Mo 08.12.14

20.15 - 21.00 Uhr
Gesundheits-Check:Bewegung statt Pillen

Wissenschaftlich wurde mehrfach belegt: Sport ist gut für die Gesundheit. Doch welcher Sport ist für wen der richtige? Welche Krankheiten können mit ausreichend Bewegung bekämpft werden? Was sind die besten Strategien, um gesund zu bleiben?

Sport als Therapie

Silke Aulhorn und Robert Matthias haben ein großes Ziel: Sie möchten mit Sport ihre Medikamente reduzieren. Robert Matthias leidet seit Jahren an Diabetes Typ 2. Sein Traum ist es, bald ohne Insulinspritzen auszukommen.

Sport als Therapie

Silke Aulhorn hat Depressionen. Langfristig gesehen möchte sie weniger Psychopharmaka einnehmen. Um am Ball zu bleiben, trainiert sie sogar für den Münchner Stadtmarathon.

Bevor beide mit dem Training beginnen, steht ein großer Fitness-Check an. Nur mit individuellem Trainingsplan können Silke Aulhorn und Robert Matthias sicher sein, dass sie ihr Herz-Kreislauf-System und ihre Gelenke nicht zu stark belasten. Zwei unterschiedliche Krankheiten - ein Ziel.

Fitnesstraining leicht gemacht

Wie kann Sport helfen, gesund zu bleiben? Der Fitnesscoach Klaus Reithmeier erklärt, wie das genau funktioniert.

Zusammen mit Sven Hannawald geht es zum Training in den Englischen Garten. Dabei gibt er Tipps, wie sich Ausdauer, Kraft und Gleichgewicht ohne großen Aufwand trainieren lassen. Mehr Fitness mit wenig Aufwand - das geht auch zu Hause, am Arbeitsplatz oder im Park und sogar ohne Sportgeräte. Die Reporter Caro Matzko und Fero Andersen machen den Selbsttest.

Volkskrankheit Depression (1)

Depressionen gehören zu den häufigsten und meist unterschätzten Krankheiten. Die Weltgesundheitsorganisation geht davon aus, dass bis 2020 psychische Erkrankungen wie Depressionen die zweithäufigste Volkskrankheit sein werden.

Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums leiden ca. 350 Millionen Menschen weltweit unter einer Depression. In Deutschland sind derzeit etwa vier Millionen Menschen erkrankt. Jeder fünfte Deutsche bekommt im Laufe seines Lebens einmal eine Depression.

Volkskrankheit Depression (2)

Nicht immer wird die Krankheit erkannt und optimal behandelt. Angst vor Stigmatisierung oder aber mangelnde Energie, sind Gründe für Betroffene, keine Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Die Ursachen für Depressionen sind vielfältig. Grundsätzlich trägt jeder Mensch das Risiko in sich, depressiv zu werden. Doch ob jemand erkrankt oder nicht, hängt von verschiedenen Einflüssen ab: z.B. von einer erblichen Veranlagung, körperlichen Faktoren oder auch vom persönlichen Lebensumfeld.

Mit Bewegung die Depression bekämpfen

Depressionen werden in der Regel mit Psychotherapie und Medikamenten behandelt. Der Therapieablauf hängt von der persönlichen Krankengeschichte und den jeweiligen Wünschen und Vorstellungen der Patienten ab.

Bewegung bzw. körperliches Training unterstützt jede Therapie bei Depressionen. Damit ist kein Hochleistungssport gemeint, sondern gemäßigte und regelmäßige sportliche Betätigung. Sie kann ein erster Schritt gegen Ermüdung und Antriebslosigkeit sein.

Mit Bewegung die Depression bekämpfen

Ob Sport allein Depressionen heilen kann, ist umstritten. Belegt ist aber, dass Bewegung das Befinden bei Depressionen bessert und andere Behandlungen sinnvoll unterstützt.

Wichtig ist, zu Beginn des Trainings einen allgemeinen Gesundheits-Check zu machen. Nur so kann sichergestellt werden, dass sich Sport positiv auswirkt und den Körper nicht überlastet.

Ökonomische Folgen von Depressionen

Menschen mit Depressionen sind doppelt so oft krank geschrieben wie Menschen ohne Diagnose. Obwohl sich Arbeitnehmer insgesamt immer seltener krank melden, fehlen immer mehr Menschen wegen Depressionen bei der Arbeit.

Die Krankheitskosten, wie Therapie oder Reha-Aufenthalte, belaufen sich auf jährlich mehr als fünf Milliarden Euro. Menschen mit Depressionen treten oft vor dem eigentlichen Renteneintritt in den Ruhestand. Die Kosten dafür liegen bei etwa 1,5 Milliarden Euro pro Jahr.

Volkskrankheit Diabetes mellitus

In Deutschland leiden etwa sieben Prozent der Menschen an Diabetes mellitus, bei schätzungsweise zwei Prozent ist die Krankheit noch unerkannt. Damit haben etwa acht Millionen Menschen in Deutschland einen zu hohen Blutzuckerspiegel. Die Tendenz ist steigend, vor allem bei den über 60-Jährigen.

Nach Schätzungen des Deutschen Diabetes-Zentrums werden 2030 weitere 1,5 Millionen Menschen an Diabetes erkrankt sein - und das allein in der Altersgruppe 55 bis 74 Jahre.

Die verschiedenen Diabetes-Formen

Bei Typ-I-Diabetes produziert der Körper kein Insulin. Meistens erkranken daran Kinder oder Jugendliche. Bislang ist diese Form unheilbar, weshalb ein Leben lang Insulin spritzt werden muss.

Beim Typ-II-Diabetes produziert der Körper nicht ausreichend Insulin oder es liegt eine Insulinresistenz vor. An dieser "Altersdiabetes" erkrankten in den vergangenen Jahren immer mehr junge Erwachsene und Jugendliche. Neben der Veranlagung gelten Übergewicht und Bewegungsmangel als häufigste Ursachen.

Mit Sport Typ II-Diabetes bekämpfen

Die Standardtherapie beim Typ II heißt: regelmäßige Bewegung, gesunde, ausgewogene Ernährung und bei Übergewicht abnehmen. Das führt in der Regel dazu, dass das Insulin besser wirkt und der Blutzuckerspiegel sinkt. Erst wenn das nicht ausreicht, werden Tabletten oder Insulinspritzen verschieben.

Ist der Blutzuckerspiegel über Jahre zu hoch, besteht ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nierenfunktionsstörungen, Erblindung und Fußamputationen.

Ausreichend Bewegung für ein gesundes Leben

Zu wenig Sport hat nachhaltige Folgen für die Gesundheit: Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Knochenschwund oder Diabetes Typ II können durch Bewegungsmangel entstehen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rät, sich regelmäßig zu bewegen, z.B.

- an fünf Tagen pro Woche mindestens 30 Minuten intensive Bewegung, wie Spazierengehen

- an drei Tagen pro Woche mindestens 20 Minuten körperliches Training

10.000 Schritte am Tag

Was bedeutet konkret "sich ausreichend und regelmäßig bewegen"? Experten empfehlen, täglich etwa 10.000 Schritte zu gehen. Das klingt ganz schön viel - ist es auch. Denn bei Menschen mit Bürojob liegt die Zahl oft deutlich darunter, bei etwa 4.000 Schritten am Tag.

Mit einfachen Tipps kommt Bewegung in die tägliche Routine. Diese Tipps konsequent umzusetzen, lohnt sich: Denn diejenigen, die viele Schritte während der Arbeitszeit machen, haben zum Feierabend weniger vor sich:

10.000 Schritte am Tag: Tipps fürs Büro

- Treppen statt Aufzüge und Rolltreppen

- Teambesprechungen im Gehen und Stehen

- Auto etwas entfernt vom Arbeitsort parken oder Fahrrad nutzen

- in der Mittagspause eine Runde um den Block gehen

- Arbeitsplatz so einrichten, dass man oft aufstehen muss: z.B. Papierkorb weit entfernt aufstellen

- jede Gelegenheit zum Aufstehen nutzen: z.B. beim Nachdenken

- Schrittzähler kann helfen, den Überblick zu bewahren

10.000 Schritte am Tag

Regelmäßiger Sport hilft auch, auf die täglichen 10.000 Schritte zu kommen. Je nach individueller Fitness kann das Training zügiges Spazierengehen, Radfahren, Joggen oder Schwimmen sein.

Für Sportanfänger oder Menschen mit körperlichen Einschränkungen, wie Knie-, Hüft-, oder Rückenproblemen eignet sich auch Nordic Walking.

Übungen für Kraft und Balance (1)

Kniebeuge mit Ball

- Füße hüftbis schulterbreit stellen

- Körpergewicht gleichmäßig auf Ballen und Ferse verteilen

- Bauch anspannen, aufrechter Körper

- Wichtig: Schultern fallen lassen und Brust etwas nach vorne schieben

- langsam in die Knie gehen, Gesäß nach hinten schieben

- Rücken bleibt gerade, Oberkörper geht ausgleichend nach vorne

- Knie bis zu 90 Grad beugen, Körper langsam nach oben pressen

- Oberschenkel und Gesäß anspannen

Übungen für Kraft und Balance (2)

Liegestütz auf einer Parkbank

- Hände auf die Bankrückenlehne stützen

- Abstand etwas mehr als schulterbreit

- auf Bauchspannung achten: Kopf-Hüfte- Füße sollten in einer Linie sein

- Oberkörper langsam zur gedachten Linie auf- und abbewegen

- zu jeder Zeit die Kontrolle über die Bewegung behalten

- Körperspannung und die langsame Geschwindigkeit der Bewegungen sind entscheidend dafür

Balancieren auf einem Balken

Das Balancieren schult das Gleichgewicht und die Körperwahrnehmung. Dabei steht die Sicherheit im Vordergrund. Der Balken sollte deshalb nicht zu hoch über dem Boden schweben.

Zu Beginn der Übung sollten man sich möglichst an einem Partner oder an einer Wand festhalten und mit langsamen Schritten beginnen. So bekommt man die nötige Sicherheit und ein Gefühl für die Bewegung. Wenn man Übung steigern möchte, löst man den Blick vom Balken oder man schließt die Augen.