Sa 01.08.15

16.00 - 16.30
W wie Wissen: Natur- und Artenschutz

Alte Neubürger

Über 1000 verschiedene Tierarten sind bei uns in Deutschland eingewandert und fühlen sich hier zuhause. Manche dieser tierischen Neubürger tragen ihre exotische Herkunft schon im Namen. Einige haben sich bei uns so gut integriert, dass wir kaum noch wissen, dass sie hier einmal fremd waren.

Der Damhirsch beispielsweise ist etwa 800 nach Christus aus Klein- und Vorderasien zu uns gekommen. Damhirsche haben sich gut integriert und stellen für einheimische Arten keine Gefahr dar

Die Regenbogenforelle - auch ein schuppiger Neubürger - gehört zu den beliebtesten Speisefischen der Deutschen.

Sie schwamm ursprünglich in den kühlen Flüssen Nordamerikas. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde sie von Fischliebhabern zunächst nach England und dann nach Deutschland importiert und dann gezüchtet. Die Regenbogenforelle gehört heute zu unserem normalen Fischbestand.

Die Hausmaus - eigentlich ein kleiner Nager, der ursprünglich aus Indien stammt - hat sich vor 6000 Jahren auf den Weg nach Westen gemacht. Der in der Nähe des Menschen lebende Allesfresser ist meist nachtaktiv.

Sie gehört zwar zu den Nahrungsschädlingen und wird vom Menschen oft aktiv bekämpft, aber der heimischen Tierwelt droht durch sie keine Gefahr. Im Gegenteil: Als Nahrungsgrundlage für Greifvögel ist sie ein wichtiges Element unserer heimischen Natur.

Bienen machen die besten Erdbeeren

Erdbeerpflanzen können auf drei unterschiedliche Arten bestäubt werden: durch einfaches Herabfallen der Pollen auf andere Blüten, durch Wind von Pflanze zu Pflanze und durch Insekten.

Die Auswertung ergibt: Die selbstbestäubten und windbestäubten Früchte erscheinen im Vergleich zu den von Insekten bestäubten Früchten geradezu verkümmert.

Die Erdbeerbauern brauchen also die Bienen. Aber die Tiere sind bedroht. Etwa durch Pestizide. Zwar verzichten immer mehr deutsche Erdbeerbauern auf Pflanzenschutzmittel, aber in der modernen Landwirtschaft, vor allem in Monokulturen wie Raps, Mais und Getreide werden sie häufig eingesetzt.

Kommen Bienen dort mit Pestiziden in Kontakt, können sie vergiftet werden. Aber am schlimmsten ist, dass vor allem die Wildbienen immer weniger Nahrung finden.

Denn die Blumenwiesen und Böschungen von früher wurden geopfert, um noch mehr Ackerfläche zu gewinnen. Die Ergebnisse des Forscherteams enthüllen den unschätzbaren Wert der Bienen. Die von ihnen bestäubten Erdbeeren sind fester und haben eine rötere Farbe. Ihr Geschmack ist ausgewogener. Und: Insektenbestäubte Früchte bleiben länger frisch.

Link zur Studie von Dr.Björn Klatt:

http://rspb.royalsocietypublishing.org/

content/281/1775/20132440.full

Invasive Arten in Deutschland

Manche Pflanzen, die in Deutschland eigentlich nicht heimisch sind, breiten sich bei uns aber großflächig aus und verdrängen so einheimische Arten. Man nennt sie auch "invasive Arten".

Durch ihre Dominanz können invasive Arten ganze Lebensräume verändern und in der Regel verarmen lassen. Nicht nur andere Pflanzen haben dann das Nachsehen, sondern oft auch die gesamte Lebensgemeinschaft. Viele Insekten, Vögel oder Säugetiere finden nicht mehr genug Nahrung oder Unterschlupf.

Invasive Arten sind damit der weltweit zweitwichtigste Grund für die Gefährdung der biologischen Vielfalt. Nur die Zerstörung von natürlichen Lebensräumen durch den Menschen ist schädlicher.

Fast alle invasiven Arten sind als Gartenpflanzen nach Deutschland eingeführt worden. Auch in der Forst- und Jagdwirtschaft werden schnellwüchsige invasive Arten eingesetzt. Es ist nicht nötig, sie zu bekämpfen, sondern fachkundig zu ermitteln, wo sie tatsächlich einen besonders schützenswerten Lebensraum gefährden oder zerstören.

Links zum Thema "Invasive Arten":

www.floraweb.de

www.neobiota.de

www.neobiota.de/fileadmin/NEOBIOTA/

documents/PDF/BfN-Faltblatt_invasivegartenpflanzen.pdf

http://eur-lex.europa.eu/legalcontent/DE/TXT/?uri=CELEX:52013PC0620

Stadt- oder Landleben: Was ist besser für die Natur?

Das Leben in der Stadt ist praktisch. Das Angebot ist groß, die Wege sind kurz. Doch viele Stadtbewohner träumen von etwas anderem: Leben im Einklang mit der Natur, ein Häuschen im Grünen.

Neubausiedlungen boomen seit Jahren. Besonders in den so genannten Speckgürteln rund um unsere Städte herrscht reger Baubetrieb. Doch was bedeutet das für die Natur? Fakt ist: Durch das Bauen wird natürliche oder landwirtschaftlich genutzte Fläche vernichtet.

Wo neue Siedlungen entstehen, braucht es neue Straßen, Kindergärten, Schulen, Supermärkte und vieles mehr. Zur verbrauchten Fläche kommen weitere Belastungen für die Umwelt. Wer im ländlichen Umfeld einer Stadt mobil sein will, ist meist aufs Auto angewiesen.

Aus Sicht der Natur wäre es daher besser, wir würden ganz einfach in der Stadt wohnen bleiben. Denn der Wohnraum ist ja schon da und geht vor allem in die Höhe. Das spart Grund und Boden. Man kann die meisten Wege öffentlichen Verkehrsmitteln oder zu Fuß erledigen.

Urban Gardening - Gärtnern in der Stadt - wird seit einigen Jahren immer beliebter. Die Vorteile der Stadt und der Traum vom Leben im Grünen lassen sich also wohl miteinander verbinden.

Informationen zum Flächenverbrauch in Strategien zu dessen Reduzierung:

www.umweltbundesamt.de/themen/

boden-landwirtschaft/flaechensparenboeden-landschaften-erhalten

Informationen des NABU zu Flächenverbrauch und nachhaltiger Stadt- und Siedlungsentwicklung:

www.nabu.de/themen/siedlungsentwicklung

Sechs Tage im Moor - Renaturierung im Selbstversuch

Moore sind gigantische Kohlenstoff-Speicher und nichts andres als abgestorbene Pflanzenreste, genauer abgestorbene Torfmoose. Die grünen Torfmoose an der Mooroberfläche filtern ständig CO2 aus der Luft, der in den Moosen als Kohlenstoff gespeichert wird

Moore machen nur drei Prozent der Erdoberfläche aus, binden aber doppelt so viel Kohlenstoff wie alle Wälder der Welt zusammen.

In Deutschland wurden zahlreiche Moore trocken gelegt und etwa 95 Prozent der natürlichen Moorflächen zerstört. Viele wurden entwässert, um Torf oder Land zu gewinnen. Infolge der Zerstörung wird enorm viel CO2 freigesetzt.

Doch Moore sind mehr als riesige CO2- Speicher. Sie sind faszinierende Lebensräume für Pflanzen und Tiere, die es nur dort gibt. Deshalb ist es auch so wichtig, Moore intakt zu halten oder - wie bei dem bergwaldprojekt - wiederherzustellen. Denn die Renaturierung ist auch aktiver Artenschutz.

Links zu Renaturierung und Moorschutz:

Deutsche Seite:

www.bergwaldprojekt.de/

Internationale Seite: www.bergwaldprojekt.org

Deutsche Gesellschaft für Moor und Torfkunde: www.dgmtev.de

Naturschutzbund Deutschland - Moorschutz-Broschüre:

www.nabu.de/moorschutz/NABU_

Moorschutzbroschuere.pdf