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So 13.04.14

23.05 - 23.35 Uhr
ttt - titel thesen temperamente

Klavier als Boombox und Orchester (1)

Wenn ein Klavier komische Geräusche macht, knattert und klirrt, wird jemand gerufen, der es repariert. Der Düsseldorfer Pianist Volker Bertelmann, genannt Hauschka, fängt da erst an zu spielen.

Er präpariert das Klavier so,bis es gar nicht mehr nach Klavier klingt, sondern wie eine Boombox, ein Orchester. Dazu verwendet er Klebestreifen, Kinderrasseln, Filzkeilen, Holzstäben, Kronkorken, Plastikmüll und Radiergummis.

Klavier als Boombox und Orchester (2)

So entstehen völlig neue Sounds. Die Idee des "prepared piano" kommt aus der Neuen Musik von John Cage.

Aufgewachsen ist Hauschka auf dem Land. Der Vater ist Prokurist, die Mutter Hausfrau. Ab neun bekommt er Klavierunterricht und macht mit elf erste Experimente. Er steckt Heftzwecken in die Filze des Klaviers. Er ist ein notorischer Abbrecher: Klavierunterricht, Medizinstudium, BWL-Studium - alles hat er abgebrochen.

Klavier als Boombox und Orchester (3)

Heute ist Hauschka 47 und dengelt immer noch in Filz. Er hat ausverkaufte Konzerte in Amerika, veröffentlichte ein Album mit Hilary Hahn und macht Filmmusik für Dorris Dörrie.

CD-Tipps (Auswahl)

"Abandoned City" (City Slang, 2014)

"Silfra" (mit Hilary Hahn) (Deutsche Grammophon, 2012)

"Salon des Amateurs" (Fat Cat Records, 2011)

Klavier als Boombox und Orchester (4)

Weitere CD-Tipps

"Foreign Landscapes" (Fat Cat Records, 2010)

"Ferndorf" (Fat Cat Records, 2008)

"Room to Expand" (Fat Cat Records,2007)

"Substantial" (Karaoke Kalk, 2004)

Konzerttermine

03.05.2014 in Münster

25.05.2014 in Düsseldorf

21.08.2014 in Köln

24.10.2014 in Berlin

Die Stars hinter den Stars (1)

Merry Clayton hat mit den größten Stars gesungen. Sie hatte unzählige Hits seit einer Nacht in den Sechzigern. "Da kam ein Anruf: "Merry, die Rolling ... irgendwas aus England sind gerade in der Stadt. Die brauchen jemanden, der bei ihnen singt", erinnert sich Clayton. "Sie kreuzte in Lockenwicklern auf", ergänzt Mick Jagger.

Heiß aussehen, geil tanzen und dabei jeden Ton treffen, war lange das Ideal. Bei Ike Turner hießen sie "Ikettes".

Die Stars hinter den Stars (2)

Ike Turner sah sich als Zuhälter, die Sängerinnen als seine Huren. Claudia Lennear erinnert sich so daran: "Er sorgte dafür, dass man einen bestimmten Look hatte und auf ein bestimmte Art tanzte, sich bewegte."

Darlene Love hat unzählige Hits eingesungen. Sie gerät ausgerechnet an Phil Spector, den sadistischen Egomanen. Er sitzt mittlerweile wegen Totschlags im Knast, war aber auch einer der genialsten Hit-Produzenten.

Die Stars hinter den Stars (3)

Loves beste Aufnahmen bringt Spector nicht unter ihrem Namen heraus, sondern lässt "The Chrystals", die damals für ihn auf Tour sind, dazu singen.

"Ein Paar Wochen später sagt einer im Radio: 'Hier kommt die neue Single der Chrystals'", erinnert sich Darlene Love. "Das war meine Stimme." Sie kündigt ihren Vertrag mit Spector und geht putzen. Jahre später versucht sie es noch einmal. Es wurde nicht der große Durchbruch.

Die Stars hinter den Stars (4)

Die Stärke des Films "20 Feet from Stardom": Er zeigt die gescheiterten Lebensentwürfe der Frauen. Viele haben bessere Stimmen als die Stars. Vielleicht fehlte ihnen nur der pure Narzissmus und Killerinstinkt. Sie lieben einfach die Musik.

Filmtipp:

"20 Feet from Stardom"

Dokumentarfilm USA 2013

Regie: Morgan Neville

ab 24. April 2014 im Kino

Ein Kunstsuperstar aus Belgien (1)

So geht es in der Welt von Micha l Borremans: "Als erstes muss das Bild dich verführen. Und dann konfrontiert es dich mit der Wahrheit. Was natürlich nicht immer so angenehm ist wie das Schöne. Aber so ist es einfach. Erst kommt die Verführung und dann der Rest. Wie im Leben."

Borremans hat verschlafen an diesem Morgen. Aber jetzt geht es los, zu Hause bei ihm im Wohn-Arbeits-Superloft in Gent, Belgien.

Ein Kunstsuperstar aus Belgien (2)

Seit Dezember hat er nicht mehr gemalt, erzählt er. Hatte Ausstellungen in Japan, USA, jetzt Brüssel. Später kommt sein Galerist und will Bilder abholen. Doch nur fünfzehn pro Jahr lässt Borremans gelten. Den Rest wirft er weg

"Wie ein Messer im Auge muss ein Bild sein", sagt er. Die Surrealisten, Goya, Velázquez, da kommt er her. Er malt in Öl und mit der Kamera. Er zeigt uns eine kleine Skulptur.

Ein Kunstsuperstar aus Belgien (3)

Es ist seine neueste Arbeit: zwei ineinander verkeilte belgische Kirchtürme. Seine Kunst ist immer ein Spiel mit dem Betrachter und dem Menschsein an sich. Mit Melancholie und einem wunderbar absurden Humor.

Er sei erleichtert gewesen, als er mit neun zum ersten Mal Monty Python gesehen habe. Darüber, dass andere auch sehen, dass man dieser Welt nur mit Aberwitz begegnen kann, erzählt Borremans.

Ein Kunstsuperstar aus Belgien (4)

"Es ist nicht meine Aufgabe das Glück zu erforschen", meint er. "Was ich mache, ist intuitiv. Ich zeige nur meine Sicht der Welt. Die Welt ist doch vor allem ein verwirrender Ort. Und diese Verwirrung ist in meinen Bildern."

Ausstellungstipp

Micha l Borremans

"As sweet as it gets"

BOZAR Brüssel

bis 3. August 2014

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