Di 19.05.15

05.30 - 09.00 Uhr
ARD-Morgenmagazin
Immer Ärger mit den Nachbarn

Jetzt im Frühjahr und im Sommer geht er wieder los, der Streit mit den Nachbarn am Gartenzaun. Eine große Zahl von Nachbarschaftsstreitigkeiten beschäftigt alljährlich die Gerichte.

Von der Einhaltung von Abständen der Gartenbepflanzung übers Grillen bis hin zur Lärmbelästigung ist dabei alles vertreten ...

Wie oft darf man Rasen mähen?

Wie oft man mähen darf, ist nicht geregelt; aber Ruhezeiten sind einzuhalten.

Generell gilt: Zwischen 20.00 Uhr abends und 07.00 morgens und an Sonn- und Feiertagen ist der Einsatz des Elektro- oder Benzinrasenmähers verboten. Gemeinden können auch die Einhaltung einer Mittagsruhe regeln.

Wie lange darf die Gartenparty dauern?

Solange wie man möchte, aber ab 22.00 Uhr gilt Nachtruhe, d.h. die Nachbarn dürfen nicht mehr durch Musik oder laute Gespräche gestört werden.

Ist es erlaubt, jeden Tag zu grillen?

Ja, es gibt kein "Grillgesetz", das die Häufigkeit des Brutzelns im Garten regelt. Man darf die Nachbarschaft aber nicht unzumutbar mit Gerüchen und Qualm belästigen.

Fühlt sich der Nachbar gestört, urteilen die Gerichte oft ganz unterschiedlich, sei es zwei oder viermal im Monat oder nur fünfmal im Jahr.

Wer haftet, wenn aufgehängte Wäsche von der Grillasche des Nachbarn verdreckt wird? Der Verursacher eines Schadens haftet. Zuqualmen und Funkenflug zu den Nachbarn ist nicht erlaubt.

Muss man die Katze vom Nachbarn im eigenen Garten dulden?

Ja, gegen einen Katzenbesuch aus der Nachbarschaft kann man nichts machen. Es ist ein natürliches Verhalten von Katzen, dass sie durch Gärten streunen.

Der Hund des Nachbarn bellt ununterbrochen. Muss das die Nachbarschaft erdulden?

Nein. Gelegentliches Hundegebell wird als normale Beeinträchtigung bewertet und muss hingenommen werden.

Gegen permanentes Gebell kann man sich, gerade in reinen Wohngebieten, wehren. Der Hundehalter muss dann für Ruhezeiten, insbesondere in der Nacht, sorgen.

Ist es erlaubt, den Komposthaufen an die Nachbarterrasse zu platzieren? (1)

Ja, der darf nur nicht zu groß sein oder den Nachbarn beeinträchtigen.

Geht vom Haufen eine Geruchsbelästigung aus und werden vermehrt Fliegen und andere Insekten angelockt, kann der Nachbar verlangen, dass der Komposthaufen an eine andere Stelle verlegt wird.

Ist es erlaubt, den Komposthaufen an die Nachbarterrasse zu platzieren? (2)

Erst recht darf der Nachbar die Beseitigung verlangen, wenn durch den Komposthaufen Ratten angelockt werden, weil sämtliche Küchenabfälle auf dem Haufen kompostiert werden.

Kann man sich gegen den verwilderten Garten des Nachbarn wehren? Nein. Es sei denn, durch Unrat und Müll werden Ratten und anderes Ungeziefer angelockt

Darf man herüberhängende Äste abschneiden? Wenn die Äste das Grundstück des Nachbarn konkret beinträchtigen, kann man den Nachbarn zum Zurückschneiden auffordern. Macht er es trotz Aufforderung nichts, darf man selbst abschneiden.

Ist es erlaubt, das Obst von herüberhängenden Ästen zu pflücken?

Nein, so gut die Kirschen aus Nachbars Garten auch schmecken.

Solange das Obst am Baum hängt, gehört es dem Eigentümer des Baums. Fällt das Obst in den Nachbarsgarten runter, gehört es dann aber dem Nachbarn.

Wie nah darf der Nachbar seine Hecke oder Bäume an die Grundstücksgrenze pflanzen?

In den meisten Bundesländern regelt das jeweilige Nachbarecht die einzuhaltenden Abstände. Es kommt bei den einzuhaltenden Abstandflächen jeweils auf die Art der Bepflanzung an.

Hässliche Gartenzwerge oder "Kunst" im Nachbargarten stören, kann man die Beseitigung verlangen?

Nein. Im eigenen Garten darf man aufstellen, was man will. Das muss die Nachbarschaft in der Regel ertragen. Über Geschmack lässt sich nun einmal bestens streiten.

Müssen Kinder beim Spielen Mittagsruhezeiten einhalten?

Nein, aufgrund gesetzlicher Vorgaben nicht. Typischer Kinderlärm gehört zum normalen Alltag und Miteinander und muss "erduldet" werden.

Ist es möglich bei Ärger mit dem Nachbarn vor Gericht zu ziehen? (1)

Zunächst sollte man immer das Gespräch suchen. Sind erst mal Anwälte eingeschaltet und ein Streit landet vor Gericht, ist es kaum noch möglich, anschließend wieder eine gute Nachbarschaft aufzubauen.

... mit dem Nachbarn vor Gericht (2)

Kommt es zum Streit unter Nachbarn, ist vor Einschaltung des Gerichts in vielen Bundesländern zunächst ein sog. Schlichtungsverfahren vorgeschrieben.

Scheitert die Schlichtung, ist der Gerichtsweg offen. Informationen über das Schlichtungsverfahren erhält man bei dem Amtsgericht des Wohnortes, der Gemeindeverwaltung oder auch des örtlichen Anwaltsvereins.