Das Erste: Mi 13.07.16

05.30 - 09.00 Uhr
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Neuregelungen im Erbrecht

Nur jeder dritte Deutsche hat seinen Nachlass geregelt. Dabei erfordern die heute verbreiteten Familienformen ganz neue Regelungen, die im Gesetz nicht vorgesehen sind. Dazu gehören zum Beispiel Patchwork-Familien oder eingetragene Lebenspartnerschaften.

Aber auch für alle anderen heißt es, sich frühzeitig mit dem zu vererbenden Vermögen zu beschäftigen: Was muss ich beachten, wenn ich mein Testament verfasse?

Wie kann ich meinen Partner bedenken, wie Streit unter den Erben vermeiden? Wie wechselt mein Haus möglichst steuerfrei zur nächsten Generation.

Fakten (1)

Hat man seinen Nachlass nicht schriftlich geregelt, entscheidet die gesetzliche Erbfolge über die Verteilung des Vermögens. Dabei ist die Gefahr groß, dass das Vermögen nicht im Sinne des Vererbenden verteilt wird, wenn er stirbt.

Fakten (2)

Die gesetzliche Erbfolge setzt man mit einem Testament außer Kraft und teilt das Erbe nach seinen Wünschen auf. Es ist nur gültig, wenn es leserlich mit der Hand geschrieben und mit Ort, Datum und Unterschrift versehen ist. Das ist nur eine von vielen gesetzlichen Anforderungen an den Letzten Willen.

Um nichts und niemanden zu vergessen, ist es ratsam, sein Vermögen zunächst aufzulisten und Erben festzulegen.

Fakten (3)

Je konkreter das formuliert ist, desto besser hilft das, Streit verhindern. Auch der digitale Nachlass sollte im Letzten Willen bedacht sein.

Für unverheiratete Paare sind Erbverträge die einzige Lösung, einen gemeinsamen letzten Willen zu hinterlassen. Wer sich frühzeitig damit befasst und Fehler vermeidet, sorgt für Gerechtigkeit, beugt Streitereien vor - und erspart den Erben eventuell auch Steuern.

Fakten (4)

Wie viel erben Ehepartner/Kinder?

Ehepartner sind nicht miteinander verwandt, doch wenn ein Partner stirbt, erben auch sie. Die Erbquote hängt vom ehelichen Güterstand ab und davon, ob der Verstorbene lebende Verwandte hat.

Beispiel: Im Normalfall (bei Güterstand Zugewinngemeinschaft) erbt der Ehepartner in der Regel die eine Hälfte; Kinder teilen sich die andere Hälfte des Vermögens.

Wie sieht das bei Patchwork-Familien aus? (1)

Im Erbrecht kommen Patchwork-Familien nicht vor. Sind die Partner verheiratet, haben sie zunächst einmal die gleichen Rechte wie andere Verheiratete (etwa die Möglichkeit zum gemeinsamen Testament, Erbrecht für Ehepartner usw.).

Es bleiben aber Probleme in der Erbfolge mit den Kindern.

Wie sieht das bei Patchwork-Familien aus? (2)

Beispiel: Da die leiblichen Kinder der Frau nicht verwandt mit dem Mann sind, erben sie nichts, wenn er stirbt.

Noch komplizierter wird es, wenn das Paar darüber hinaus ein oder mehrere gemeinsame Kinder hat. Man muss hier unbedingt ein Testament oder einen Erbvertrag beim Notar aufsetzen, der den Nachlass regelt.

Was ist, wenn das Paar nicht verheiratet ist?

Dann geht der Partner komplett leer aus und nur die leiblichen Kinder erben. Will man das verhindern, muss man auch das in zwei einzelnen Testamenten oder im Erbvertrag regeln.

Kann man missliebige Menschen vom Erbe einfach ausschließen bzw. enterben? (1)

Nein, es gibt Pflichtteile für nahe Angehörige (Ehegatten, Kinder, Enkel, Urenkel, sowie Eltern des Verstorbenen).

Kann man missliebige Menschen vom Erbe einfach ausschließen bzw. enterben? (2)

Komplett ausschließen kann man sie nicht - nur in Ausnahmefällen.

Auch hier gilt die gesetzliche Erbfolge: D.h. zunächst erhält das Kind seinen Pflichtteil, dann rücken Enkel usw. nach. Der Pflichtteil ist halb so groß wie der gesetzliche Erbteil der Person.

Um Streitigkeiten zu verhindern, sollte man am besten zu Lebzeiten eine Einigung finden.

Kann man missliebige Menschen vom Erbe einfach ausschließen bzw. enterben? (3)

Einigung gibt es z.B. mit einer Pflichtteilsstrafklausel oder einem vertraglichen Pflichtteilsverzicht der Kinder gegen eine Abfindung.

Berliner Testament (1)

Verheiratete Paare setzen sich gegenseitig als Alleinerben ein. Eventuell vorhandene Kinder sind also zunächst enterbt und erben alles, wenn auch das zweite Elternteil verstorben ist.

Berliner Testament (2)

Ehepartner wollen sich damit absichern. Die Kinder können aber bei Tod eines Elternteils den Pflichtteil verlangen; ihnen kann im Testament eine Pflichtteilsstrafklausel auferlegt werden.

Eventuelle Nachteile: Zum einen steuerliche bei hohem Vermögen, denn Kinder erhalten nur einmal den Freibetrag und auch, wenn das Kind beim Tod des ersten Elternteils seinen Pflichtteil einfordert und es z.B. eine Immobilie gibt.

Berliner Testament (3)

Dann muss diese eventuell verkauft werden, weil der Pflichtteilsanspruch ein Geldanspruch ist und der Pflichtteil ausgezahlt werden muss.

Literatur

Das Nachlass-Set

Testament, Vermögensübersicht, Digitaler Nachlass, Bestattungsverfügung, 144 Seiten,

Buch ISBN: 978-3-86851-388-2

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