Mi 26.08.15

05.30 - 09.00 Uhr
ARD-Morgenmagazin
Änderungen bei
gesetzlichen Krankenkassen

Seit Jahresbeginn 2015 unterscheiden sich die Kassen wieder in ihren Beitragssätzen. Unterschiede beim Service und bei den Extras, die Krankenkassen über die gesetzlich vorgeschriebenen Leistungen hinaus anbieten, gab es ja schon vorher.

Beiträge seit Januar 2015 (1)

Seit Jahresbeginn gilt für alle Kassen der allgemeine Beitragssatz von 14,6 Prozent des Bruttoeinkommens. Ihn muss jeder Versicherte mindestens zahlen.

Beiträge seit Januar 2015 (2)

Doch die Kassen dürfen mehr verlangen, wenn sie damit nicht auskommen. Einige verlangen zum Beispiel 0,9 Prozent Zusatzbeitrag - der Gesamtbeitrag liegt also bei 15,5 Prozent.

Den Zusatzbeitrag müssen die Mitglieder komplett selbst zahlen. Ihr Arbeitgeber beteiligt sich nicht. Rentner mit einer gesetzlichen Altersrente müssen den Zusatzbeitrag ebenfalls in voller Höhe selbst übernehmen.

Beiträge seit Januar 2015 (3)

Der gesamte Beitrag wird auf das Monatseinkommen bis zur Beitragsbemessungsgrenze von 4.125 Euro fällig. Wer mehr verdient, muss auf den Teil, der diese Grenze übersteigt, keinen Beitrag mehr zahlen.

Wechselt ein Arbeitnehmer mit 4.125 Euro Monatsverdienst von einer Kasse mit 15,5 Prozent Beitrag zu einer mit 14,6 Prozent, spart er rund 445 Euro im Jahr.

Beiträge seit Januar 2015 (4)

Bei einem Verdienst von 2.000 Euro bringt ein Wechsel immerhin noch ein Plus von mehr als 200 Euro.

Die Kassen müssen eine Rücklage bilden, um Einnahme- und Ausgabeschwankungen auszugleichen. Sie muss zwischen 25 Prozent und 100 Prozent einer Monatsausgabe liegen.

Was alle Kassen bieten müssen (1)

Die gesetzlichen Krankenkassen sind verpflichtet, eine medizinisch notwendige und sinnvolle Versorgung der Versicherten zu gewährleisten. Dies gilt für alle Kassen gleichermaßen.

Leistungen beim Arzt:

- Arztwahl: Kassenpatienten haben freie Arztwahl, vorausgesetzt der Arzt hat eine Kassenzulassung. Die Kasse darf aber vorschreiben, bei welchem zugelassenen Arzt sie sich behandeln lassen.

Was alle Kassen bieten müssen (2)

Leistungen beim Arzt (Fortsetzung):

- Medikamente: Die vom Arzt verschriebenen Medikamente muss die Kasse bezahlen - bis auf einen Eigenanteil von maximal 10 Euro pro Medikament.

- Vorsorgeuntersuchung: Ab einem bestimmten Alter und in bestimmten Abständen übernimmt die Kasse auch die Kosten für Vorsorgeuntersuchungen.

Was alle Kassen bieten müssen (3)

Leistungen beim Arzt (Fortsetzung):

Beispielsweise haben Patienten ab 50 Jahren jedes Jahr Anspruch auf eine Darmkrebs-Früherkennung mit einem Test auf verborgenes Blut im Stuhl, ab 55 alle zwei Jahre, wenn keine Darmspiegelung vorgenommen wurde.

Leistungen im Krankenhaus:

- Junge Patienten: Bei Kindern und Jugendlichen bis 18 Jahre werden die Kosten voll übernommen.

Was alle Kassen bieten müssen (4)

Leistungen im Krankenhaus (Fortsetzung)

- Ältere Patienten: Ältere Patienten zahlen 10 Euro je Behandlungstag zu; höchstens jedoch 280 Euro im Jahr.

Ausführliche Leistungsbeschreibung (1)

Darüber hinaus müssen die Kassen die Kosten für viele weitere Leistungen übernehmen - von der Psychotherapie bis zur häuslichen Krankenpflege.

Ausführliche Leistungsbeschreibung (2)

Für Versicherte mit Kindern, die länger im Krankenhaus oder zur Kur sind, zahlen die Kassen eine Haushaltshilfe.

Eine ausführliche Übersicht über die Pflichtleistungen der Kassen finden Sie im Internet unter www.test.de/Gesetzliche-Krankenkasse-Die-beste-Kasse-fuer-Sie-1801418- 4095712/.

Extraleistungen (1)

Bei der Wahl der Krankenkasse kommt es auf zweierlei an: den Beitragssatz und die Extraleistungen, die eine Kasse über das gesetzlich vorgeschriebene Maß hinaus anbietet.

Vergleichen Sie die Angebote mit Hilfe des Produktfinders der Stiftung Warentest im Internet (www.test.de/krankenkassen). Diese Datenbank wird regelmäßig aktualisiert und kann für 3 Euro vier Wochen lang genutzt werden.

Extraleistungen (2)

Wenn Ihre Kasse eine von Ihnen gewünschte Extraleistung nicht bietet, fragen Sie danach, bevor Sie die Kasse deswegen wechseln. Womöglich ist Ihre Kasse dann kulant und Sie bekommen doch noch, was Sie möchten.

Wechsel der ges. Krankenkasse (1)

Nimmt eine Kasse erstmals einen Zusatzbeitrag oder erhöht diesen, dürfen Versicherte umgehend kündigen.

Wechsel der ges. Krankenkasse (2)

- Kündigungsfrist: Die Frist beträgt zwei Monate zum Monatsende. Beispiel: Wenn Sie bis Ende Januar eines Jahres bei Ihrer alten Kasse schriftlich kündigen, beginnt die Mitgliedschaft in Ihrer neuen Kasse zum 1. April.

Kündigen Sie wegen einer Beitragserhöhung, müssen Sie in dem Zeitraum zwischen Kündigung und Beginn der Mitgliedschaft in der neuen Kasse aber noch den erhöhten Beitrag zahlen.

Wechsel der ges. Krankenkasse (3)

Mit der gleichen Frist können Sie kündigen, wenn Sie mindestens 18 Monate lang Mitglied einer Kasse waren. Dann spielt es keine Rolle, ob ihre Kasse Zusatzbeiträge erhebt oder nicht.

Ein Wechsel bringt keine Nachteile. Keine Kasse darf gesetzlich Versicherte ablehnen, wenn sie hinein wollen. Auch eine laufende Behandlung ist kein Wechselhindernis.

Wechsel der ges. Krankenkasse (4)

Sie müssen auch nicht befürchten, in einer günstigen Kasse schlechter versorgt zu sein. Die Basisleistungen sind bei allen Krankenkassen gleich.

- Bestätigung einreichen: Die alte Kasse stellt eine Kündigungsbestätigung aus, die Versicherte zusammen mit dem Mitgliedsantrag bei der neuen Kasse einreichen.

Wechsel der ges. Krankenkasse (5)

- Arbeitgeber informieren: Die neue Kasse muss in den zwei Monaten bis zur Aufnahme eine Mitgliedsbescheinigung ausstellen. Der Versicherte gibt sie beim Arbeitgeber ab. Damit ist der Wechsel vollzogen.

Tipps zur Kassenwahl (1)

- Anspruch: Seien Sie anspruchsvoll, schließlich geht es um Ihre Gesundheit. Ihre Kasse ist verpflichtet, Sie gut zu beraten und zu versorgen. Fordern Sie das ein.

Tipps zur Kassenwahl (2)

- Leistungen: Sparen Sie, indem Sie die Leistungen Ihrer Kasse besser nutzen. Mit manchen Angeboten können Sie mehrere hundert Euro im Jahr sparen.

Manche Kassen bieten Ihnen finanzielle Vorteile, wenn Sie an bestimmten Programmen teilnehmen oder sich gesundheitsbewusst verhalten. Zusätzlich zahlen die Kassen Zuschüsse für Gesundheitskurse, zum Beispiel für den Rücken. Machen Sie mit!

Tipps zur Kassenwahl (3)

- Finanzlage: Es gibt Anhaltspunkte, mit denen Sie grob beurteilen können, wie gut es einer Kasse geht. Dazu kann zum Beispiel gehören, ob die Kasse in den vergangenen Jahren eine Prämie ausgeschüttet hat.

Ein weiterer Anhaltspunkt können hohe Rücklagen sein. Zu diesen sind die Kassen verpflichtet, um ihre Leistungsfähigkeit sicherzustellen.

Tipps zur Kassenwahl (4)

Einnahme- und Ausgabeschwankungen sollen so ausgeglichen werden. Jede Kasse muss mindestens 25 Prozent der auf einen Monat entfallenden Ausgaben zurücklegen, maximal sind 100 Prozent dieser Summe erlaubt.

Tipps zur Kassenwahl (5)

- Versorgungsformen: Hausarztmodelle, zusätzliche Versorgungs- und Behandlungsangebote für chronisch Kranke (Disease Management Programme) und integrierte Versorgungsverträge der Kassen können Ihre Behandlung verbessern.

Doch nicht alle Ärzte nehmen an diesen Programmen teil. Den Arzt wechseln sollten Sie aber nur, wenn der andere Arzt Sie medizinisch besser behandelt.

WEITERE INFORMATIONEN:

- Heft FINANZtest 5/2015 (Artikel

"Nicht um jeden Preis", S. 68 ff.).

- Allgemeine Informationen zum Thema: www.test.de/

Gesetzliche-Krankenversicherung-

Alle-Infos-zum-Thema-Krankenkassen-

1151006-0/

- FINANZtest BESTELLSERVICE:

01805-00 24 67 (14 Cent pro Minute)

oder

- LESERSERVICE: 09001-58 37 82

(62 Cent pro Minute)

Tipps zur Kassenwahl (6)

- Wechsel: Wenn Sie sich über Servicemängel Ihrer Kassen ärgern, können Sie problemlos in eine andere Kasse wechseln, die mehr bietet.

Wählen Sie eine Kasse, die genau die Leistungen und den Service bietet, den Sie benötigen. Schauen Sie also nicht nur auf den Zusatzbeitrag.

Tipps zur Kassenwahl (7)

- Extraleistungen: Wenn Sie wegen einer bestimmten Leistung die Kasse wechseln, lassen Sie sich bestätigen, dass die neue Kasse dieses Extra nicht bald streicht. Auch durch Fusionen von zwei oder mehr Kassen können sich Leistungen und Service ändern.

- Alternative Behandlungen: Ärzte, die eine homöopathische Behandlung anbieten, finden Sie beim Deutschen Zentralverein homöopathischer Ärzte. Beim Dachverband anthroposophische Medizin erhalten Sie Adressen von entsprechend arbeitenden Ärzten. Oft erhalten Sie auch bei Ihrer Krankenkasse eine Liste mit Medizinern in Ihrer Nähe. Das gilt auch, wenn Sie sich von einem Osteopathen behandeln lassen möchten. Beachten Sie hier: Die Behandlung muss von einem anderen Arzt verordnet werden und der Osteopath muss eine Zulassung besitzen.

WEITERE INFORMATIONEN:

- Weitere Informationen zum Thema finden Sie im Heft FINANZtest 5/2015 (Artikel Nicht um jeden Preis, S. 68 ff.).

- Allgemeine Informationen zum Thema finden Sie im Internet unter www.test.de/Gesetzliche-Krankenversicherung-Alle-Infos-zum-Thema-Krankenkassen-1151006-0/.

- FINANZtest BESTELLSERVICE: 01805-00 24 67 (14 Cent pro Minute) oder

- LESERSERVICE: 09001-58 37 82 (62 Cent pro Minute)