Das Erste: Neues

Doku: "Die Siedler der Westbank"

Woher rühren die Ursachen für den Nahost-Konflikt und warum ist es so schwierig, ihn zu stoppen? Am Mittwoch, dem 28.September, um 23.45 Uhr bietet der Dokumentarfilm "Die Siedler der Westbank" von Shimon Dotan packende Einblicke in das Phänomen der Siedlerbewegung–von den Ursprüngen kurz vor dem Sechstagekrieg bis heute.

Wenn der Kampf zwischen Israel und den Palästinensern wirklich das Herz des Nahostkonfliktes ist, dann wird die Zukunft der israelischen Siedlungen im Westjordanland das Schicksal der Region dramatisch beeinflussen.

Phänomen der Siedlerbewegung

Vor dem Sechstagekrieg im Jahr 1967 lebten keine Juden im historischen Kernland von Judäa und Samaria. Heute sind es etwa 400.000. Die Bevölkerung dort wächst dreimal so schnell wie im Rest von Israel.

Wer sind diese Siedler, die weltweit als eines der entscheidenden Hindernisse für den Frieden in der Region angesehen werden? Wie sind sie in das umstrittene Gebiet gekommen, wie konnten sie ihre Häuser inmitten der ihnen feindlich gesinnten Bevölkerung bauen und warum weichen sie nicht, trotz aller Gefahr?

Leben und Denken der Siedler

Regisseur Shimon Dotan gelingt ein intimer und einmaliger Einblick in Leben und Denken der Siedler, die willentlich im Auge des Sturms leben und gleichzeitig vom Staat Schutz einfordern.

Führende Köpfe der Bewegung erzählen Shimon Dotan von ihrer Radikalisierung nach den Verträgen von Oslo. Die Ermordung des israelischen Ministerpräsidenten Jitzchak Rabin durch einen radikalen Anhänger der Siedlerbewegung 1995 trug wesentlich zum Scheitern des Friedensprozesses bei.

Doku: Die Siedler der Westbank

In einer umfassenden Verknüpfung historischer Ereignissen mit aktuellen Schlagzeilen beleuchtet der Dokumentarfilm Schlüsselfaktoren der gegenseitigen Abhängigkeit der Siedler und der israelischen Regierung und der andauernden Besetzung des Westjordanlandes.

Der differenzierte Blick lässt den Zuschauer verstehen, warum es politisch so schwer ist, eine Lösung für diesen gefährlichen Konflikt zu finden und umzusetzen.

Der Regisseur

Shimon Dotan wurde sowohl für seine fiktionalen als auch seine dokumentarischen Filme vielfach preisgekrönt. Er ist Stipendiat am New Yorker Institut für Geisteswissenschaften, Empfänger eines Guggenheim-Stipendiats und des Cullman-Stipendiats für Gelehrte und Autoren an der New York Public Library.

Dotan wurde in Rumänien geboren und ist in Israel aufgewachsen. Er hatte Lehraufträge für Filmproduktion und Filmwissenschaften in Israel und in Motreal und doziert zurzeit im Bereich politisches Kino an der New York University und Filmregie an der New School.

Ungelösten Konflikt verstehen

"Meiner Meinung nach", sagt Shimon Dotan, "ist es beim Versuch, einen ungelösten Konflikt zu verstehen, ein ganz wichtiger Schritt, den Extremisten auf beiden Seiten zuzuhören. Also denjenigen, die die Bruch- oder Verwerfungslinien zwischen den Parteien zeichnen. Denn obwohl es hiervon nicht gerade viele gibt, sind die Auswirkungen ihrer Handlungen unverhältnismäßig groß. Deswegen entschied ich mich dafür, 'Die Siedler der Westbank' zu drehen."

"Die Siedler der Westbank" am Mittwoch, 28.September 2016, 23.45 Uhr, im Ersten

>> "PremierenKino" im Ersten