ARD-Text
Seite:  377
« Zurück Weiter »
So 12.05.13

23.05 - 23.35 Uhr
ttt - titel thesen temperamente

Das Verschwinden der Frauen (1)

Das ist ein Nachruf auf weltweit mehr als 160 Millionen Frauen, die eines gemeinsam haben: Sie wurden niemals geboren. Sie hatten das falsche Geschlecht, durften nicht mehr als Embryonen sein, wurden mit Hilfe pränataler Diagnostik aussortiert und abgetrieben.

Die amerikanische Journalistin Mara Hvistendahl, mit vielen renommierten Preisen ausgezeichnet, hat das unfassbare Verbrechen weltweit recherchiert.

Das Verschwinden der Frauen (2)

Was für eine schaurige Vorstellung: eine Welt ohne Frauen. Sie werden einfach nicht mehr geboren. In China droht der Alptraum Wirklichkeit zu werden. Es gibt Regionen, da kommen auf drei Jungen nur noch zwei Mädchen.

Immer mehr Schwangere lassen des Geschlecht des Embryos per Ultaschall bestimmen und handeln dann. In China ist jedem Paar nur ein Kind erlaubt: Das soll dann schon ein "echter Mann" sein.

Das Verschwinden der Frauen (3)

Viele junge Paare, die sich am Shanghai-River ablichten lassen, werden schon bald vor den Ultraschall-Scanner treten. Die systematische Tötung weiblicher Föten in China, Indien oder Südkorea ist eines letzten großen Tabus.

Armen Familien in Indien bleibt oft kein anderer Weg. Eine Tochter zu verheiraten ist teuer. Besser 500 Rupien für den Besuch beim Arzt als später ein Vielfaches für die Vermählung.

Das Verschwinden der Frauen (4)

Frauen als Freiwild, Sex-Objekte, Ausschussware bei der Familienplanung. Auch in Europa passiert das. In Albanien, wo die Armut groß ist, hofft man auch eher auf einen Ernährer.

Buchtipp

Mara Hvistendahl:

Das Verschwinden der Frauen

Selektive Geburtenkontrolle und die Folgen (dtv)

Richard Wagner auf der Couch (1)

Wir kennen ihn als Schöpfer blutrünstiger Gesamtkunstwerke, doch Richard Wagner, der seine Helden Siegfried und Siegmund zu Supermenschen stilisierte, soll selbst von männlichem Heldentum weit entfernt gewesen sein.

Das behauptet der Psychologe und Psychoanalytiker Bernd Oberhoff in einer 400-seitigen Studie. Sein Urteil: Richard Wagner war ein Müttersöhnchen, ein ängstlicher Knilch, der nie erwachsen wurde.

Richard Wagner auf der Couch (2)

Der "Ring" ein Spiegel von Wagners ganz persönlicher Kindheit? Der unmännliche Zwerg Alberich: Wagner selbst? Der kämpft um die Zuneigung der Rheintöchtöchter, die ihn höhnisch zurückstoßen. Verletzt und in rasender Wut raubt Alberich den Nixen das Gold.

Wagner, ein Mann mit Mutterkomplex, mit Männlichkeitsproblem? Im "Ring", sagt der Psychoanalytiker, steckt das komplette Psychoprofil des Komponisten.

Richard Wagner auf der Couch (3)

Der Psychoanalytiker entzaubert den urdeutschen Mythenschmied, den monumentalen Gesamtkünstler.

Ja, er war ein Titan, der 166 cm kleine Richard Wagner, vor allem aber ein in der Kindheit Steckengebliebener, ein Traumatisierter: Sein Vater starb, als er zwei war, seine Mutter habe ihn nie zärtlich berührt, klagte er später. So wurde er von einer ewigen Muttersehnsucht verfolgt.

Richard Wagner auf der Couch (4)

Oberhoffs Studie liefert überraschende Einblicke in die Kreativität des Meisters: Es sei gut, dass Wagner diese narzisstischen Defekte hatte. Sie brachten ihm Größenwahn und Phantasie für sein monumentales Werk.

Buchtipp

Bernd Oberhoff

Richard Wagner. Der Ring des Nibelungen

Eine musikpsychoanalytische Studie

Psychosozial-Verlag

Yoann Lemoine alias Woodkid (1)

Mit Produktionen, die geradewegs aus Hollywood kommen könnten, ist der Franzose Yoann Lemoine alias Woodkid in kurzer Zeit zu einem der gefragtesten Videoclip-Regisseure der Welt geworden.

Bereits im Alter von 25 Jahren führte er Regie für den Clip zu Mobys "Mistake". Heute ist er 29 und zählt Popgrößen wie Katy Perry, Lana del Rey und Rihanna zu seinen Kunden.

Yoann Lemoine alias Woodkid (2)

Woodkid erschafft eine ganze Welt und nutzt dafür sein Medium, den Videoclip. Bekannt wurde er aber nicht mit den Clips für die Superstars der Musikbranche, sondern durch Videos und Texte seiner eigenen Songs.

"Iron", "Run boy run" und "I love you" sind die Singles seines ersten Albums. Die Filme dazu kommen wie Kunstwerke daher und sind ein echter Internet-Hit, millionenfach im Netz angeklickt.

Yoann Lemoine alias Woodkid (3)

Sie erzählen von fantastischen Welten, Naturgewalten und Abenteuern zwischen Fantasy und himmlischer Symbolik, mit starken Aufnahmen und aufwendiger Computergrafik.

Woodkids Stil ist geprägt von einer ganz eigenen Bildsprache: Er ist Regisseur, Animator, Grafiker und Musiker. Als Woodkid erzählt er vom Erwachsenwerden, der Suche nach einer eigenen Identität. Es ist wohl auch seine eigene Suche.

Yoann Lemoine alias Woodkid (4)

CD-Tipp

Woodkid: The Golden Age

Island (Universal)

Tourdaten

Wien: 31.Mai 1013

Gräfichenhain (Melt! Festival):

19. bis 21.Juli 2013

Degen (Schweiz): 9.August 2013

Hamburg (Dockville Festival): 16. bis 18.August 2013

Weiter »
Home Home Impressum