Di 13.01.15

05.30 - 09.00 Uhr
ARD-Morgenmagazin
Wenn es kracht

Jedes Jahr kommt es millionenfach zu Verkehrsunfällen, gerade bei Schnee und Eisglätte kracht es besonders oft. Ein Verkehrsunfall trifft die Beteiligten immer völlig unvorbereitet, die Regulierung von Sach- und Personenschäden kann sehr komplex sein kann.

Nach einem Unfall ist es daher wichtig, einen klaren Kopf zu bewahren und bei der Schadensregulierung alles richtig zu machen - auch wenn einen als Geschädigter am Unfall keine Schuld trifft.

Anwalt einschalten (1)

Kommt es bei einem fremdverschuldeten Unfall zu größeren Sachschäden oder gar zu einem Personenschaden, sollte immer ein auf Verkehrsrecht spezialisierter Rechtsanwalt eingeschaltet werden, um eventuelle Ansprüche geltend zu machen.

Nach einem Verkehrsunfall mit einem anderen Fahrzeug verfügt die Gegenseite über eine Haftpflichtversicherung mit vielen Spezialisten, die mit der Unfallregulierung betraut sind.

Anwalt einschalten (2)

Es ist daher als Geschädigter legitim, sich ebenfalls juristischer Unterstützung zu bedienen.

Trägt der Unfallgegner die Alleinschuld am Unfall, übernimmt die gegnerische Versicherung die Anwaltskosten. Bei Mitschuld oder im Falle eines Streits hilft eine Verkehrsrechtsschutzversicherung.

Personenschaden

Bei einem Personenschaden ist es für die Schadensregulierung wichtig, die beim Unfall entstandenen Verletzungen detailliert attestieren zu lassen.

Soweit Ansprüche nicht auf beispielsweise die Krankenkasse übergegangen sind, sind mögliche Schadenersatzansprüche des Verletzten: Rettungs-, Arzt-, Krankenhauskosten, Schmerzensgeld, Verdienstausfall, Rente, Haushaltsführungskosten u.a..

Fahrzeugschaden (1)

Kleinere Schäden am Fahrzeug (unter 1.000 Euro) sollte der Halter mittels Kostenvoranschlag einer Werkstatt beziffern lassen bzw. eine Entschädigung mittels einer Reparaturrechnung einfordern.

Bei größeren Schäden sollte vor Erteilung eines Reparaturauftrages ein Sachverständiger damit beauftragt werden, den Schaden zu begutachten und zu beziffern.

Fahrzeugschaden (2)

Der Geschädigte kann sich selbst einen Gutachter auswählen, ein Gutachter der gegnerischen Versicherung muss nicht akzeptiert werden.

Fahrzeugreparatur (1)

Der Geschädigte kann sein Fahrzeug in einer Werkstatt seiner Wahl reparieren lassen, d.h. die gegnerische Versicherung kann nicht vorschreiben, in welcher Werkstatt die Reparatur erfolgen soll.

Fahrzeugreparatur (2)

Liegen die Reparaturkosten allerdings viel höher als der Wiederbeschaffungswert des Fahrzeuges, liegt ein Totalschaden vor und der Gegner muss nur noch den Wiederbeschaffungswert ggf. abzüglich des Restwerts bezahlen.

Totalschaden

Übersteigen die Reparaturkosten den Wiederbeschaffungswert des Fahrzeuges um mehr als 30 Prozent, liegt ein wirtschaftlicher Totalschaden vor.

Abrechnung ohne Reparatur

Der Geschädigte muss das Fahrzeug aber nicht reparieren lassen, sondern kann auch anhand eines Schadensgutachtens bzw. bei kleineren Schäden mit einem Kostenvoranschlag seinen Schaden abrechnen.

Die veranschlagten Reparaturkosten lassen sich als Schadensbetrag fordern, allerdings in diesem Fall nur den ausgewiesenen Nettobetrag der zu erwartenden Reparaturkosten. Juristen sprechen von einer s.g. "fiktiven Abrechnung".

Wertminderung

Durch einen Unfallschaden am Fahrzeug erfährt ein Auto - außer bei Bagatellschäden - auch nach erfolgter Reparatur eine Wertminderung, da bei einem Weiterverkauf ein Unfallschaden angegeben werden muss.

Dem Geschädigten steht gegenüber dem Unfallgegner eine Entschädigung wegen Wertminderung zu. Das gilt aber in der Regel nur bei Fahrzeugen, die nicht älter als fünf Jahre und nicht mehr als 100.000 Kilometer gelaufen sind.

Nutzungsausfall/Mietwagen (1)

Muss ein verunfalltes Fahrzeug zur Reparatur in die Werkstatt, steht dem Geschädigten für die Zeit ohne sein Fahrzeug eine s.g. "Nutzungsausfallentschädigung" zu.

Die Höhe der Nutzungsausfallentschädigung errechnet sich nach Fahrzeugtyp und Fahrzeugalter, die Entschädigungshöhe liegt zwischen 23 und 175 Euro.

Nutzungsausfall/Mietwagen (2)

Der Geschädigte kann statt einer Nutzungsausfallentschädigung auch einen Ersatzwagen für die Zeit der Reparatur anmieten, wenn er auf ein Fahrzeug angewiesen ist. Dabei sollte ein Fahrzeug einer kleineren "Klasse" angemietet wer den, um die vollen Mietwagenkosten ersetzt zu bekommen.

Für ein ein gleichwertiges Fahrzeug wird in der Regel nur ein Teil erstattet.

Nutzungsausfall/Mietwagen (3)

Denn die gegnerische Versicherung zieht s.g. "ersparte Aufwendungen" für das eigene Fahrzeug ab.

Der Geschädigte muss sich aber verschiedene Mietwagenangebote einholen und ein günstiges Angebot wählen.

Weitere Ersatzansprüche (1)

Folgende weitere Ersatzansprüche bei einem fremdverschuldeten Autoschaden können sich ergeben:

- Ersatz von Sachschäden mitgeführter

Gegenstände im Auto (Brille, Gepäckstücke, Handy u.a.)

- Ersatz von beschädigter Kleidung

- Abschlepp- und Bergungskosten für das verunfallte Fahrzeug, ebenso

Standkosten

Weitere Ersatzansprüche (2)

- Kosten für Abmeldung des verunfallten Fahrzeuges und Kosten für Neuanmel-

dung

- Verschrottungskosten

- Auslagen für Telefon, Briefporto u.a. im Rahmen der Schadensregulierung