Das Erste: Sa 23.04.16

16.00 - 16.30 Uhr W wie Wissen
Gefahr auf dem Teller

Zeitbombe EHEC? (1)

2011 hält EHEC Deutschland in Atem. 3800 Menschen erkranken. Ursache der Masseninfektion war ein mutierter Typ eines harmlosen Darmbakteriums - ein Enterohaemorhagisches E.coli (EHEC).

Die gefährlichen Darmkeime sind weiter unter uns. Jedes Jahr gibt es Rückrufe wegen EHEC - 2015 waren es Käsesorten mit Rohmilch und Teewurst. Meistens stammen EHEC-Erreger aus den Därmen von Wiederkäuern, vor allem von Rindern. Aber auch Schafe, Ziegen oder Rehe können den Bakterien als Reservoir dienen.

Zeitbombe EHEC? (2)

Können EHEC-Bakterien auch über die Wurzeln in Pflanzen eindringen? In einem Forschungsprojekt soll das geklärt werden, Ergebnisse werden 2018 erwartet

Jetzt ist aber schon klar: EHEC-Bakterien sind sehr widerstandsfähig. Sie überstehen die Kläranlage und landen mit dem Klärschlamm auf den Feldern. Im Gemüse- und Obstanbau darf Klärschlamm zwar nicht eingesetzt werden, damit keine Krankheitskeime in die Nahrungskette geraten. Klärschlamm müsste vor dem Düngen behandelt werden.

Zeitbombe EHEC? (3)

Umwelthygieniker Werner Philipp hat eine effiziente Methode zum Abtöten von EHEC-Erregern gefunden: das Erhitzen auf 70 Grad Celsius, eine Stunde lang. Denselben Schritt fordert Philipp für Gülle und Gärreste aus landwirtschaftlichen Biogasanlagen.

Internetlinks (1)

Bundesinstitut für Risikobewertung: Schutz vor Infektionen EHEC

www.bfr.bund.de/cm/350/verbrauchertipps -schutz-vor-infektionen-mitenterohaemorrhagischen-e-coli-ehec.pdf

Zeitbombe EHEC? - Internetlinks (2)

Bundesinstitut für Risikobewertung: EHEC-Ausbruch 2011 - Aufklärung des Ausbruchs entlang der Lebensmittelkette

www.bfr.bund.de/cm/350/ehec-ausbruch-2011-aufklaerung-des-ausbruchs-entlangder-lebensmittelkette.pdf

Umweltbundesamt: Risikoanalyse der bodenbezogenen Verwertung kommunaler Klärschlämme unter Hygieneaspekten

www.umweltbundesamt.de/publikationen/ risikoanalyse-der-bodenbezogenenverwertung

Zeitbombe EHEC? - Internetlinks (3)

RBB Praxis: EHEC-Erreger im Essen

www.rbb-online.de/rbbpraxis/archiv/2016 0309_2015/ehec-erreger-im-essen.html

Glyphosat: Krebsgefahr oder nicht? (1)

Glyphosat ist das weltweit mit Abstand am meisten eingesetzte Unkrautvernichtungsmittel. Seit 1974 wird es eingesetzt und galt als sicher, weil es nur ganz gezielt in einen Stoffwechselweg von grünen Pflanzen eingreift und sonst biologisch unwirksam ist, also keine Insekten oder gar Säugetiere belastet.

Glyphosat: Krebsgefahr oder nicht? (2)

Doch mittlerweile ist ein Streit über die Gefährlichkeit von Glyphosat entbrannt.

Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sichtete bis 2014 im Auftrag der EU erneut die Studienlandschaft für das Herbizid. Das BFR sah keine Hinweise auf Erbgutschädigungen, Krebsrisiko oder Gefahr für ungeborenes Leben. Doch im März 2015 stufte die Krebsforschungsgruppe IARC der Weltgesundheitsorganisation der WHO Glyphosat als "wahrscheinlich krebserregend" ein.

Glyphosat: Krebsgefahr oder nicht? (3)

Epidemiologische Studien an Farmern, die Glyphosat anwenden und Tierstudien hätte diese Hinweise auf ein Krebsrisiko gezeigt.

Warum sieht die Deutsche Behörde dieses Risiko nicht? Roland Solecki,Leiter der BfR-Arbeitsgruppe für Pestizide, erklärt: "Die beiden Behörden haben unterschiedliche Aufgaben: Während IARC nur eine Gefahr bewertet,schaut das BFR darauf, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass ein solches Gesundheitsrisiko tatsächlich eintreffen kann."

Glyphosat: Krebsgefahr oder nicht? (4)

Die WHO-Warnung vor mutmaßlichem Krebsrisiko stützt sich u.a. auf drei Studien. Doch bei näherem Hinsehen sind sie widerspüchlich: Wenn überhaupt vorhanden, kann das Risiko durch Glyphosat nicht groß sein, sonst hätte die Forschung längst klare Ergebnisse gebracht

Die großen Lebensmittelskandale (1)

Strenge Vorschriften zu Viehzucht und Nahrungsmitteln finden sich schon im "Codex Hammurapi", einer babylonischen Sammlung von Rechtssprüchen aus dem 17.Jahrhundert vor Chr.

Die großen Lebensmittelskandale (2)

1958 gibt es den Nitrit-Skandal. Metzger benutzen reines Natrium-Nitrit, um Hackfleisch frischeverheißend zu röten.

Der Beginn der Supermarkt- und Fertiggericht-Ära in den 60ern befördert diskretere Schummeleien mit minderwertiger Ware und Unrat. In den 80ern wurde mithilfe von Veterinären im Raum Trier Billigfleisch umetikettiert. 1985 kommt an die Öffentlichkeit: Österreichische Winzer nutzen zum Aromatisieren Glycol, das ähnlich auch in Frostschutzmittel steckt.

Die großen Lebensmittelskandale (3)

Außerdem 1985: Bierskandal. Brauereien aus Mittelfranken haben Gerstensaft regelmäßig mit Bromessigsäure versetzt, um es haltbarer zu machen.

Seitdem: Salmonellen-, BSE-, Östrogen-, Fischwurm-, Antibiotika-, Milch-, Eis-, Ei-, Gammelfleisch-, Babynahrung, Pestizid-, Vogelgrippe-Skandal usw. Wenig erfolgreich gibt es immer wieder Zehn-Punkte-Pläne. Schon beim Nitrit-Skandal in den 1950ern äußerte sich ein Experte prophetisch: "Solange es Gesetze gibt, wird es auch Übertretungen geben."

Die großen Lebensmittelskandale (4)

Internetlinks

- Verein für Lebensmittelüberwachung und Verbraucherschutz:

www.foodwatch.org/de/startseite

- European Food Information Council (EUFIC): Infos zu Lebensmittelbetrug

www.eufic.org/article/de/artid/ Tackling _food_fraud_in_Europe

Lesetipps

Alfred Meyer und Markus Möstl: Lebensmittelüberwachung.Was uns Krisen lehren

Verlag P.C.O. 2015

Wem nützt glutenfreie Ernährung? (1)

Der Genuss von Weizen und Weizenprodukten ist gefährlich und löst Krankheiten wie Adipositas, Migräne, Depressionen, ADHS, ALS, Alzheimer oder Parkinson aus

Das jedenfalls behaupten Autoren. Ihre Bücher stehen auf den Bestsellerlisten und fördern einen neuen Ernährungshype. Weizen und das darin enthaltene Gluten werden zum Feind. Glutenfreie Ernährung hat als Devise Erfolg: In Deutschland stieg der Absatz glutenfreier Produkte 2015 auf 105 Mio. Euro - eine Steigerung von 35 % gegenüber dem Vorjahr.

Wem nützt glutenfreie Ernährung? (2)

Mit Gluten wird ein Gemisch aus Proteinen bezeichnet, das im Korn verschiedener, aber nicht aller, Getreidesorten vorkommt. Besonders viel ist im Dinkel, gefolgt von allen Weizensorten einschließlich Einkorn und Emmer.

Gluten aus den Reserveproteinen Gliadinen und Glutelinen gebildet. Wenn sie beim Teigkneten in Kontakt mit Wasser kommen, werden sie zum Klebereiweiß, das dem Teig und Brot sein Gerüst gibt. Ohne Gluten kann aus Mehl kein Brot in Form eines Laibes gebacken werden.

Wem nützt glutenfreie Ernährung? (3)

Gluten kann gefährlich sein. 0,7 bis 1,5 % der Bevölkerung leiden unter Zöliakie, bei der das Immunsystem verhindert, dass Nährstoffe aufgenommen werden: Der Darm entzündet sich. Dann ist glutenfreies Essen überlebenswichtig.

Doch sind immer mehr Personen,die keine Zöliakie haben, überzeugt, dass sie unter nicht-zöliakischer Glutensensitivität leiden und verzichten auf alles,was mit Weizen zu tun hat. Ob Gluten wirklich der Magen-Darm-Beschwerden-Auslöser ist, ist bis heute nicht bewiesen.

>> Spielregeln Wer weiß denn sowas? (mo-fr, 18.00 Uhr)