Mi 22.04.15

05.30 - 09.00 Uhr
ARD-Morgenmagazin
Durchblutungsstörungen

Häufig treten Durchblutungsstörungen mit zunehmendem Alter auf. Dabei sind Männer viermal mehr betroffen als Frauen. Es kann sich in den Beinen, am Herzen oder auch am Gehirn bemerkbar machen. Durchblutungsstörungen haben viele Symptome.

Lange Zeit werden Durchblutungsstörungen jedoch gar nicht bemerkt. Erst, wenn ein Gefäß zu zwei Drittel verengt ist, kommt es zu spürbaren Beschwerden.

Ist die Durchblutung gestört, verdoppelt sich das Herzinfarkt- und Schlaganfall-Risiko. Die Wahrscheinlichkeit im Laufe des Lebens eine Durchblutungsstörung der Herzkranzgefäße zu erleiden, liegt für Männer bei ca. 30%, für Frauen bei ca. 15%.

Für das Schlaganfallrisiko als Folge von Durchblutungsstörungen der Halsgefäße beträgt diese Wahrscheinlichkeit ca. 15% und steigt nach dem 60. Lebensjahr steil an.

Bei ca. 3% der Bevölkerung im Alter über 60 liegt eine Durchblutungsstörung der Beine vor. Problematisch ist, dass die meisten Betroffenen zunächst nichts merken. Doch Schlaganfall und Herzinfarkt können schwerwiegende Folgen sein

Werden Sie deshalb bei den ersten Anzeichen einer gestörten Durchblutung wie Herzschmerzen und Luftnot, Schmerzen in den Beinen, nachlassender Gedächtnisleistung und Schwindel aktiv! Suchen Sie einen Arzt auf!

Ursachen (1)

Häufigste Ursache mit über 95% ist die Arterienverkalkung. Schlaganfall und Infarkt können die Folgen sein, wenn die Schlagader oder ein Herzgefäß nur noch eingeschränkt durchlässig sind.

Kommt es dann zu einem Verschluss durch ein Blutgerinnsel tritt eine lebensbedrohliche Situation ein. Auch die Beinarterien können von Arterienverkalkung betroffen sein.

Ursachen (2)

Das Gewebe wird dann nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt und stirbt ab. Das kann zu Amputationen führen oder im schlimmsten Fall lebensbedrohlich werden.

Der plötzliche Riss einer großen pathologischen Blutgefäßerweiterung, ein sogenanntes Aneurysma, ist eine akut lebensbedrohliche Situation. Die Überlebenschancen sind sehr gering.

Gefäßverengung (1)

Die Arterien verteilen vom Herzen ausgehend das Blut im gesamten Organismus wie ein Baum mit seinen Ästen. Dabei pumpt die linke Herzkammer das Blut in die Aorta, die sich weitet, um das Blut aufnehmen zu können.

Diese Gefäßerweiterung setzt sich als Pulswelle durch das ganze Arteriensystem fort. Die Durchblutung eines Organs sichert seine Sauerstoffversorgung

Gefäßverengung (2)

Eine Durchblutungsstörung am Herzmuskel kann zu einem Verschluss einer Herzkranzarterie führen. Daraus kann sich ein Infarkt entwickeln. Der ist lebensgefährlich. Das Herzmuskelgewebe wird nicht genügend mit Sauerstoff versorgt.

Bei den Gefäßverengungen handelt es sich um eine voranschreitende Veränderung der Gefäßwände. Dort bilden sich Ablagerungen mit Fetten, Kalk und Eiweißbestandteilen.

Hauptrisikofaktoren

Neben Übergewicht, Bewegungsmangel und fettreicher Ernährung gehören bestimmte Fettstoffwechselstörungen (Erhöhung des LDL-Cholesterins, Erniedrigung des HDL- Cholesterins) zu den Risikofaktoren.

Weitere Risikofaktoren sind Bluthochdruck, Diabetes, Nikotin, genetische Veranlagung für Herzinfarkte (erstgradige Verwandtschaft).

Symptome und Folgen (1)

Durchblutungsstörungen können plötzlich auftreten oder sich im Rahmen einer chronischen Gefäßerkrankung langsam entwickeln. Prinzipiell kann jede Arterie betroffen sein. Die Folgen sind Schmerzen, Funktionseinschränkungen und im schlimmsten Fall das Absterben des betroffenen Organs.

Typisch sind Durchblutungsstörungen in den Beinen (Schaufensterkrankheit) und im Herzen, weniger in den Armen.

Symptome und Folgen (2)

Im Bereich des Darms und des Herzen können Durchblutungsstörungen schmerzhaft sein. Ein Schlaganfall verursacht nicht zwingend Schmerzen.

Herz: Durchblutungsstörungen am Herzen machen sich durch ein Engegefühl im Brustkorb (Angina pectoris) und Schmerzen bemerkbar. Die Schmerzen können auch in Richtung Arme oder Magen ausstrahlen und mit dem Gefühl einhergehen, nicht durchatmen zu können.

Symptome und Folgen (3)

Herz: Bei leichten Durchblutungsstörungen treten die Symptome nur bei körperlicher Anstrengung (z.B. Laufen, Treppensteigen) auf und klingen im Ruhezustand rasch wieder ab.

Bei stärker ausgeprägten Schäden führt bereits eine normale Belastung zu Beschwerden. Die plötzliche Verengung der Herzkranzgefäße führt bei völligem Gefäßverschluss zu einem Herzinfarkt.

Symptome und Folgen (4)

Gehirn: Ein Schlaganfall kündigt sich an durch Taubheitsgefühle in einem Arm oder Bein, Schwierigkeiten beim Sprechen, Herabhängen eines Mundwinkels, Sehstörungen (meist einseitig), Schwindel, Gedächtnisstörungen, Verwirrtheit, Orientierungslosigkeit. Folgen können halbseitige Lähmungserscheinungen sein.

Becken: Durchblutungsstörungen im Beckenbereich können bei Männern zu Impotenz führen.

Symptome und Folgen (5)

Beine (4 Stadien): Keine Beschwerden, Zufallsbefund (1). Beschwerden bei Belastungen, klingen in Ruhephasen ab (2). Gehstrecke über 200m @, unter 200m (b). Beschwerden treten auch in Ruhephasen auf, außer beim Sitzen. Blasse Haut (Stadium 3).

Das Gewebe ist bereits so geschädigt, dass sich Geschwüre entwickeln oder Gewebe abstirbt. Es liegt ein "Raucherbein" vor, das stark schmerzt.

Symptome und Folgen (6)

Beine: Können die Durchblutungsstörungen nicht mehr behandelt werden, droht die Amputation (Stadium IV).

Nieren: Gefäßverengungen in den Nieren führen zu erhöhtem Blutdruck bis hin zum Nierenversagen.

Aneurysma: Es entsteht aufgrund von Gefäßerkrankungen wie Arteriosklerose durch Nikotin und Bluthochdruck oder durch angeborene Bindegewebserkrankung.

Symptome und Folgen (7)

Entdeckt werden sie oft zufällig. Bei einem Aneurysma leiert die Gefäßwand aus. Weil das Blut mit hohem Druck durch die Adern rauscht und die Wände dehnt, bildet sich eine Aussackung.

Das bereitet in der Regel keinerlei Schmerzen, kann aber in der Folge zu einem Riss der Gefäßwand führen. Reißt die Hauptschlagader in Kopf-, Brust- oder Bauchraum, zählt jede Sekunde. Diese Gefahr überlebt nur jeder Zweite.

Behandlung

Nur ein Arzt kann aufgrund der Symptome eine auf den Patienten abgestimmte Behandlungsmethode entwickeln. Neben diesen Heilmaßnahmen kann aber auch jeder selbst den Heilungserfolg aktiv unterstützen.

Ein gesunder Lebensstil ist die Basis der Therapie: Rauchverzicht, Gewichtsoptimierung, gesunde, ausgewogene Ernährung und optimalerweise täglich

30 Minuten körperliche Aktivität.

Invasive Behandlung (1)

Zum klassischen Handwerkszeug der invasiven Behandlung gehören Kathetertechniken. Dabei wird durch die Leistenarterie ein Katheter eingeführt.

Standardmethode ist die Ballon-Dilatation (PTA), bei der ein Ballon nachgeschoben wird, der sich aufpumpen lässt und die Verengungen aufdehnt. Oft wird eine Gefäßstütze (Stent) eingesetzt, die aus einem schlanken Gitter besteht.

Invasive Behandlung (2)

Diese Eingriffe sind meistens gut verträglich und werden ohne Vollnarkose durchgeführt. Selten gibt es schwerwiegende Komplikationen wie Blutgerinnsel, Gefäßverletzungen oder Überempfindlichkeit auf Kontrastmittel.

Hierbei wird also das Erscheinungsbild einer Erkrankung (Gefäßverengung) nicht aber die Ursache (Arteriosklerose) behandelt.

Empfehlungen (1)

Grundregel: Bewegung ist gut. Langes Stehen oder Sitzen ist schädlich.

- spazieren gehen oder radfahren,

Schwimmen (Wasser nicht über 28°C)

- gesunde, ballaststoffreiche Ernährung

- Annäherung an das Idealgewicht

- keine schweren Lasten tragen

- Wechselduschen von kaltem (10-16°C)

und warmem Wasser (38°C) für Beine,

immer mit kaltem Wasser aufhören

Empfehlungen (2)

- mindestens 2 Liter täglich trinken, möglichst wenig Kochsalz (z.B. in natriumreichem Mineralwasser)

- enge Kleidung vermeiden, bequemes

Schuhwerk tragen, ggf. barfuß gehen

- langes Abknicken der Arme oder Beine vermeiden

- Alkohol und Nikotin meiden

- Beine ab und zu hochlegen