Das Erste: Di 29.11.16

05.30 - 09.00 Uhr
ARD-Morgenmagazin
Risiken durch Nebenwirkungen

735 Millionen Packungseinheiten rezeptpflichtiger Medikamente, 1,4 Milliarden Packungen an rezeptfreien Medikamenten: So viele Arzneimittel gingen 2015 über den Tisch. Statistisch betrachtet macht das rund 26 Packungen - pro Kopf und pro Jahr. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

Doch mal ehrlich, wer achtet schon auf diesen Hinweis oder liest sich den Beipackzettel von jedem Medikament komplett durch?

Wer regelmäßig auf mehrere Medikamente angewiesen ist, kann schnell den Überblick verlieren. Einnahmefehler können die Wirkung einzelner Arzneimittel verstärken, verringern und können sogar lebensgefährliche Folgen haben.

Daher sollten alle Ärzte, von denen man behandelt wird, über die gesamte Medikation Bescheid wissen. Nur so kann man das Risiko unerwünschter Wechselwirkungen bei der Verschreibung von Arzneien verringern.

Das ist wohl ein Grund, weshalb seit dem 1.Oktober 2016 ein gesetzlicher Anspruch auf einen persönlichen Medikationsplan besteht, wenn gleichzeitig mindestens drei verordnete, systemisch wirkende (d.h. im Körper wirkende) Medikamente angewendet und über mindestens vier Wochen vorgesehen sind.

Wechselwirkungen (1)

Experten schätzen, dass bei uns alle 15 Sekunden ein Mensch wegen schwerer Nebenwirkungen in die Notaufnahme kommt.

Wechselwirkungen (2)

An diesen Nebenwirkungen sterben jährlich zehnmal mehr Menschen, als es Verkehrstote gibt. Trotzdem wird das Risiko unterschätzt. Prince z.B. soll wegen zu vieler und häufig geschluckter Schmerzmittel gestorben sein.

Medikamente beeinflussen sich (1)

Die meisten Medikamente werden, nachdem sie in die Blutbahn gelangt sind, nach einer gewissen Zeit in der Leber abgebaut und danach wieder ausgeschieden.

Medikamente beeinflussen sich (2)

Gehemmter Abbau: Wenn Medikament A das Enzym, das für den Abbau von Medikament B verantwortlich ist, hemmt, liegt Medikament B in höherer Konzentration im Blut vor als gewünscht. Dadurch kann sich die Wirkung von Medikament B drastisch verstärken oder verlängern.

Mit dieser Verstärkung oder Verlängerung können auch die entsprechenden Nebenwirkungen dieses Medikaments verstärkt oder verlängert werden.

Medikamente beeinflussen sich (3)

Bei verschiedenen Medikamenten kann es sogar zu einer Vergiftung kommen.

Thromboserisiko Pille (1)

Die Antibaby-Pille ist ein zuverlässiges Verhütungsmittel. Aber gerade junge Frauen nehmen sie oft nicht zur Verhütung ein, sondern wegen ihrer Nebenwirkungen! Moderne Pillen der sogenannten 3. und 4.Generation sollen für schönere Haut und Haare sorgen.

Thromboserisiko Pille (2)

Dabei ist das Risiko, eine Thrombose zu bekommen, mit ihnen bis zu sechsmal höher als mit Pillen älterer Generationen. Die Thrombose kann lebenslange körperliche Schäden verursachen oder sogar tödlich enden.

Sollte man die Tablette lieber morgens oder abends einnehmen? (1)

Diese Frage rückt immer mehr in den Fokus von Ärzten und Forschern.

Sollte man die Tablette lieber morgens oder abends einnehmen? (2)

Manche Betäubungsmittel zur Zahnbehandlung wirken zum Beispiel am frühen Nachmittag doppelt so gut wie am späten Nachmittag.

Viele Statine, die den Cholesterolspiegel senken sollen, sind wirksamer, wenn sie abends und nicht morgens eingenommen werden, und das gleiche gilt meist auch für Asthma-Medikamente.

Sollte man die Tablette lieber morgens oder abends einnehmen? (3)

Auch die Nebenwirkungen von manchen Medikamenten können je nach Zeitpunkt der Einnahme unterschiedlich stark ausfallen.

Das könnte besonders für die Chemotherapie bei Krebserkrankungen interessant sein. Denn dafür müssen oft Medikamente mit besonders schweren Nebenwirkungen eingesetzt werden.

Weitere Informationen im Internet (1)

- www.verbraucherzentrale.nrw/ gesundheitsberatung

- priscus.net/download/PRISCUS-Liste_ PRISCUS-TP3_2011.pdf

- www.bfarm.de/SharedDocs/Newsletter/ DE/2015/2015-10_Oktober/Anlagen/ Forschung.html?nlId=6796788

Weitere Informationen im Internet(2)

- www.kvmv.info/aerzte/25/30/ Medikationsplan/Patienteninfo_ Medikationsplan_18102016.pdf

- www.risiko-pille.de/

- www.bmbf.de/pub/Medikamente_im_ Alter.pdf

- www.socium.uni-bremen.de

Literatur

Kurt Langbein (Hrsg.), Hans-Peter Martin (Hrsg.), Hans Weiss (Hrsg.):

Bittere Pillen 2015-2017 - Nutzen und Risiken der Arzneimittel

Verlag Kiepenheuer & Witsch 2014

ISBN: 978-3-462-04427-0

Stiftung Warentest: Handbuch Medikamente

Verlag Stiftung Warentest 2014

ISBN: 978-3-86851-146-8

>> 05.30 - 09.00 Uhr ARD-Morgenmagazin Heizkosten im Blick