Das Erste: Sa 26.11.16

16.00 - 16.30 Uhr - W wie Wissen
Hightech in der Archäologie

CSI Tollense - Die erste Schlacht Mitteleuropas? (1)

Bei Ausgrabungen im Tollensetal nahe Neubrandenburg haben Archäologen seit 2007 rund 13.000 Artefakte - darunter Tausende Knochen und Waffen aus Holz, Bronze und Flintstein - gefunden. Das Schlachtfeld zählt zu einer der größten Ansammlung menschlicher Skelette aus der älteren Bronzezeit.

Archäologen vermuten, dass 2000, vielleicht sogar 4000 Männer dort gekämpft haben.

CSI Tollense (2)

Um den Konflikt genauer rekonstruieren zu können, wollen die Forscher herausfinden, wo und wie Nahbeziehungsweise Fernwaffen eingesetzt wurden.

Verletzungsspuren von Pfeil- und Lanzenspitzen sind an Knochen ohne technische Hilfe schwer zu unterscheiden. Mithilfe numerischer Simulationen und Mikro-CT-Aufnahmen der Knochenfunde, durchgeführt an der Bundesanstalt für Materialprüfung in Berlin, erstellen sie 3D-Grafiken der Knochenverletzungen

CSI Tollense (3)

In ihre Berechnungen fließen zudem experimentell ermittelte Verletzungsmuster durch Einwirkung verschiedener damals gebräuchlicher Waffen und medizinische Daten zur Stabilität von Knochen ein.

Paläomechanik nennt sich die Analysemethode. Die Paläomechanik macht - ohne die Funde für die Untersuchung zerstören zu müssen - Schusskanäle in den uralten Knochen sichtbar.

CSI Tollense (4)

Die erlauben Rückschlüsse auf die Art der Waffen, die sie verursacht haben. Selbst Schussdistanzen können rechnerisch ermittelt werden.

Internetlink:

Knochen und Waffen im Tollensetal. Das Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie informiert - PDF zum Herunterladen:

www.lung.mv-regierung.de/dateien/ngt_ lidke_knochen_waffen_tollensetal.pdf

LIDAR: Archäologie aus der Vogelperspektive (1)

Kolosseum in Rom, die Pyramiden von Gizeh, die Tempel der Akropolis - es gibt bedeutende Monumente der Weltgeschichte, die bis heute gut sichtbar sind.

Doch die weitaus meisten Bauten sind verschwunden. Sie wurden im Laufe der Jahrhunderte zerstört, dem Verfall preisgeben oder überbaut. Ihre Überreste wiederzufinden ist eine der zentralen Aufgaben der Archäologie.

LIDAR: Archäologie aus der Vogelperspektive (2)

Dabei helfen kann LIDAR (Light Detection and Ranging), ein System aus Laserscannern und Computern, das ursprünglich für die Landvermessung entwickelt wurde.

Von einem Flugzeug aus sendet das System in einem breiten Fächer Laserstrahlen Richtung Boden aus und empfängt die von dort reflektierten Signale. Das Prinzip ist dem des Echolots ähnlich.

LIDAR: Archäologie aus der Vogelperspektive (3)

Der Unterschied ist jedoch, dass LIDAR die Vegetation erkennt, die den Boden bedeckt und kann sie virtuell entfernen:

Treffen die Laserstrahlen zum Beispiel auf einen Baum, so werden einige der Lichtimpulse an dessen Blättern reflektiert, andere an Zweigen und Ästen, wieder andere dringen bis auf den Boden vor.

LIDAR: Archäologie aus der Vogelperspektive (4)

Dieses Verteilungsmuster erkennt das Computerprogramm als Baum. Rechnet die Software nun alle Bäume und Sträucher aus dem Bild heraus, bleibt quasi der nackte Boden übrig.

Mit all seinen kleinen und großen Erhebungen. Ob diese Erhebungen natürlichen Ursprungs sind oder von Menschenhand gemacht, lässt sich relativ leicht erkennen.

3D-Modelle gefährdeter Kulturgüter (1)

Das kulturelle Erbe der Menschheit gerät zunehmend in Gefahr. Sie sind von Zerstörung oder Verfall bedroht.

Der Archäologe Dr.Benjamin Ducke und der Informatiker Prof.Dr. Marco Block-Berlitz haben das Projekt "Archäocopter" ins Leben gerufen, mit dem sich Grabungsstellen, Gebäude, ja sogar komplette Stadtviertel schnell und kostengünstig digital archivieren lassen.

3D-Modelle gefährdeter Kulturgüter (2)

Die Bestandteile des neuartigen Archivierungssystems: ein Multikopter, im Volksmund Drohne, (mindestens) eine Videokamera und eine Software, die das Team selbst entwickelt hat und kostenfrei zur Verfügung stellt.

Für ein neues Projekt am Mondsee nun zudem ein Unterwassersystem entwickelt. Das zentrale Anliegen des Archäocopter-Teams: die weitestmögliche Verbreitung der Methode, damit so viele Menschen wie möglich an der digitalen Erhaltung unserer Geschichte mitarbeiten können.

3D-Modelle gefährdeter Kulturgüter (3)

Die Baupläne für die Drohne kann sich jeder herunterladen, ebenso die notwendigen Kameraeinstellungen und die benötigte Software - alles kostenlos!

Internetlink

Mehr Informationen zum Archäocopter- und Archäonautic-Team:

www.archaeocopter.de

Stonehenge: Auf der Suche nach verborgenen Landschaften (1)

Stonehenge ist der berühmteste Steinkreis Englands. Schon lange erforschen Archäologen diesen Ort. Dabei nutzen sie heute überwiegend nicht-invasive Methoden.

Die meisten "Bauwerke" aus der Phase, in der Stonehenge errichtet wurde - die späte Stein- und frühe Bronzezeit - bestanden vorwiegend aus Erde und Grassoden, zum Beispiel die Grabhügel. Einige von ihnen kann man noch erkennen.

Stonehenge: Auf der Suche nach verborgenen Landschaften (2)

Aber die meisten wurden im Laufe Hunderter von Jahren durch die landwirtschaftliche Nutzung des Tals einfach weggepflügt.

Im Rahmen des Stonehenge Hidden Landscape Projektes (verborgene Landschaften von Stonehenge) haben Wissenschaftler das Tal, in dem der Steinkreis errichtet wurde, mit Magnetometern untersucht.

Stonehenge: Auf der Suche nach verborgenen Landschaften (3)

Diese Geräte erzeugen eine Art Karte dessen, was im Boden verborgen ist. Neben ziemlich großen Strukturen wie dem drei Kilometer langen Cursus fanden die Archäologen auch Standorte zahlreicher, heute nicht mehr sichtbarer Grabhügel.

Avebury ist längst nicht so berühmt wie Stonehenge, dabei befindet sich hier der größte Steinkreis der britischen Inseln.

Stonehenge: Auf der Suche nach verborgenen Landschaften (4)

Fast zeitgleich mit Stonehenge errichteten Menschen hier ein Monument, das heute noch gut sichtbar ist. Einst umgaben hier 98, bis zu fünf Meter hohe, aufrecht stehende Steine, einen Kreis mit einem Durchmesser von fast 400 m.

Auch rund um Avebury herum blickten die Archäologen mit ihren Magnetometern in den Boden hinein. Sie fanden die Spuren weiterer großer Monumente, wie die der von massiven Megalithen gesäumten "Avenue".

Stonehenge: Auf der Suche nach verborgenen Landschaften (5)

Internetlinks:

Mehr über das Projekt Stonehenge und Avebury Weltkulturerbe:

www.stonehengeandaveburywhs.org

Deutsches Archäologisches Institut:

www.dainst.org/dai/meldungen

>> Spielregeln Quizduell (mo-fr, 18.00 Uhr)