Zurück Weiter

So 19.10.14

23.05 - 23.35 Uhr
ttt - titel, thesen, temperamente

"Das Salz der Erde" (1)

Der brasilianische Fotograf und Künstler Sebasti o Salgado ist ein Star. Zu seinen Bewunderern zählt auch der deutsche Regisseur Wim Wenders, der einen ausgewöhnlichen Dokumentarfilm über den 70-Jährigen gedreht hat: "Das Salz der Erde".

Wenders konzentriert sich auf die Fotos

- sie geben dem Film die Ästhetik und

Dramaturgie. Er setzt Salgado vor die Fotos wie vor einen Spiegel und lässt ihn die Geschichten zu seinen Bildern erzählen.

"Das Salz der Erde" (2)

"Es gibt Aufnahmen, die sehen aus wie sakrale Bilder - wie eine Art Heiligenbild", sagt Wim Wenders.

"Mit diesen Fotografien habe ich ihn entdeckt und habe mir beim Betrachten dieser Bilder immer gedacht, das ist sowohl ein toller Fotograf, der weiß was er macht, aber das ist auch ein Abenteurer. Sich da rein zu begeben und all das zu fotografieren, das macht nicht jeder."

"Das Salz der Erde" (3)

Salgado wird 1944 in Brasilien geboren. Die Kindheit verbringt er mit sieben Schwestern auf der Rinderfarm der Eltern. Er studiert Wirtschaftswissenschaften, engagiert sich politisch und muss mit seiner Frau Lelia nach Paris vor der Militärdiktatur emigrieren.

Salgado entzieht die Bilder der Beiläufigkeit, des Drüber-weg-Sehens.

Den Menschen auf seinen Bildern gibt Salgados die Würde, die ihre Lebensumstände nicht zulassen, zurück. Man könnte das idealistisch nennen.

"Das Salz der Erde" (4)

Menschliche Größe bekommt der Film, wenn er zeigt, wie Salgado fast an seiner Passion zerbricht. Er zieht sich auf die Farm der Eltern zurück, forstet den Regenwald wieder auf und beginnt sein "Genesis"-Projekt, Fotos von der Erde in ihrem unberührten Zustand. Die Natur als der bessere Teil der Welt. Das ist die wunderschön anzusehende und bittere Pointe des Films.

"Das Salz der Erde"

Dokumentarfilm von Wim Wenders

Kinostart: 30. Oktober 2014

Auf den Spuren der Flüchtlinge (1)

Kairo, Anfang April. Ein Cafe in der Stadt ist der Treffpunkt für neun Men-

schen, die von hier aus die gefährlichste Reise ihres Lebens antreten. Sie wollen nach Alexandria und von dort über das Meer nach Italien.

Sie sind Flüchtlinge, die meisten aus Syrien. Unter ihnen, mit falscher Identität, der deutsche Reporter Wolfgang Bauer und sein tschechischer Fotograf.

Auf den Spuren der Flüchtlinge (2)

Wolfgang Bauer: "Ich fand', so eine Flucht musste mal begleitet werden. Was die Flüchtlinge hier in Deutschland erzählen, das mag man glauben oder nicht. Wir wollten nachprüfen, was tatsächlich passiert."

Ein lebensgefährlicher Plan. Fotos machen kann Krupar, der tschechische Fotograf, nur heimlich. Bauer und er lassen sich Bärte wachsen, bezahlen 3.000 Dollar für die Überfahrt. Bauers Bericht liest sich wie ein Krimi, den man nicht aus der Hand legt.

Auf den Spuren der Flüchtlinge (3)

Der in Oxford lehrende Bestsellerautor Paul Collier hat sich lange mit der

Ökonomie der Migration beschäftigt, sein neues Buch heißt "Exodus".

Er argumentiert darin nicht moralisch, sondern ökonomisch und sozial. Migration ist eine Tatsache, sagt er, aber wir müssen sie gerechter machen. Und als erstes, fordert er, muss etwas getan werden, um die tödlichen Dramen,

die sich fast täglich vor den Grenzen abspielen, zu beenden.

Auf den Spuren der Flüchtlinge (4)

Buchtipps

Wolfgang Bauer:

Über das Meer - Mit Syrern auf der Flucht nach Europa

Eine Reportage - Mit Fotos von Stanislav Krupar; edition suhrkamp, Broschur, 133 Seiten

ISBN: 978-3-518-06724-6

Paul Collier:

Exodus - Warum wir Einwanderung neu regeln müssen; Gebundenes Buch, 320 Seiten; ISBN: 978-3-88680-940-0

"Das grenzt an Liebe" - Interview mit Diane Keaton (1)

Die Zeiten sind trostlos, doch rommantische Hollywood-Komödien schaffen Abhilfe. In "Das grenzt an Liebe" sehen wir Michael Douglas und Diane Keaton als wunderbares Filmpaar. "Wer Hunde und kleine Kinder hasst, muss kein schlechter Mensch sein": Das gilt auch für auch Oren Little.

Ein Makler und Misanthrop wie er im Drehbuch steht. Nach dem Tod seiner Frau verkauft er seine Villa und zieht in ein Reihenhaus - unter Menschen!

"Das grenzt an Liebe" (2)

Auch Nachbarin Leah, eine Lounge-Sängerin, erfährt, was der Mann unter Charme versteht. Bei einer Begegnungen versucht er ihr zu schmeicheln: "Ich habe schon viele Häuser verkauft, die älter waren als Sie - und in einem viel schlechteren Zustand."

Diane Keaton ist wieder da: Verwegen gewandelt, unwiderstehlich gut gelaunt. Gerade bekommt sie überall Preise: fürs Lebenswerk. Die hinreißend banale Botschaft des Films: Alter schützt vor

Liebe nicht.

"Das grenzt an Liebe" (3)

Diane Keaton über die Sehnsucht nach grauenhaften Männern: "Von Anfang an interessiert sich Leah für ihren Nachbarn Oren. Das geht uns doch allen so: Die grauenhaftesten Typen, natürlich immer das Gegenteil von uns selbst, die finden wir sexy, das hat etwas. Jemanden zu treffen, der ist wie du selbst: Das ist keine Aufgabe, das ist nicht aufregend, das macht dich nicht an. Oder?"

Diane Keaton verleiht diesem Film Esprit. Sie bezaubert auch als Sängerin.

"Das grenzt an Liebe" (4)

Im Film sind wir Zeugen: Verliebt sein, dieses schöne Schlamassel, ist einfach in jedem Alter überwältigend.

Filmtipp:

"Das grenzt an Liebe"

Regie: Rob Reiner

Kinostart: 6. November 2014

Zurück Weiter