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So 28.09.14

23.05 - 23.35 Uhr
ttt - titel thesen temperamente

Schlachtfeld Kultur im Irak (1)

Die Bilder aus den Propagandavideos der Terrorgruppe IS ähneln sich. Immer wieder die Stilisierung von Brutalität und Selbstinszenierung durch rasende Gewalt Aber warum? Und warum sieht man im Hintergrund dieser Aufnahmen immer wieder diese Fahne, das islamische Glaubensbe-

kenntnis auf Schwarz, in Symbiose mit Gewalt?

Der Fotograf Jamal Penjweny ist unterwegs im Irak, weil ihn dieses "Warum?" immer wieder antreibt.

Schlachtfeld Kultur im Irak (2)

Im Kurdengebiet, eine gute Autostunde hinter der Front, inszeniert er in karger Landschaft seine neueste Fotserie: "Islamic Animals", islamische Tiere.

Er hat eine IS-Fahne vom Schlachtfeld geholt und stellt eine Ziege davor. Der Islamist als Bock, eine Provokation. Damit will er den Leuten die Inszenienierung der Terroristen bewusst machenund, dass diese Terroristen nicht nur gewalttätig sind, sondern auch wie Tiere.

Schlachtfeld Kultur im Irak (3)

In der irakischen Millionenstadt Sulaymaniyah hat Penjweny einen Teil seiner Jugend verbracht. Hierhin floh seine Familie vor Saddams Armee. Heute ist die Front hundert Kilometer weit weg.

"Vor langer Zeit, als noch Frieden herrschte, sah unsere Identität, unsere Kultur ganz anders aus", sagt Jamal Penjweny. "Man hätte Sulaymaniyah mit Berlin oder New York - oder eher Florenz vergleichen können. Es gab keinen Krieg, keine Schießereien, so ist unsere Kultur wirklich. Ohne den IS."

Schlachtfeld Kultur im Irak (4)

Heute dokumentiert Penjweny mit seiner Kamera die Spuren, die der Krieg im Alltag der Menschen hinterlässt. 2013 stellte Penjweny seine Bildserie "Saddam ist hier" im irakischen Pavillon der Biennale in Venedig aus.

Die Fotos zeigen Menschen in alltäglichen Situationen. Doch ss sind Bilder von symbolischer Kraft: Sie erinnern daran, dass die Gewalt, die Saddam einst säte, bis heute nachwirkt - sie ist der Nährboden für die menschenverachtende Ideologie des IS.

Roland Jahn - Wir Angepassten (1)

25 Jahre nach dem Mauerfall beginnen Geschichten über die DDR oft so: Es war nicht alles schlecht. Roland Jahn, Bundesbeauftragter für Stasiunterlagen, meint, dass noch viel Ungesagtes in dieser Vergangenheit steckt. Warum haben die meisten Menschen die Mauer hingenommen? Waren sie einfach nur bedenkenlose Mitmacher? Wie ausgeliefert ist der Einzelne dem System einer Diktatur?

Diese Fragen stellt er sich noch immer.

Roland Jahns Eltern sind parteilos, verhalten sich aber systemkonform.

Roland Jahn - Wir Angepassten (2)

Roland Jahns Eltern sind parteilos, verhalten sich aber systemkonform. Das verlangen sie auch von ihrem Sohn: Anpassen, mitmachen, sonst hat man keine Chancen in diesem Staat.

Als Ende 1976 dem systemkritischen Lie-

dermacher Wolf Biermann nach seinem Kölner Konzert die Wiedereinreise in die DDR verweigert wird, ist Roland Jahn Student. Er kritisiert offen die Ausbürgerung. In einer Aussprache mit seiner Seminargruppe soll nun entschie-

den werden, ob er weiterstudieren darf.

Roland Jahn - Wir Angepassten (3)

Als 13 von 14 Kommilitonen gegen ihn abstimmen, ist das für Roland Jahn ein Schock.

Er wird Transportarbeiter. Seine Eltern empfinden die Exmatrikulation als Katastrophe, für den Vater hat die Rebellion des Sohnes bittere Konsequenzen. Für ihn selbst bedeutet sie den Ausschluss aus den Karrieremöglichkeiten in der DDR. Er rebelliert weiter - bis er von der Staatssicherheit verhaftet und gewaltsam in die BRD abgeschoben wird.

Roland Jahn - Wir Angepassten (4)

Roland Jahn erzählt seine Vergangenheit nicht als Heldenepos des Widerstehens. Genauso verweigert er sich allen "Eswar-nicht-alles-schlecht"-Verharmlosungen. Er will verstehen, wie es möglich war, dass es diesen Staat so lange gab.

Buchtipp

Roland Jahn: "Wir Angepassten. Überleben in der DDR"

288 Seiten, München: Piper Verlag,

ISBN: 978-3-492-05631-1

Preis: 19,99 Euro

Was ist ein Menschenleben wert? (1)

Alle Menschen sind gleich? Ein Humanis-

tisches Ideal. Mit der Realität hat es wenig zu tun. Herkunft, Alter, Einkommen - alles Faktoren, die den Wert des Menschen definieren.

Wegen eines Fußleidens hatte der Fern-

sehautor Peter Scharf Angst vor der Berufsunfähigkeit. Er sah sich nicht mehr als gut bezahlten selbständigen Journalisten, sondern als unterversicherter Frühinvaliden. Das Selbstwertgefühl im Keller, Zukunftsangste - das war der Ausfgangspunkt des Filmprojekts.

Was ist ein Menschenleben wert? (2)

Peter Scharf beschließt, seinen Geldwert zu ermitteln. Aber wie berechnet man den Wert eines Menschen?

Der Journalist startet bei sich selbst, mit dem eigenen Körper: die Blutspende bringt 20 Euro. Lukrativer ist die Samenspende: 50 Euro - wenn man Qualität abliefert. Ein Selbstversuch bringt die Erkenntnis, dass er dass nicht kann. Die Haut zu Markte tragen - ganz anders haben das moldawische Männer erlebt. Als sie in der Türkei arbeiten wollten, wurden sie zur Organspende genötigt.

Was ist ein Menschenleben wert? (3)

In Großbritannien funktioniert das Gehundheitssystem schon heute nach Formeln und Rechnungen. Formeln und Rechnungen sind natürlich ein Trick: Sie haben den schönen Schein der Transparenz und wirken objektiv. Tatsächlich sind sie reine Willkür.

"Wenn man anfängt zu rechnen", sagt Peter Scharf, "verlässt man die menschliche Ebene. Das Rechnen verselbständigt sich irgendwann. Die Zahlen haben keine Moral."

Was ist ein Menschenleben wert? (4)

Natürlich sind wir längst transparent. Die Banken haben uns berechnet und auch die Krankenkassen. Sie wissen mehr über uns, als wir selbst. So ist das. Akzeptieren sollten wir es nicht. Wenn wir das tun, verlieren wir unsere Restwürde.

Filmtipp:

"Was bin ich wert?"

Dokumentarfilm, Deutschland 2014

Buch und Regie: Peter Scharf

Länge: 94 Minuten

Filmstart: 9. Oktober 2014

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