Das Erste: Mo 18.04.16

20.15 - 21.00 Uhr
Der Reise-Check: Billigflieger

Für wenige Euro quer durch Europa - über den Wolken tobt ein Preiskampf. Die Passagiere freut's. Ein Drittel aller Passagiere in Deutschland steigt inzwischen in den Billigflieger. Die meisten bei Ryanair, Easyjet, Eurowings, Air Berlin und Wizz.

Aber sind sie wirklich so viel günstiger als die etablierten Linienflieger? Und wie gut ist das, was sie bieten, im Vergleich zu jenen? Und wie schaffen es die Billigflieger, ihre Kosten zu senken und wer zahlt den Preis dafür?

1.Klick-Check: Wie gut und übersichtlich sind die Internetseiten? (1)

Billigflieger verkaufen ihre Tickets fast ausschließlich über das Internet. Alles ganz einfach und schnell - das behauptet zumindest die Werbung.

Die Kritik von Verbraucherschützern hat inzwischen gefruchtet: Die Internetseiten sind besser geworden, aber trotzdem versuchen die Airlines auch weiterhin, mit Klicks und Häkchen Kasse zu machen.

1.Klick-Check: Wie gut und übersichtlich sind die Internetseiten? (2)

Wie reibungslos klappen die Online-Buchungen wirklich? Wie transparent sind die Kosten? Wer hat die kundenfreundlichste Homepage?

Diese und andere Fragen haben die Macher des Reise-Checks mit Hilfe eines Marktforschungsinstituts geprüft, das auf die Analyse von Internetauftritten spezialisiert ist.

2.Kundenfreundlichkeits-Check (1)

Von den fünf Airlines hat Ryanair hat die kundenfreundlichste Website. Wie jeder Billigflieger will auch Ryanair mit Mietwagen und Hotels dazu verdienen, die Homepage ist daher voll mit Angeboten. Aber insgesamt haben die Iren nach jahrelangen Verbraucherbeschwerden ihre Seite vereinfacht und kostentransparenter gestaltet.

Negativ: Bei der Zahlungsart war die kostenpflichtige Variante voreingestellt. Dabei lassen sich auf der Homepage auch ohne Gebühr Tickets kaufen.

2.Kundenfreundlichkeits-Check (2)

Augen auf bei Eurowings: der teurere Flug ist farblich türkis unterlegt und zieht so mehr Aufmerksamkeit auf sich als der farblose günstigere. Beim Reiseschutz ist der Kaufbutton rot unterlegt, die Ablehnung farblos: dasselbe Prinzip.

Die Seiten bei Easyjet sind zum Teil völlig überfrachtet. Die Flugbuchung wird zur Nebensache.

2.Kundenfreundlichkeits-Check (3)

Keine andere Airline neben Easyjet versucht so penetrant, Hotels und Mietwagen zu verkaufen. Die Flugbuchung ist keineswegs schnell und einfach, unsere Reporterin musste sehr viele Schritte durchlaufen, vieles blieb unklar bei der Auswahl des Fluges und des Gepäcks.

Enorme Textmengen, durch die sich der Kunde arbeiten muss, gibt es bei Air Berlin. Auch hier setzt man auf das Geschäft mit Zusatzleistungen. Bei der Frage nach zusätzlicher Versicherung wird man sogar unter Druck gesetzt.

2.Kundenfreundlichkeits-Check (4)

Der Kunde muss bei Air Berlin erklären: "Ich verzichte ausdrücklich auf den angebotenen Reiseschutz und zahle im Notfall alle Kosten selbst."

Die Seiten der ungarischen Billigfluggesellschaft Wizz sind regelrecht verwirrend. Es werden pro Strecke 8 Euro Bearbeitungsgebühr erhoben: für den Buchungsvorgang, der ja Voraussetzung ist, um einen Flug zu kaufen. Das ist dreist, meinen wir, und sehen Wizz in puncto Kundenfreundlichkeit der Internetseiten auf dem letzten Platz.

3.Der Gepäck-Check (1)

Bei den Billigfliegern gilt: Aufgegebene Koffer kosten immer extra. Wer wirklich billig fliegen will, darf nur mit leichtem Handgepäck unterwegs sein.

Aber welche Gepäckstücke sind überhaupt in der Kabine erlaubt? Die Größenangaben der Fluggesellschaften sind ein ziemliches Wirrwarr. Auf die Angaben der Kofferhersteller darf man sich jedenfalls nicht verlassen, denn ist das Bordgepäck zu groß, droht kurz vor Abflug eine saftige Nachzahlung.

3.Der Gepäck-Check (2)

Die üblichen Standardmaße 55x40x20 cm werden mittlerweile von einigen Airlines unterschritten.

Am großzügigsten beim Handgepäck ist Easyjet. Ryanair und Wizz sind am strengsten. Hier der Überblick:

Easyjet

56 x 45 x 25 cm, Gewicht egal

Air Berlin

55 x 40 x 23 cm, 8 kg

3.Der Gepäck-Check (3)

Handgepäck im Überblick (Fortsetzung)

Eurowings

55 x 40 x 23 cm, 8 kg

Ryanair

55 x 40 x 20 cm, 10 kg

Wizz

42 x 32 x 25 cm, Gewicht egal

3.Der Gepäck-Check (4)

7,5 oder 8 Kilo Gepäck für ein Wochenende, vielen reicht das nicht. Wenn man noch mehr mitnehmen will, ohne dafür zu zahlen, kann sich mit einem Trick behelfen.

Im Internet gibt es inzwischen ab 70 Euro spezielle Jacken und Kleider, die es einem ermöglichen, mehrere Kilo an zusätzlichem Handgepäck mitzunehmen - immer vorausgesetzt, die Sicherheitsbestimmungen beispielsweise für Flüssigkeiten werden eingehalten.

3.Der Gepäck-Check (5)

Das "Check"-Team hat sich von einer angehenden Modedesignerin helfen lassen und ist mit einem eigenen Jacken-Entwurf unterwegs gewesen. In dieser Jacke konnte der komplette Inhalt aus dem Handgepäck-Trolley untergebracht werden!

Das Ergebnis: Bei keiner der getesteten Airlines gab es mit dem zusätzlichen Handgepäck Probleme. Am Ende konnte das "Check"-Team das Doppelte mitnehmen, ohne dafür extra bezahlen zu müssen.

4.Der Komfort-Check (1)

Lohnt sich der Billigflieger oder geht es sogar schneller und günstiger mit Airlines wie Lufthansa, British Airways oder Air France?

Das "Check"-Team hat es ausprobiert am Beispiel von Frankfurt nach Barcelona. Check-Reporterin Susanne Gebhardt ist mit Ryanair, der Airline, die mit den günstigsten Tickets wirbt, von (Frankfurt-)Hahn nach (Girona-)Barcelona geflogen. Eine andere Kollegin vom Frankfurter Flughafen zum Flughafen El Prat vor den Toren Barcelonas.

4.Der Komfort-Check (2)

Zum reinen Ticketpreis kamen bei der Ryanair-Variante noch sehr viele Extrakosten dazu: für die Anreise nach Hahn, für die Verpflegung, für die Anreise vom Provinzflughafen Girona nach Barcelona, während im Lufthansa-Ticketpreis die Verpflegung enthalten ist und die Anreisen zum Startflughafen und Zielort bequemer und kostengünstiger sind.

Fazit: Im Check-Versuch war die Reise mit Ryanair fast 18 Euro teurer und obendrein über zwei Stunden länger!

4.Der Komfort-Check (3)

Beim Buchen hilft also nur eins: Preise vergleichen und genau hinschauen, wo der Flieger tatsächlich landet.

Die Billigflieger sorgen für Konkurrenz - dadurch sinken auch die Preise bei den klassischen Linienfliegern. Die bieten aber oft mehr Service und steuern die großen Flughäfen an.

5.Der Service-Check (1)

Wie steht es um die Pünktlichkeit der Billigflieger? Was tun die Airlines bei Verspätungen und Flugausfällen für ihre Kunden?

Die Fluggesellschaften werben mit ihren Pünktlichkeitswerten - auch die Billigflieger. So sollen bei Ryanair im Schnitt fast 89 Prozent aller Flüge pünktlich sein, das heißt mit maximal 15 Minuten Verspätung ihr Ziel erreichen. Bei Air Berlin sind es mehr als 85 Prozent, bei Easyjet etwas mehr als 80 Prozent.

5.Der Service-Check (2)

Doch so ärgerlich Verzögerungen bei der Reise sind, Anspruch auf eine Entschädigung haben Fluggäste lediglich ab einer Verspätung von mindestens drei Stunden - und wenn die Airline die Verspätung zu verantworten hat.

Geregelt ist das in der EU-Verordnung 261/2004. Je nach Flugdistanz stehen Passagieren im Falle einer massiven Verspätung zwischen 250 und 600 Euro zu. Doch wenn sich Kunden der Billigflieger an ihre Airlines wenden, gehen sie oft leer aus.

5.Der Service-Check (3)

"Sicherlich gehört es zur Strategie der Billigflieger, Ansprüche abzulehnen", sagt Jonas Swarenski, Jurist bei Flightright, einem auf die Durchsetzung von Fluggastrechten spezialisierten Unternehmen mit Sitz in Potsdam.

"Die Airlines sparen an allen Enden. Wenn ich auf einem Flug, der vielleicht nur 50 Euro gekostet hat, 250 Euro auszahlen muss, und das verhindern kann oder einfach durch Desinformation verhindern kann, ist das sicherlich ein beliebtes Mittel."

5.Der Service-Check (4)

Überdurchschnittlich oft sind Ryanair und Easyjet von Flugverspätungen mit mehr als drei Stunden betroffen. Laut Swarenski zeigen das die Fluggastdaten. "Diese Unternehmen müssen wir im Verhältnis auch am häufigsten verklagen."

Air Berlin gehört zu den Airlines, mit denen sich die Mitarbeiter von flightright am häufigsten auseinandersetzen müssen. Das sei jedoch meist unproblematisch: "Wenn wir uns bei Air Berlin melden, können wir unseren Kunden schnell zu ihrem Recht verhelfen."

5.Der Service-Check (5)

Gemessen an der Anzahl ihrer Flüge hat Air Berlin von den vom Reisecheck beobachteten Billigfliegern die wenigsten Verspätungen von mehr als drei Stunden.

Fazit: Die Billigairlines drücken sich teilweise massiv um die Fluggastrechte. Manche verweigern Entschädigungen sogar grundsätzlich. Und ohne juristische Hilfe kommen Passagiere oft nicht zu ihren Fluggastrechten.

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