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Unterschiedliche Zahlen: Warum?

Bisweilen gibt es Verwirrung: Das Robert Koch-Institut (RKI) veröffentlicht andere Zahlen als die US-amerikanische Johns Hopkins Universität. Die Gründe: Beide Institute nutzen unterschiedliche Methoden und Techniken zur Erhebung.

Das RKI ist die oberste Seuchenschutzbehörde in Deutschland. An sie melden die Bundesländer ihre Daten zu den bestätigten Covid-19-Fällen. Sie wiederum haben ihre Daten von den 400 Gesundheitsämtern erhalten. Einmal am Tag veröffentlicht das RKI seine aktuellen und elektronisch ermittelten Zahlen mit Stand von Mitternacht.

Unterschiedliche Zahlen: Warum?

Zwischen dem Bekanntwerden eines Falls und seiner Erfassung beim RKI kann eine gewisse Zeit vergehen. Vor allem an den Wochenenden können nicht alle Gesundheitsämter ihre Daten übermitteln.

Die Forscher der Johns Hopkins Universität suchen dagegen im Internet nach öffentlich zugänglichen Daten. Das Institut aus Baltimore verweist auf mehrere Quellen, darunter die WHO, das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten, staatliche asiatische und US-Stellen sowie mehrere private Anbieter. Die Daten werden fortlaufend aktualisiert.

Zahlen werden mitunter korrigiert

Das Robert Koch-Institut und die ihm zuarbeitenden Gesundheitsämter stehen unter hohem Zeitdruck, die Zahlen möglichst schnell zu veröffentlichen.

Im Rahmen von Qualitätsprüfungen und Datenbereinigungen der Gesundheitsämter kann es vereinzelt vorkommen, dass schon übermittelte Fälle im Nachhinein korrigiert bzw. gelöscht werden. Daraus können sich negative Werte bei der Differenz der Fälle im Vergleich zum Vortag ergeben. Abweichungen sind beispielsweise möglich, wenn ein Fall nach der Ermittlung des Wohnortes einem anderen Gesundheitsamt zugewiesen wird.

Die Reproduktionszahl

Die Reproduktionszahl zeigt die Anzahl der Menschen an, die im Schnitt von einer erkrankten Person angesteckt werden. Ein Wert größer als eins bedeutet, dass sich das Virus immer weiter ausbreitet. Bei einem Wert eins bleibt die Zahl der Infizierten konstant. Ein Wert unter eins bedeutet, dass die Pandemie zurückgehen wird.

Tatsächlich handelt es sich bei der Reproduktionszahl um einen laufend aktualisierten Durchschnittswert, der nach einem mathematischen Verfahren ("Nowcasting") vom RKI immer wieder neu berechnet wird.

Die Reproduktionszahl

In die Berechnung für den "klassischen" Wert R fließen nur Meldedaten ein, die älter als drei Tage sind. Berücksichtigt werden die beiden davor liegenden Viertagesintervalle. Um Schwankungen besser auszugleichen, gibt das RKI auch den "7-Tage-R" an. Hier wird der 7-Tage-Mittelwert der Neuerkrankungen eines Tages mit dem 7-Tage-Mittelwert 4 Tage zuvor verglichen.

Zur Beurteilung der Dynamik einer Pandemie reicht der R-Wert aber nicht aus. Wichtig ist auch die Zahl der Neuinfektionen, die der positiven Tests sowie die Belastung des Gesundheitssystems.

Die Reproduktionszahl

Für Sars-CoV-2 nennen Studien laut Robert Koch-Institut R-Werte zwischen 2,4 und 3,3, sofern keine Maßnahmen zur Eindämmung des Virus getroffen werden und niemand immun ist. Grundsätzlich ist der Reproduktionswert aber bei jeder Epidemie anders.

Nur ein Teil wird dadurch festgelegt, wie leicht sich ein Erreger von Natur aus ausbreiten kann. Der andere Teil wird durch die Gegenmaßnahmen bestimmt.

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