Das Erste: Sa 11.03.17

16.00 - 16.30 Uhr
W wie Wissen: Allergien

Allergien: Amok im Immunsystem (1)

Bei den meisten Allergenen handelt es sich um Eiweißsubstanzen aus Pflanzenpollen wie Hasel, Birke, Esche, Beifuß, Erle, Ambrosia, Roggen oder Gräsern.Oft reagieren Pollenallergiker auf gewisse Nahrungsmittel und entwickeln während der Heuschnupfenzeit Kreuzallergien.

Verantwortlich dafür ist ein Stresseiweiß, mit dem sich die Pflanzen gegen Viren, Bakterien und Umweltstress schützt. Diese Eiweißstoffe enthalten Baumpollen und pflanzliche Nahrungsmittel in relativ ähnlicher Form.

Allergien: Amok im Immunsystem (2)

Das menschliche Immunsystem wird ausgetrickst. Rund 70 Prozent der Birkenpollenallergiker reagieren daher zugleich allergisch auf Äpfel, Haselnüsse, Kirschen, Karotten, Sellerie und Soja. Daneben gibt es auch eine Reihe tierischer Eiweißstoffe wie etwa Hunde- und Katzenhaare oder Hausstaubmilben.

Das Immunsystem schickt beim Erstkontakt mit einem Allergen wie bei einem Virus Antikörper los, die die Allergenstruktur wiedererkennen. Noch gibt es keine Reaktion, da das Allergen neu ist

Allergien: Amok im Immunsystem (3)

Diese Phase heißt Sensibilisierung. Bei jedem weiteren Kontakt reagiert das Immunsystem nun mit den vorhandenen spezifischen Antikörpern, die sich nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip mit dem Allergen verbinden.

Dadurch werden Mastzellen aktiviert, bestimmte weiße Blutkörperchen, die Botenstoffe ausschütten, z.B. Histamin. Dies sorgt dafür, dass sich die Blutgefäße erweitern, es kommt zu einer Rötung. Angeregt durch Histamin produzieren die Schleimhäute mehr Flüssigkeit.

Allergien: Amok im Immunsystem (4)

Die Nase läuft, die Augen beginnen zu tränen, die Bronchien verschleimen, man niest und die Haut juckt. Bisher können Allergologen nur Symptome behandeln. Was die Allergene aber so gefährlich macht und wie sie unser Immunsystem täuschen, darüber rätseln Experten.

Weitere Informationen (1)

Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie der LMU München

Frauenlobstraße 9-11, 80337 München

Telefonische Terminvereinbarung: (089) 44 00 56 16

Allergien: Amok im Immunsystem (5)

Weitere Informationen (2)

Internet: www.klinikum.uni-muenchen.de/ Klinik-und-Poliklinik-fuer-Dermatologie -und-Allergologie/de/AbteilungenSprech stunden/Allergologie/index.html

Allergisch auf Essen: Kann ein bunter Speiseplan vorbeugen? (1)

Jeder dritte Deutsche ist im Lauf des Lebens von einer Allergie betroffen, oft in Verbindung mit Nahrungsmitteln. Für Babys, die mit fester Nahrungsaufnahme beginnen, galt lange: Allergene in der Beikost längstmöglich meiden.

Allergisch auf Essen (2)

Heute dagegen halten Kinderärzte und Ernährungswissenschaftler einen frühzeitigen Kontakt mit Kuhmilch, Gluten oder Hühnereiweiß für die beste Prävention. Bisherige Untersuchungen haben bereits gezeigt, dass ein Vermeiden von bestimmten Nahrungsmitteln bei Säuglingen nicht dazu beiträgt, Allergien zu verhindern - im Gegenteil.

Besser als Verzicht sind ein normaler Umgang und ein schrittweises Einführung der Nahrungsmittel, die auch im Haushalt der Eltern gegessen werden.

Allergisch auf Essen (3)

Falls das Kind gestillt wird, sollte es nach dem fünften oder sechsten Monat zusätzlich zur Muttermilch zunächst verschiedene Obst- und Gemüsebreie bekommen, dann Kuhmilch und Getreideflocken. Später können auch kleine Mengen Eier und Nüsse probiert werden.

Noch läuft die Schweizer Allergie- Studie, doch schon jetzt lässt sich sagen: Ein bunter Speiseplan ist besser als Einheitsbrei - und das beginnt schon bei den Allerkleinsten.

Pollenvorhersage auf dem Prüfstand (1)

Ganze zwei Pollenmessstationen gibt es im Flächenland Bayern, in Rheinland- Pfalz, Sachsen-Anhalt und dem Saarland keine einzige. Dabei sind sogar innerhalb der Bundesländer die klimatischen Unterschiede enorm - eine Zumutung für die Patienten, meint Carsten Schmidt- Weber, Leiter des Allergieforschungszentrums in München.

Viele Menschen leiden unter mehreren Allergien und müssen daher genau wissen, wann welche Pollenart unterwegs ist, um Kreuzreaktionen zu vermeiden.

Pollenvorhersage auf dem Prüfstand (2)

In einem Pilotprojekt hat sein Team untersucht, wie viele Messstationen es in Bayern geben müsste: mindestens acht.

Bisher werden die Pollen noch in Fallen gesammelt und unter dem Mikroskop mühsam per Hand analysiert und ausgezählt. Daher vergehen in der Regel fünf Tage bis das Ergebnis vorliegt - eine Zeitverzögerung, die eine präzise Vorhersage fast unmöglich macht. Um das zu ändern, hat der Toxikologe Jeroen Buters drei Jahre lang einen vollautomatischen Pollenmessroboter getestet.

Pollenvorhersage auf dem Prüfstand (3)

Er braucht für die Analyse der Pollenzusammensetzung und -konzentration nur vier Stunden. Die Ergebnisse der Studien haben jetzt auch das Bayerische Gesundheitsministerium überzeugt. Es gab grünes Licht für die Installation von acht Pollenmessrobotern in Bayern.

Doch im Grunde wäre ein dichteres und schnelleres Pollenmesssystem für ganz Deutschland nötig. Schließlich wird die Pollenallergikerzahl weiter zunehmen und damit auch die Zahl derer, die verlässliche Vorhersagen brauchen.

Pollenvorhersage auf dem Prüfstand (4)

Weitere Informationen

Prof.Dr. Jeroen Buters

Zentrum Allergie und Umwelt (ZAUM)

Helmholtz Zentrum München und Technische Universität

Biedersteiner Str. 29, 80802 München

Tel.: (089) 41 40 34 87

E-Mail: buters@tum.de

Mikrobiom und Allergie (1)

Weltweit beobachten Ärzte ein Muster bei Allergiepatienten. Zu Beginn eines allergischen Leidensweges steht oft eine Störung in der Hautbarrierefunktion.

Mikrobiom und Allergie (2)

Neurodermitis ist so eine Störung. Sie beginnt oft im dritten Lebensmonat, ist aber nicht immer auffällig. Diese Kinder entwickeln nicht selten als nächste Stufe Lebensmittelallergien. Später verschwinden die Lebensmittelallergien und die allergische Rhinitis, der Heuschnupfen, etabliert sich. Schließlich kommt es zum allergischen Asthma.

Mediziner sprechen dabei von der "Karriere" des Allergikers.

Mikrobiom und Allergie (3)

Bei der Frage, welche Faktoren die Hautbarriere schädigen und schließlich zum Beispiel Neurodermitis entstehen lassen können, rückten Bakterien in den Fokus der Mediziner.

Normalerweise herrscht zwischen den Arten zahlenmäßig ein Gleichgewicht. Doch es gibt schon lange Beobachtungen, dass auf der Haut von Neurodermitikern ein Bakterium übermächtig ist: Staphylococcus aureus. Statistisch hat nur jeder Dritte Staphylococcus aureus auf der Haut.

Mikrobiom und Allergie (4)

Tatsächlich finden die Mediziner bei Abstrichen der Haut von Neurodermitis- Patienten fast immer eine stark veränderte Bakterien-Gemeinschaft. Staphylococcus aureus ist immer übermächtig. Zugleich ist die Vielfalt der anderen Bakterien auf der Haut massiv reduziert

Das Ziel von Forschern ist es nun, die Bakteriengemeinschaft auf der Haut von Neurodermitikern wieder ins Gleichgewicht zu bringen, zum Beispiel mit speziellen Nährstoffen in Cremes, die vor allem die "guten" Bakterien aufpäppeln.

Was macht Pollen so gefährlich? (1)

Lange Zeit dachte man, dass in Pollen jeweils nur ein bestimmtes Protein, ein bestimmtes Allergen sitzt, das die allergische Reaktion auslöst, aber das ist nicht richtig.

Bei ihren Versuchen stellen die Forscher am Helmholtz-Zentrum erst einen Pollenextrakt her. Das ist eine Lösung, in der alle Stoffe enthalten sind, die der Pollen in die Schleimhäute von Mund und Nase abgibt. Diesen Pollenextrakt mischen die Wissenschaftler mit dem Blutserum von Allergikern.

Was macht Pollen so gefährlich? (2)

In dem Serum sind alle Antikörper, die das Immunsystem je auf "feindliche" Stoffe und Proteine gebildet hat, also auch auf die Proteine aus dem Pollen.

Die Forscher entdeckten, dass es Antikörper gibt, die mit diversen Pollenproteinen reagieren, d.h. es gibt viele verschiedene Allergene in einem Pollen. Neben diesen Allergenen gibt es noch über 1000 andere Stoffe, Biomoleküle, z.B. Fettsäuren oder andere Moleküle, die auch im menschlichen Organismus eine Rolle spielen.

Was macht Pollen so gefährlich? (3)

Diese Waffen des Pollens könnten entscheidend sein bei der bisher einzigen Allergietherapie: Hyposensibilisierung. Die neuen Erkenntnisse lassen vermuten, dass ihre Wirkung und Effektivität verbessert werden könnte, wenn man vorher untersucht, welche Stoffe aus dem Pollen die Therapie am effektivsten machen

In Hyposensibilisierungstabletten oder -spritzen dürfte dann nur noch ein standardisierter Mix eingesetzt werden. Bisher geht das nur bei Hyposensibilisierung gegen Bienen- und Wespengift.