Di 24.03.15

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ARD-Morgenmagazin
IGeL-Leistungen

Ob Innendruckmessung der Augen, Extra-Ultraschalluntersuchungen, Messung der Knochendichte oder PSA-Tests zur Früherkennung von Prostatakrebs: Mediziner bieten in ihren Praxen zusätzliche Diagnose- und Behandlungsmethoden an, die nicht zum Leistungsspektrum der gesetzlichen Krankenkassen gehören.

Ein wesentliches Merkmal: Diese "Individuellen Gesundheitsleistungen", kurz IGeL genannt, müssen von Patienten aus eigener Tasche bezahlt werden.

Patienten können Bedeutung und Wirkung der kostenpflichtigen ärztlichen Extras in der Regel nur schwer beurteilen. Dafür gibt es den Igel-Monitor. Außerdem gibt es bei den Verbraucherzentralen die Möglichkeit, sich den Ärger von der Seele zu schreiben.

Was sind IGeL-Leistungen? (1)

"Individuellen Gesundheitsleistungen" sind verschiedene Diagnose- und Behandlungsmethoden sowie vermeintlich gesundheitsfördernde Maßnahmen.

Was sind IGeL-Leistungen? (2)

Eine Liste, die Aufschluss über das Leistungsspektrum gibt, existiert jedoch nicht. Manche dieser Angebote sind wissenschaftlich kaum erforscht oder sogar von unabhängigen Instituten als nicht sinnvoll beurteilt worden.

Jeder Arzt kann Zusatzleistungen anbieten, die er selbst entwickelt oder von Firmen übernommen hat, die sich auf IGeL-Leistungen spezialisiert haben.

Was sind IGeL-Leistungen? (3)

Da die Palette breit gefächert und un-übersichtlich ist, bietet sich Patienten kaum eine Chance, den medizinischen Nutzen sowie Qualität und Preis der Angebote zu überprüfen bzw. miteinander zu vergleichen.

Dafür wurde der Igel-Monitor geschaffen, hier kann man einen Überblick über die Angebote erhalten. Medizinisch notwendig sind IgeL-Leistungen nicht.

IGeL-Gebote (1)

Der Deutsche Ärztetag hat 2006 auf seinem jährlichen Treffen eine Selbstverpflichtung für den Umgang mit IGeL-Angeboten verabschiedet.

Danach sind Individuelle Gesundheitsleistungen die ärztlichen Leistungen, die nicht der Leistungspflicht der GKV unterliegen, aus ärztlicher Sicht erforderlich oder empfehlenswert, zumindest aber vertretbar sind und von Patienten ausdrücklich gewünscht werden.

IGeL-Gebote (2)

Jedes IGeL-Angebot muss der hohen ärztlichen Verantwortung gegenüber Patienten Rechnung tragen, die auch bei nicht notwendigen Leistungen nicht zu Kunden werden.

Nur ein seriöses Anbieten individueller Gesundheitsleistungen kann das für den Erfolg jeder Heilbehandlung unverzichtbare Vertrauensverhältnis zwischen Patienten und Ärzten erhalten.

IGeL-Gebote (3)

Daher muss den Anforderungen des Berufsrechts Rechnung getragen werden, das eine gewissenhafte Versorgung mit geeigneten Untersuchungs- und Behandlungsmethoden gebietet (§11 Abs.1 MBO).

Es verbietet diagnostische Methoden unter missbräuchlicher Ausnutzung des Vertrauens, der Unwissenheit oder der Hilflosigkeit von Patienten anzuwenden (§ 11 Abs. 2 MBO).

(Quelle: Bundesärztekammer)

IGeL-Gebote (4)

Das Beschlussprotokoll des 109. Deutschen Ärztetages zum Umgang mit Individuellen Gesundheitsleistungen gibt es bei der Bundesärztekammer im Internet unter www.bundesaerztekammer.de.

Tipps (1)

Leistungen: Individuelle Gesundheitsleistungen werden von den Krankenkassen nicht überprüft und auch nicht bezahlt. Sie müssen die Rechnung komplett selbst begleichen.

Tipps (2)

Überlegen Sie genau, ob Sie die vom Arzt angebotenen Leistungen brauchen. Wären diese notwendig, würden die Kassen die Kosten übernehmen.

Entscheidung: Nehmen Sie sich Zeit und lassen Sie sich zu keiner Entscheidung drängen - besonders dann, wenn die Behandlung teuer ist. Wissenschaftlich fundierte und verständliche Informationen über Nutzen und Schaden einzelner IGeL erhalten Sie auf dem IGeL-Monitor.

Tipps (3)

Darüber hinaus können Sie die Meinung anderer Ärzte einholen und gegebenenfalls die verschiedenen Angebote vergleichen.

Arztgespräch: Seien Sie kritisch und lassen Sie sich genau über die angebotene Leistung informieren. Wenn Sie eine Leistung nicht wollen, können Sie sie ablehnen. Tipps hierzu von der Verbraucherzentrale NRW finden Sie unter www.vz-nrw.de.

Tipps (4)

Extraleistung: Informieren Sie sich bei Ihrer Krankenkasse, welcher Service und welche Extraleistungen Ihnen dort geboten werden. Einen entsprechenden Finder bietet die Stiftung Warentest auf www.test.de/krankenkassen an.

Internet

www.vz-nrw.de/igel-aerger

www.igel-monitor.de

www.patientenberatung.de

Literatur

Die Broschüre Individuelle Gesundheitsleistungen des MDS gibt es als pdf

im Internet unter www.mds-ev.org.

Weitere Informationen in folgenden Zeitschriften:

- test 6/2008: Augen auf und durch

- test 9/2011: Großputz beim Profi

- test 4/2008: Atmosphäre gut,

Beratung lückenhaft

- FINANZtest 2/2013: Das Extra für

den Doktor