

Bananen in Gefahr (2)

Der Pilz lebt in der Erde. Von dort befällt er über die Wurzeln den Stamm und zerstört die Zellen. Nach spätestens neun Monaten stirbt die Bananenpflanze ab. Der Pilz kann bis zu 50 Jahre lang im Boden überleben - auch, wenn keine Bananen mehr dort wachsen. Bislang gibt es kein wirksames Mittel, um die Pilzsporen im Boden abzutöten.

Wenn es der Wissenschaft nicht gelingt, eine Lösung zu finden, droht vielen Bananenplantagen das Aus.

Internetlinks:

Forschung zum TR4:

www.wageningenur.nl/en/show/panamadisease.htm

Der Pilz TR4 hat Pakistan erreicht:

www.wageningenur.nl/en/newsarticle/ Panama-disease-detected-in-Pakistanand-Lebanon.htm

Eine Welt ohne Bananen?

www.spektrum.de/news/eine-welt-ohnebananen/1344368

Auf der Suche nach der Banane der Zukunft (1)

Rund 200 Sorten wurden an der Universität Wageningen bereits untersucht. Der Forscher Gert Kema und sein Team suchen die Rettung gegen den grassierenden Pilz TR4. Die Vielfalt der Bananen soll ihnen dabei helfen.

Für ihre Untersuchungen haben sie Pilzsporen aus befallenen Regionen geholt. Sie wollen herausfinden, ob es eine Sorte in ihrer Sammlung gibt, die von Natur aus gegen TR4 resistent ist.

Die Banane der Zukunft (2)

Jede Bananensorte reagiert anders auf den Pilz und er ist vielfältiger als gedacht. Statt der bekannten vier Rassen, hat das Team schon 24 genetische Linien des Fusarium-Pilzes entdeckt. Er hat sich von Südostasien aus auf Plantagen in Pakistan, im Mittleren Osten und in Afrika ausgebreitet.

Inzwischen gibt es aber auch eine erste Hoffnung: Wildbananen, vor allem eine Art aus Indonesien. Sie ist gegen den Pilz resistent, doch man kann sie nicht essen.

Die Banane der Zukunft (3)

Findet Kema die Resistenz-Gene, könnten Züchter die indonesische Wildbanane mit anderen Bananen kreuzen, in der Hoffnung auf eine essbare Variante. Diese Methode ist jedoch sehr langwierig.

Schneller ginge es, der seit Jahrzehnten angepflanzten Cavendish-Banane ein Resistenz-Gen einzusetzen. Gert Kema ist überzeugt: In jedem Fall wird es bald neue Bananensorten geben müssen. Doch vor allem sollte man dafür die natürliche Bananenvielfalt nutzen.

Internetlinks:

Informationen zur Bananenkrankheit:

www.panamadisease.org

Sequenzierung des Bananengenoms:

www.wageningenur.nl/en/show/Unpeelingthe-banana-genome-helps-in-the-fightagainst-disastrous-fungal-diseases.htm

Lesetipp:

Sarah Zierul: "Billig. Billiger. Banane. Wie unsere Supermärkte die Welt verramschen"; oekom verlag 2015

ISBN-13: 978-3-86581-709-9, 19,95 Euro