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So 17.08.14

23.05 - 23.35 Uhr
ttt - titel thesen temperamente

USA: Weltmacht am Abgrund (1)

Amerika, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, galt über Jahrzehnte hinweg als die Supermacht schlechthin.

Nicht erst seit dem Finanzcrash und der Lehman-Pleite hat das Bild Risse bekommen. Schon vorher begann sich die Schere zwischen Arm und Reich zu öffnen,gab es einen Niedergang alter Industrien. Die misslungenen Interventionen in Afghanistan und im Irak führten zu weltweitem Ansehensverlust. Auch der Kitt aus Werten, der die heterogene Gesellschaft lange zusammenhielt, bröckelte.

USA: Weltmacht am Abgrund (2)

Schonungslose Innenansichten dieses neuen Amerikas zeichnet der renommierte US-Journalist George Packer in seinem hochgelobten Buch "Die Abwicklung". In den USA ist es ein Bestseller und wurde 2013 mit dem National Book Award ausgezeichnet. Kritiker feierten es als Roman, als Epos und als Meisterwerk.

In Zeiten der durch die NSA-Affäre getrübten deutsch-amerikanischen Freundschaft stößt es auch bei uns auf großes Interesse. "ttt" traf George Packer am Big Apple.

USA: Weltmacht am Abgrund (3)

Seine kunstvoll komponierte Collage enthält bei aller Kritik und Verfallsgeschichte doch zumindest vage Hoffnung - weil es gerade die benachteiligten Protagonisten sind, die sich mit Energie und Humor gegen ihr Schicksal stemmen.

Buchtipp

George Packer: Die Abwicklung. Eine innere Geschichte des neuen Amerika

S.Fischer 2014

Preis: 24,99 Euro

ISBN 978-3-10-000157-3

Heiner Goebbels' letzte Ruhrtriennale/1

Am letzten Wochenende begann die letzte Saison der Ruhrtriennale 2012-2014 unter Heiner Goebbels' Leitung. Eröffnet wurde sie mit "De Materie", einer Oper des Niederländers Louis Andriessen. Der Intendant selbst hat das Werk in der "Kraftzentrale" im Landschaftspark Duisburg-Nord in Szene gesetzt.

Seit Beginn seiner Amtszeit 2012 hat es der Komponist und Regisseur geschafft, den Geist des Festivals zu verändern und das Publikum für die Avantgarde zu begeistern.

Heiner Goebbels' letzte Ruhrtriennale/2

Radikal und außergewöhnlich,so kann man sein Programm beschreiben. 2014 sind es rund 150 Veranstaltungen mit über 1000 Künstlern an 14 spektakulären Orten.

Hochkultur trifft Industriedenkmäler, wenn die "Jahrhunderthalle" in Bochum, die Hochofenstraße im Landschaftspark Duisburg-Nord oder die Maschinenhalle der Essener Zeche Carl zur Bühne für Theater- und Konzertaufführungen werden. Dabei verschwimmen die Unterschiede zwischen den Genres Theater, Tanz, Performance und Installation.

Heiner Goebbels' letzte Ruhrtriennale/3

Wenn die Ruhrtriennale am 28.September endet, wird sich Heiner Goebbels als Intendant verabschieden.

Was bleibt? Für die Besucher bleibt auf jeden Fall die Kunst als Erfahrung des Unbekannten. "Der Unterschied zu anderen Festivals besteht vor allem in den Orten, aber auch in der Möglichkeit, etwas Neues zu produzieren. Wir müssen nicht nur einladen, wir können etwas anstoßen. Mit der Chance, dass etwas entsteht, was woanders nicht entstehen kann."

Zum Tod von Peter Scholl-Latour (1)

Am liebsten wäre er Entdecker geworden. Doch dann entdeckte er die Krisengebiete der Welt und wurde Reporter. Peter Scholl-Latour hat mehr gesehen, mehr erlebt als jeder andere Deutsche.

Über ein halbes Jahrhundert berichtete er aus den Krisengebieten dieser Welt aus Indochina, Vietnam, Algerien, dem Kongo und dem Nahen Osten. Er kommentierte die Ereignisse und ordnete sie ein.

Zum Tod von Peter Scholl-Latour (2)

Geboren wurde Peter Scholl-Latour am 9.März 1924 in Bochum. Dort ging er auch zur Schule. Sein Vater, ein Arzt, stammte aus Lothringen, seine Mutter aus dem Elsass. Berufliche Gründe hatten sie ins Ruhrgebiet verschlagen.

Nach der Machtergreifung der Nazis schickten ihn seine Eltern wegen ihrer jüdischen Herkunft auf ein Jesuiteninternat in der Schweiz. Gegen Kriegsende flüchtete er nach Frankreich, um sich am Widerstand gegen die Nazis zu beteiligen.

Zum Tod von Peter Scholl-Latour (3)

Nach verschiedenen Stationen, u.a. als Hörfunk-Korrespondent für Afrika, wurde Scholl-Latour 1960 erster deutscher Frankreich-Korrespondent. 1963 gründete er das ARD-Studio Paris, das er bis 1969 leitete. Im Anschluss war er bis 1971 WDR-Fernsehdirektor und Programmchef des Westdeutschen Fernsehens (WDF), des heutigen WDR-Fernsehens.

Von Frankreich aus reiste er ab Mitte der 1960er regelmäßig nach Vietnam und berichtete oft völlig gegensätzlich zur vorherrschenden Meinung in Deutschland.

Zum Tod von Peter Scholl-Latour (4)

1973 geriet er in Gefangenschaft der Vietcong und wurde endgültig zur Reporter-Legende.

Peter Scholl-Latour hat seine Erfahrungen zeitlebens akribisch notiert. Daraus entstanden mehr als 30 Bücher. In den letzten Jahren war er als streitbarer und meinungsfreudiger Gesprächspartner in zahlreichen Talkshows zu Gast. Am 16.August verstarb er in Rhöndorf am Rhein. Seinen Blick auf die Welt werden wir vermissen.

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