Das Erste: Mo 06.06.16

20.15 - 21.00 Uhr
Vorsicht, Verbraucherfalle!

Künstlicher Geschmack: Die Aromatricks der Lebensmittelindustrie (1)

Früchtetee ohne Früchte, Vanille-Eis ohne Vanille - in vielen Lebensmitteln sorgen billige Aromastoffe für den richtigen Geschmack. Doch erkennen wir die Sorten überhaupt noch, ohne auf die Abbildung zu schauen?

"Vorsicht, Verbraucherfalle!" zeigt, wie sich unser Gaumen täuschen lässt und blickt hinter die Kulissen der Aromaindustrie.

Aromatricks (2)

Oft sind von den auf der Verpackung abgebildeten leckeren Früchten nur wenige im Produkt. Der Geschmack kommt von Aromen aus dem Labor. Es gibt rund 2700 synthetisch hergestellte Aromen, die als Zutaten nach Herkunft unterschieden werden.

Aroma: Steht in der Zutatenliste nur Aroma, ist es meist synthetisch hergestellt. Man erfährt dabei nicht, ob das Aroma zumindest einem in natürlichen Lebensmitteln vorkommenden Stoff nachgebaut wurde.

Aromatricks (3)

Natürliches Aroma oder natürlicher Aromastoff: Sie müssen natürlicher Herkunft sein und können aus pflanzlichen oder tierischen Ausgangsstoffen und sogar aus Mikroorganismen wie Schimmelpilzen gewonnen werden.

Beispiele:

Zedernholz oder Hopfen => Himbeer-Aroma

Buchweizenstelzen => Erdbeer-Aroma

Weinfuselöl, Tagetesöl oder Hefeöl

Destillat => Apfel-Aroma

Reiskleie => Vanille-Aroma

Rizinusöl => Pfirsich-Aroma

Aromatricks (4)

Natürliches Fruchtaroma: Wird bei natürlichen Aromen eine bestimmte Frucht benannt, muss es zu mindestens 95 Prozent aus dieser stammen. Extrakte: Aromastoffe werden durch die so genannte Extraktion mit Lösungsmitteln wie Wasser oder Alkohol aus dem Naturprodukt herausgezogen.

Clean-Labeling mit "ohne xy" (1): Viele Produkte werden mit sogenannten "Clean Labels" beworben, diese Werbehinweise sagen, was nicht drinsteckt - Geschmacksverstärker zum Beispiel.

Aromatricks (5)

Clean-Labeling mit "ohne xy" (2)

Die Werbung ist aber oft trügerisch, denn unbeliebte Zusatzstoffe werden vielfach durch deklarationsfreundliche Alternativen ersetzt, die eine ähnliche Wirkung haben, jedoch von Gesetzes wegen nicht als Zusatzstoff gekennzeichnet werden müssen.

Ohne künstliche Aromen: Der Hinweis kann verwirren, denn häufig zeigt die Zutatenliste, dass dafür sogenannte "natürliche Aromen"- zugesetzt wurden.

Aromatricks (5)

Ohne Geschmacksverstärker: Zahlreiche Produkte, die laut Werbung ohne diesen Zusatzstoff auskommen, enthalten ihn dennoch: Er versteckt sich in anderen Zutaten. Glutamat ist beispielsweise ein natürlicher Bestandteil des Hefeextraktes und muss so namentlich in der Zutatenliste nicht angegeben werden.

Ohne Konservierungsstoffe (1): Wenn das auf dem Etikett steht, heißt das nicht, dass das Produkt keine Stoffe mit konservierender Wirkung enthält.

Aromatricks (6)

Ohne Konservierungsstoffe (2): Andere Zusatzstoffe sind dafür zuständig, z.B. Antioxidations- und Säuerungsmittel.

Wie Sie diese Verbraucherfallen leichter erkennen können und was Verbraucherschützer zu diesen Tricks sagen, erfahren Sie im Internet unter:

www.vorsicht-verbraucherfalle.de

Verwirrende Fair-Trade-Siegel (1)

Mehr als 20 verschiedene fair-Siegel prangen inzwischen auf allen möglichen Produkten. Das Versprechen: ein besseres Leben für die Bauern in den südlichen Ländern. Stimmt das?

Wir waren in Westafrika auf Spurensuche und steigen selbst in das Geschäft ein: Hergestellt wird ein Schokoeis, das zwar mit einem fair-Siegel ausgezeichnet ist, in dem aber kaum fair gehandelte Zutaten stecken. Kommen wir damit durch?

Verwirrende Fair-Trade-Siegel (2)

Für was stehen Nachhaltigkeitssiegel? Jede Label-Organisation hat ihre eigenen Standards und Kriterien und manche Siegel haben wenig Aussagekraft.

Stiftung Warentest hat sechs Siegel getestet, die faire Preise für Bauern und Nachhaltigkeit versprechen: den Marktführer Fairtrade, die fairen Produkte des Bioverbands Naturland, das Siegel "Hand in Hand" vom Naturkosthersteller Rapunzel, das niederländische Utz-Zertifikat und das Siegel der Umweltschutzorganisation Rainforest Alliance.

Verwirrende Fair-Trade-Siegel (3)

"Alle untersuchten Organisationen können belegen, dass sie sich für eine sichere Existenz von Bauern in Entwicklungs- und Schwellenländern einsetzen", schreibt Stiftung Warentest. Den höchsten Standard setzt das Siegel Naturland Fair.

Auch Fairtrade und Hand in Hand garantieren Mindestpreise für die Ernte. Die Siegel von Rainforest Alliance und UTZ stehen vor allem für nachhaltige Anbaupraktiken.

Verwirrende Fair-Trade-Siegel (4)

Mehr dazu im Heft der Stiftung Warentest 5/2016 oder im Internet unter www.vorsicht-verbraucherfalle.de

Tricksereien verspielen Glaubwürdigkeit

Der Begriff "fair" ist rechtlich nicht geschützt. Wie hoch der Anteil an fair gehandelten Zutaten bei den Siegeln sein muss,ist überall unterschiedlich, und es gibt auch noch Sonderprogramme.

20-Prozent-Regel (1): Mischprodukte wie Eis oder Kekse müssen bei Fairtrade nur mindestens 20 % faire Zutaten enthalten

Verwirrende Fair-Trade-Siegel (5)

20-Prozent-Regel (2)

Für Kakao, Tee, Zucker und Orangensaft gibt es den Men-genausgleich: Faire und konventionell produzierte Rohstoffe werden im Erzeugerland vermengt, der faire Anteil wird dann berechnet. Entsprechend viele Produkte dürfen mit dem Fairtrade-Siegel ausgezeichnet werden.

Zusätzlich gibt es die Fairtrade-Rohstoffprogramme für Kakao, Zucker und Baumwolle. Unternehmen verpflichten sich z.B., eine bestimmte Menge Fairtrade-Rohkakao abzunehmen.

Verwirrende Fair-Trade-Siegel (6)

Zur Kennzeichnung gibt es das "Kakao-Programm-Siegel", das man auf den ersten Blick mit dem klassischen Fairtrade-Siegel verwechseln kann. Damit tragen nun Produkte ein Siegel, die deutlich weniger als 20 Prozent fair gehandelte Rohstoffe enthalten können.

All das muss zwar auf den Produkten gekennzeichnet sein, das geschieht aber meist in kleiner Schrift auf der Rückseite und ohne Erläuterungen.

Verwirrende Fair-Trade-Siegel (7)

Fazit: Mit klareren Regeln und einer einheitlichen Kennzeichnung könnte der faire Handel nicht so leicht als Verkaufsargument missbraucht werden und der Verbraucher wüsste eher, woran genau er ist. Aber bei aller Kritik gilt: Ein bisschen fair trade in den Produkten ist besser als nichts.

Weitere Details und viele Zusatzinfos finden sie im Internet unter:

www.vorsicht-verbraucherfalle.de

Fallen beim Gebrauchtwagenkauf:

Wie Händler abzocken (1)

"Vorsicht, Verbraucherfalle!" zeigt, wie im Gebrauchtwagenmarkt getrickst und getäuscht wird - mit einem spannenden Selbstversuch.

Wir verwandeln einen neun Jahre alten Unfallwagen mit Dellen und Kratzern in einen schicken Gebrauchten - mit kaum Kilometern. Erfahren Sie, wie viel Geld sich mit gebrauchten Autos machen lässt und wie die Betrüger geschickt Gesetzeslücken ausnutzen.

Gebrauchtwagen-Abzocke (2)

Beim Gebrauchtwagenkauf lauern viele Fallen. Unsere Tipps schützen:

- Zeit nehmen: Lassen Sie sich nicht von drängelnden Verkäufern hetzen, vergleichen Sie mehrere Angebote.

- Prüfen Sie die Papiere: Ist Ihr Vertragspartner tatsächlich der Eigentümer? Vergleichen Sie Fahrzeugbrief und Personalausweis.

Gebrauchtwagen-Abzocke (3)

- Scheckheft: Wirkt es auffällig neu? Oder ist es ein Ersatzheft? Überprüfen Sie, ob es die angegebenen Werkstätten überhaupt gibt. Achten Sie auf Widersprüche zu Angaben auf Aufklebern z.B. von Ölwechseln.

- Tachomanpulationen: Ein guter Schutz davor sind ein lückenloses Serviceheft mit Reparaturrechnungen und Belegen über die Hauptuntersuchung, auf denen die Tachostände vermerkt sind.

Gebrauchtwagen-Abzocke (3)

- Probefahrten bringen Mängel ans Licht.

- Gebrauchtwagen-Check: Der Blick eines Profis kann vor bösen Überraschungen schützen. Kosten: ca. 80-120 Euro.

- Zustand: Hat sich der Vorbesitzer um die Wartung gekümmert? Sind wichtige Verschleißteile erneuert?

Gebrauchtwagen-Abzocke (4)

- Wertschätzung: Schauen Sie z.B. in der Schwacke-Liste oder bei DAT nach, wie der Wagen eingeschätzt wird und wie sich der Wertverlust entwickelt.

Bestehen Sie auf einen ausführlichen Kaufvertrag auf dem der aktuelle Kilometerstand festgehalten ist. Muster dafür gibt es z.B. beim ADAC. Der ADAC bietet außerdem eine umfangreiche Checkliste zum Downloaden an.

www.vorsicht-verbraucherfalle.de

>> 05.30 - 09.00 Uhr ARD-Morgenmagazin Ziergräser