Das Erste: Sa 30.07.16

16.00 - 16.30 Uhr - W wie Wissen
Rindfleisch-Genuss mit Gewissensbissen?

Krank durch Rindfleisch? (1)

Die Weltgesundheitsorganisation erschreckte Fleischliebhaber 2015 mit der Meldung, dass verarbeitete Fleischprodukte, also Wurst, krebserregend sei. Wurst befindet sich damit in einer Kategorie mit Tabak, Asbest, Plutonium und Röntgenstrahlen.

Auch rotes Fleisch kommt bei der WHO nicht gut weg. Es sei möglicherweise krebserregend und fällt damit in die gleiche Kategorie wie Unkrautvernichtungsmittel und Kaminrauch.

Krank durch Rindfleisch? (2)

Diese Erklärung war durchaus brisant, denn die WHO wertete insgesamt 800 Studien aus. Der Ernährungsmediziner Prof. Hans Hauner von der Technischen Universität München verdächtigt in rotem Fleisch das Hämeisen als möglichen Krebsauslöser. Aber er schätzt die Gefahr bei einem moderaten Konsum als nicht sehr groß ein.

Auch bei der Wurst gibt es verschiedene Verdachtsmomente: Wurst wird stark behandelt, um sie haltbar und schön rot zu machen.

Krank durch Rindfleisch? (3)

Dabei werden unter anderem Nitritpökelsalze verwendet. Nitrite können bei hohen Temperaturen oder niedrigem pH- Wert, also im Magen, mit Eiweißstoffen schädliche Nitrosamine bilden.

Auch sogenannte heterozyklische aromatische Amine, HAAs, stehen unter Verdacht. Sie entstehen, wenn man Fleisch oder Wurst auf dem Grill anbrennt oder verkohlt. Außerdem enthält Wurst allgemein relativ viel Fett und Salz, was auch - in größeren Mengen–für unsere Gesundheit nicht zuträglich ist.

Krank durch Rindfleisch? (4)

Ist Wurst deshalb gefährlich? Natürlich gilt auch hier: Die Menge ist entscheidend. Ernährungsmediziner Hans Hauner hält die Warnung der WHO für überzogen.

Es gibt, so der Ernährungsmediziner, in unserer Ernährung größere Probleme: Wir konsumieren zum Beispiel deutlich zu viel Zucker, Fett oder Alkohol. Aber er rät auch, den Fleischkonsum zu reduzieren: auf etwa 300 bis 600 Gramm in der Woche und dabei auf hochwertiges Fleisch von einer zuverlässigen Quelle zu achten.

Krank durch Rindfleisch? (5)

Link:

Die WHO zu Krebs und Ernährungsgewohnheiten

http://www.euro.who.int/de/

health-topics/noncommunicable-diseases/ cancer/news/news/2011/02/

cancer-linked-with-poor-nutrition

Die Evolution des Fleischessens (1)

Fleisch ist seit Urzeiten ein wichtiger Bestandteil unserer Ernährung.Schon bei unseren Vorfahren bestand der Speiseplan fast zur Hälfte aus Fleisch:

Die Evolution des Fleischessens (2)

Rund 4.000 Kilokalorien, so schätzen Wissenschaftler, benötigte ein Neandertaler pro Tag zum Überleben. Ohne eine ausgefeilte Jagdtechnik lässt sich eine dauerhafte Versorgung mit so viel frischem Fleisch nicht bewerkstelligen.

Um die nötige Intelligenz zu entwickeln, die man für das Erfinden von solchen Jagdmethoden, aber auch der dafür notwendigen Waffen und Werkzeuge braucht, ist ein großes Gehirn notwendig.

Die Evolution des Fleischessens (3)

Das entwickelt sich wiederum erst bei einer sehr eiweißreichen Ernährung - also mit viel Fleisch. Wissenschaftler haben in einer Studie 67 Säugetierarten untersucht, darunter auch Fleisch-, Pflanzenfresser, aber auch Allesfreser.

Sie konnten belegen, dass allesfressende Säugetiere ab einem Fleischanteil von zehn bis zwanzig Prozent in der Nahrung ein schnelleres Hirnwachstum, aber auch eine deutlich verkürzte Stillzeit aufweisen.

Die Evolution des Fleischessens (4)

So können sie schneller Nachwuchs zeugen als Pflanzen- oder Allesfresser, die sich überwiegend vegetarisch ernähren. Anders als frühe Menschenaffen wie der Vegetarier Paranthropus dürften unsere weiter entwickelten Vorfahren wie etwa der Neandertaler allerdings einen Fleischanteil von bis zu 50 Prozent in ihrer Nahrung gehabt haben.

Auch der moderne Mensch wurde in dieser Studie mit anderen Säugetieren verglichen.

Die Evolution des Fleischessens (5)

Er besitzt, ebenso wie Wölfe oder Killerwale, dieselbe kurze Stillzeit und dasselbe rasche Hirnwachstum.

Biologisch gesehen sind wir Raubtiere. Werkzeuge müssen also geholfen haben, das Fehlen von Reißzähnen, die Fleischfressern das Jagen und Zerlegen der Beutetiere ermöglichen, beim Urmenschen zu kompensieren.

Die Evolution des Fleischessens (6)

Durch den Zugang zu frischem Fleisch veränderte sich der Mensch grundlegend.

Ein aufrechter Gang ist wichtig für das Benutzen von Jagdwerkzeugen wie Speeren ebenso wie beim Verfolgen von angeschossenen Beutetieren über weite Strecken.

Was die Kuh so alles frisst - und wie das ihren Gasausstoß beeinflusst (1)

Rund 60 Prozent aller Rinder werden nur noch im Stall gehalten.Sie bekommen dort große Mengen an Kraftfutter, damit sie möglichst viel Milch geben. - Das Problem: Sowohl bei der Produktion von Kraftfutter, als auch beim Stoffwechsel der Kuh werden große Mengen klimaschädlicher Gase freigesetzt.

Der Stoffwechsel von Kühen lässt sich kaum verändern, wohl aber die Fütterungspraxis.

Was die Kuh so alles frisst ... (2)

Selbst viele Bio-Kühe bekommen heute Kraftfutter. Aber ist das wirklich nötig? Um das herauszufinden startete der Agrarwissenschaftler Florian Leiber vom Forschungsinstitut für Bio-Landbau im Kanton Aargau in der Schweiz eine Versuchsreihe mit Schweizer Fleckvieh.

Für sein Experiment teilte Leiber den Viehbestand eines Betriebs in zwei Gruppen. Die eine setzte er auf Diät. Sie durfte rund sechs Wochen nichts als Gras und Heu fressen.

Was die Kuh so alles frisst ... (3)

Die andere bekam weiterhin ihre Kraftfutterrationen. Mit speziellen Hightech-Halftern überwachte das Team jeden einzelnen Kauausschlag der Tiere. Außerdem verglichen die Forscher den Kot und die Milch beider Gruppen. Das Ergebnis:

Das Schweizer Fleckvieh verträgt die reine Grünfutterkost problemlos. Langzeitversuche zeigen außerdem: Kühe, die ausschließlich Gras und Heu fressen, sind gesünder und fruchtbarer.

Was die Kuh so alles frisst ... (4)

Ihre Milch enthält mehr der wertvollen, ungesättigten Fettsäuren. Einziger Nachteil: Die ohnehin schon geringere Milchleistung vom Fleckvieh verringert sich um weitere zwölf Prozent.

Nach Einschätzung Florian Leibers ist das aber kein Problem. Der Milch- und Fleischkonsum in den Industrieländern sei ohnehin höher als nötig. Sein Plädoyer geht dahin, weltweit nur noch so viele Rinder zu halten, wie das Grasland ernähren kann.

Was die Kuh so alles frisst ... (5)

Kontakt:

Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL)

Department für Nutztierrassen

Dr.Florian Leiber

Ackerstrasse 113, Postfach 219

CH-5070 Frick

Telefon +41 62 865 72 72

Fax +41 62 865 72 73

http://www.fibl.org/de/schweiz/

forschung/tierforschung/tierernaehrung

.html

>> Spielregeln Wer weiß denn sowas? (mo-fr, 18.00 Uhr)